Lokales

Rasen bleibt bis Juli "heilig", um zu wurzeln und zu wachsen

Ein halbes Jahr nach Beginn der Umbauarbeiten sprießt im Lindachstadion in Weilheim bereits der neue Rasen. In Bälde soll auch der Kunststoffbelag für die Leichtathletikanlagen folgen. Wenn die Arbeiten im Okober beendet sind, steht das Stadion den Sportlern wieder zur Verfügung mit einer Ausnahme: Das Rasenspielfeld bleibt bis Ende Juli 2006 tabu.

ANDREAS VOLZ

Anzeige

WEILHEIM Dem frischen Grün im Weilheimer Stadion ist kaum anzusehen, dass es noch zehn Monate lang auf absolute Schonung angewiesen ist, um ganz in Ruhe zu wurzeln und zu wachsen. Was dem Rasen ebenfalls keiner ansieht, ist die komplizierte Technik, die sich in seinem "Unterbau" verbirgt: Albert Englert, der für die Bauleitung zuständig ist, erwähnt die Gräben, die parallel zur Mittellinie und rings um das innere Oval der Laufbahn verborgen liegen: "Die Gräben sind 60 Zentimeter tief und haben teilweise vier verschiedene Funktionen."

Vor allem dienen die Gräben der Drainage. Das Regenwasser wird zur Lindach hin abgeleitet. Außer der Ent- ist aber auch für die richtige Bewässerung gesorgt. Zurzeit verwende die Beregnungsanlage rund 20 Kubikmeter Wasser bei einem einzigen Durchgang, sagt Albert Englert. "Für den Rasen ist das nötig zum Wachsen. Später wird die Wassermenge reduziert." Was sich ebenfalls unter dem Gras durchzieht, sind Kabel für die Lautsprecheranlage sowie für die elektronische Zeitenmessung bei Leichtathletikwettbewerben. Das Spielfeld selbst vergleicht Englert mit einem Walmdach: Es fällt von der Mitte zu den Seitenauslinien um 30 Zentimeter ab. Von der Torauslinie dagegen steige es vergleichsweise geringfügig zur Mittellinie an.

Was gleichfalls angestiegen ist, das sind die Kosten für die gesamte Maßnahme. Das liegt unter anderem an der Stehtribüne, die auf Wunsch der Fußballabteilung des TSV Weilheim hinzugekommen ist. "Das hat sich jetzt noch realisieren lassen, nachher wäre es nicht mehr möglich gewesen", begründet TSV-Vorstandsmitglied Bruno Kächele die flexible Vorgehensweise bei der Stadionneugestaltung. Wie hoch die Baukostenüberschreitung letztlich ausfallen wird, könne er zum jetzigen Zeitpunkt aber noch nicht sagen. Dass es im "neuen" Stadion "nur" vier 400-Meter-Bahnen gebe, habe indessen nichts mit den Kosten zu tun, betont Kächele. Sechs Bahnen seien aus Platzgründen gar nicht möglich. Die Lichtmasten sind eine vorgegebene Größe, genauso der Abstand zwischen Stadiongaststätte und Federbach: "Wir mussten das Stadion dazwischen reinschieben."

Von einer weiteren vorgegebenen Größe wusste im Vorfeld niemand, wie Albert Englert bemerkt: "Alle sind von einem stabilen Kiesboden ausgegangen. Tatsächlich war aber viel Lehm dabei. Die Bodenstabilisierungsmaßnahmen, die dadurch nötig wurden, haben allein schon 17 000 Euro gekostet." Insgesamt waren für die Stadionsanierung einschließlich Regiegebäude Kosten von 525 000 Euro vorgesehen. Der feste Zuschuss der Stadt Weilheim beläuft sich auf 330 000 Euro. Was immer also an Mehrkosten anfallen wird, hat der TSV zu tragen.

Sehr viel lässt sich beim Umbau durch Eigenleistung einsparen. Die Verantwortlichen bei der Stadt und im Verein loben zudem das Engagement und die Spendenbereitschaft ortsansässiger Firmen, die Maschinen und Arbeitskraft zur Verfügung stellen. Was die Eigenleistung der TSV-Abteilungen Fußball, Leichtathletik und Handball betrifft, kann Vorstandsmitglied Dieter Bischoff auf stolze Zahlen verweisen: "Bis jetzt wurden schon 1 450 freiwillige Arbeitsstunden geleistet."

Momentan sind noch schwere Fahrzeuge im Stadionrund zugange. An der Nordseite zur Lindach hin entsteht gerade eine Abschlussmauer mit Muschelkalksteinen. Sobald das schwere Gerät nicht mehr benötigt wird, können die Belagsarbeiten beginnen: Fünf Zentimeter Makadam und 1,3 Zentimeter Polytan werden dann aufgetragen. Wenn die Laufbahn schließlich in neuem Rot erglänzt, können die Leichtathleten ihren Trainingsbetrieb im (teil)sanierten Stadion wieder aufnehmen. Nur die Fußballer müssen sich noch bis zum Sommer nächsten Jahres mit den Ausweichplätzen begnügen. Wenn der Rasen Ende Juli nicht mehr "heilig" ist, sondern betreten werden darf, bietet das Stadion "auf Jahrzehnte hinaus beste Voraussetzungen für den Sport". So zumindest lautet die Zwischenbilanz von Bürgermeister Hermann Bauer.

INFOFür Freitag, 28. Juli 2006, ist die Einweihungsfeier des renovierten Lindachstadions vorgesehen. Zwei Tage später beginnt der erste Härtetest: das Teckbotenpokal-Turnier.