Lokales

Rasche invasive Behandlung "Die Zeit ist entscheidend"

Erkrankungen der Herzkranzgefäße sind die häufigste Todesursache in Deutschland. Das Paracelsus-Krankenhaus in Ruit ist nun für die Behandlung von Herzinfarktpatienten besser gewappnet. In Kooperation mit dem privaten Herz-Zentrum Filder bietet Ruit jetzt Diagnostik und Behandlung mit dem Herzkatheter an.

ROLAND KURZ

Anzeige

OSTFILDERN Während sich die politische Diskussion um die Einrichtung von Herzkatheter-Messplätzen in Kirchheim oder in Esslingen Anfang des Jahres heftig entzündet hatte, bereitete Ruit in aller Stille den Umbau vor. Der Esslinger Kardiologe Ulrich Borst hat gemeinsam mit Professor Hartmut Hanke im Paracelsus-Krankenhaus Räume angemietet und für rund eine Million Euro eine digitale Siemens-Herzkatheteranlage installiert, dasselbe Modell wie in den Städtischen Kliniken Esslingen.

Borst betreibt in Esslingen seit zwölf Jahren eine kardiologische Praxis mit Herzkatheter. Die beabsichtigte Kooperation mit den Städtischen Kliniken scheiterte aber offenbar am früheren Chefarzt der Klinik. Das Esslinger Herz-Zentrum betreibt Borst weiter, das alte Herzkathetergerät werde er aber vermutlich nicht mehr benötigen. Hanke war Leitender Oberarzt des Herzkatheterlabors an der Universitätsklinik Ulm. Seit Oktober arbeitet das Duo am Paracelsus-Krankenhaus.

Als Herz-Zentrum GmbH übernehmen sie für die stationären Patienten des Kreiskrankenhauses die invasive kardiologische Behandlung (Gefäßerweiterung mit Ballon und Einsetzen von Gefäßstützen) und führen gleichzeitig ambulante Untersuchungen durch. Diese Art der Kooperation sei in der Region einmalig, so Hanke.

Die Behandlung von Herzinfarkten habe sich in den vergangenen fünf Jahren dramatisch verändert, erklärte Professor Wolfgang Habscheid, Chefarzt der Inneren Abteilung in Ruit. Während man früher vorwiegend versucht habe, Blutgerinsel medikamentös aufzulösen, sei man heute praktisch dazu gezwungen, die Herzpatienten in ein Katheterlabor zu bringen und das Gefäß mechanisch zu öffnen. Ohne Herzkatheter verlöre die Innere Abteilung in Ruit 30 Prozent der Patienten. Die Kooperation mit dem Herz-Zentrum stelle das Krankenhaus auf eine solide wirtschaftliche Basis.

Rasche invasive Behandlung sei die Leitlinie, betonte Hanke. Ein verschlossenes Gefäß müsse innerhalb von drei Stunden geöffnet werden. Hanke: "Die Zeit ist entscheidend." Der Katheter-Kardiologe sei bei Herzinfarkt auch nachts gefragt. Das Herz-Zentrum Filder ist vorläufig nur von 8 bis 18 Uhr geöffnet. Bevor man auf Rundumbetrieb gehen könne, müsse das Personal am Krankenhaus trainiert werden, so Borst. Für den niedergelassenen Herzspezialisten hat die Kooperation den Vorteil, dass er die 24-Stunden-Überwachung nach einer Untersuchung der Klinik überlassen kann.

Patienten, die während einer OP einen Infarkt bekommen, haben durch das nahe Katheterlabor eine bessere Überlebenschance. Hanke sprach von optimaler Verzahnung von ambulanten und stationären Strukturen. Die politische Diskussion der vergangenen Monate greift für Borst zu kurz: Allein von der Fallzahl könne man nicht auf die Qualität der Behandlung schließen.