Lokales

randbemerkung

Wer kennt das nicht: Viele Spielzüge geht alles gut. Das Vermögen mehrt sich, die Beteiligung an vielen verschiedenen Straßenzügen mindert Risiken. Das Hotelimperium in Parkstraße und Schlossallee rückt in greifbare Nähe. Doch plötzlich wendet sich das Blatt. Steuerrückzahlungen werden fällig, zusätzliche Mietforderungen schlagen ebenso zu Buche wie Energiekosten, und die vermeintlich sichere Geldanlage wird zum Schleuderpreis verramscht.

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Monopoly gilt gemeinhin als Spiel für Zocker. Darin unterscheidet es sich gewiss gravierend von den seriösen Akteuren in der Kreisverwaltung. Umso schlimmer, dass auch solide Beamten nicht davor gefeit sind, unversehens in den Strudel der finanziellen Abwärtsspirale zu geraten.

Tatsächlich gibt es auch frappierende Parallelen. So trifft es bei dem beliebten Brettspiel, das in der großen amerikanischen Wirtschaftskrise 1930 erfunden wurde, keineswegs zuverlässig nur die Großmäuligen und die Risikofreudigen. Untätigkeit ist auch keine Alternative, sie führt erst recht in den Untergang. Und sogar die ganz Vorsichtigen kann es mal erwischen.

Kurzum: Ein Patentrezept gibt es bei Monopoly ebenso wenig wie im richtigen Leben. Die Finanzkrise lehrt ebenso wie jede Runde des Spiels, dass man gar nicht genug Vorsicht bei gleichzeitigem Weitblick walten lassen kann und auf der Verliererseite keineswegs garantiert die Schuldigen sitzen. Das Spiel lehrt aber auch, dass auch Vertrauen Grenzen haben sollte. Den Aussagen aller Beteiligten ist nur begrenzt Glauben zu schenken, weil Taktik und Strategie zielführender sind als Ehrlichkeit. IRENE STRIFLER