Lokales

Raftingboot als schwimmendes Klassenzimmer

Der Neckar lässt sich gut vom Ufer aus erkunden. Viel interessanter ist dies aber von seiner Mitte aus: Das können Schüler ab sofort beim "Schwimmenden Klassenzimmer auf dem Neckar", dem neuesten Projekt des Naturschutzbundes NABU im Kreis. Am Samstag gab es eine erste Probefahrt.

PETER DIETRICH

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PLOCHINGEN Seit sieben Jahren bietet der NABU sein "Grünes Klassenzimmer" und die "Schule im Stall" an jedes Jahr finden rund hundert Termine mit Schulklassen, Kindergärten und Jugendgruppen statt.

Eines der beliebtesten der 26 Themen ist "Lebensraum Wasser". Nun kombiniert der NABU dieses mit einer vergnüglichen Bootsfahrt. Dazu nutzt er seine drei Raftingboote mit je acht Plätzen. Das dritte Exemplar kam ganz neu dazu, es ist eine Spende des Hafenvereins Plochingen, der immer wieder Naturprojekte rund um den Fluss fördert.

Vor dem ersehnten Start beim Nürtinger Wehr hieß es: Schwimmwesten anlegen und den Helm aufziehen. Raftingboote gelten zwar als unsinkbar, aber die Schuhe sollten Wasser aushalten, denn das Boot hat unten Öffnungen. In wilderen Gewässern, in denen das Boot schneller unterwegs ist als die Strömung, entweicht durch sie das oben hereinschwappende Wasser.

Doch auf dem Neckar geht es ruhiger zu, die Strömung treibt das Boot ohne Paddeln langsam voran ganz still vorbei an einem Reiher, der gerade am Ufer sitzt und nach Fischen Ausschau hält.

Als es einmal steiniger wird, kommentiert NABU-Bezirksgeschäftsführerin Jenny Helber scherzhaft, das sei "ja schon Wildwasserstufe zwei". Die Strömung lasse bald nach, sagt Klaus Nimmrichter, Referent beim "Grünen Klassenzimmer" und heute gleichzeitig Steuermann: Das nächste Wehr staue den Fluss zurück bis zur Nürtinger Kläranlage, man fahre praktisch auf einem See: "Hier lagert sich Schlamm ab, das Wasser riecht anders."

Etwa vier bis fünf Stunden hat der NABU für die gesamte Tour bis zum Umweltzentrum Necker-Fils in Plochingen eingeplant, schließlich soll unterwegs auch etwas Zeit bleiben. Da werden am Ufer Steine herumgedreht, um mit Becherlupen nach Bachflohkrebsen, Egeln oder Eintagsfliegenlarven zu sehen, da lassen sich bei den Wernauer Baggerseen Graureiher oder Kormorane beobachten. Es gibt Wasserfrösche, Ringelnattern oder an einem Steilabbruch einen Eisvogel zu sehen. "Mit dem leisen Boot kommt man näher an die Tiere heran", freut sich Nimmrichter.

Beim Tragen der Boote müssen immer alle mit anpacken auch um mehrere Wehre herum, die nicht nur den Booten, sondern auch Tieren den Weg versperren. So etwas lässt sich, genau wie der Unterschied zwischen einem naturnahen und einem künstlich eingeengten Flussbett, vom Boot aus viel direkter erfahren als sonst.

Für das Projekt "Schwimmendes Klassenzimmer" haben die NABU-Gruppen im Landkreis gespendet, vom Kreisjugendring gab es Zuschüsse. Wegen des unsicheren Zuschusses des Landkreises für das "Grüne Klassenzimmer" wünscht sich Jenny Helber fürs neue Projekt noch einen Sponsor. Um die Boote besser auszulasten, vermietet sie der NABU komplett mit Begleitpersonal auch an Erwachsene zum Geburtstag, zur Hochzeit oder einfach so.