Lokales

Rasselbanden auf Expansionskurs

Es wuselt im und um den Sandkasten des Kindergartens Alemannenweg in Notzingen. Mit sämtlichen fahrbaren Untersätzen sind die Mädchen und Buben im Freigelände unterwegs. Mittendrin im quirligen Geschehen sind seit Anfang dieses Jahres die Minis der "Rasselbande".

IRIS HÄFNER

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KIRCHHEIM/NOTZINGEN "Das klappt alles prima hier", freut sich Tille Maier, Chefin der Kirchheimer Rasselbande, über den reibungslosen Ablauf in der neuen Außenstelle in Notzingen. Seit Januar füllen Marie, Fabian, Julius und Ole den verwaisten Gruppenraum im Kindergarten Alemannenweg wieder mit Leben sehr zur Freude der alteingesessenen Erzieherinnen, die die Kleinen vom ersten Tag an ins Herz geschlossen haben.

Die Erzieherinnen verstehen sich untereinander gut, ebenso die Kinder. Strenge Trennungen gibt es nicht, die Kids toben sich gemeinsam im Außenbereich aus und nutzen allesamt die Puppenecke, die bei den Minis untergebracht ist. "Wir verstehen uns nicht als Konkurrenz zum Regelkindergarten, sondern als ergänzendes Angebot", betont Tille Maier. Sie kann als freie Trägerin schneller auf "Kundenwünsche" reagieren als Kommunen, die bei Angebotserweiterungen gewisse Prozesse einhalten müssen.

Die unter Dreijährigen brauchen mehr Zuwendung als die Größeren, und die bekommen sie auch. Zwei Erzieherinnen kümmern sich um die Kleinen. Ein Wickeltisch steht bereit, jedes Kind hat seine Kiste mit Schnuller und Kuscheltier und nicht zu vergessen die persönliche Zahnbürste und das eigene Reisebettchen, denn nach dem Essen ist Körperpflege und Ruhe angesagt.

Ab 7 Uhr können die Eltern ihre Kinder in die Kindertageseinrichtung bringen, um 14 Uhr ist dann Feierabend in Notzingen. Während dieser sieben Stunden übernehmen die Mitarbeiterinnen all die Aufgaben, die sich so im Kinderalltag ergeben. "Wir zeigen ihnen ihr Umfeld. Damit sie Notzingen kennenlernen, gehen wir gemeinsam zum Bäcker", erzählt Tille Maier. Auf solch einem Erkundungsgang hat Fabian seinen neuen Freunden gezeigt, wo er wohnt. "Wir gehen jeden Tag raus egal wie das Wetter ist", nennt die Rasselbande-Chefin einen ihrer Grundsätze. Da jedes Kind eine Buddelhose und Gummistiefel im Gruppenraum stehen hat, ist auch das größte Schmuddelwetter kein Problem. "Familienergänzend" nennt Tille Maier ihre Aufgabe. "Was sonst die Mutter unternimmt, machen wir. Damit entlasten wir die Eltern", erklärt sie weiter. Gemeinsam geht die Gruppe auch ins Museum oder die Bücherei nach Kirchheim oder schlendert über den Markt. So entsteht eine großfamilienähnliche Struktur, bei der das Kind trotzdem noch individuell gefördert wird.

"Wir können jederzeit aufstocken", sagt Tille Maier. Seit Februar sind drei weitere Kinder in den Alemannenweg eingezogen, für März liegen nochmals zwei Anmeldungen vor. "Es war schon immer mein Traum, eine eigene Kita zu haben", erzählt Tille Maier. Mit der Rasselbande hat sie sich diesen Wunsch erfüllt. Im Haupthaus in der Notzinger Straße in Kirchheim kocht ihr Mann Joachim für alle. Dort helfen die Schützlinge dann schon mal beim Kartoffelschälen oder schnippeln für den beliebten Obstsalat die Früchte klein. Auch die heiß begehrte Pizza dürfen sie hin und wieder belegen. "Manchmal streiten sie sich fast darum, wer mithelfen darf", meint Tille Maier lachend.

Doch nicht nur in Notzingen hat die umtriebige Erzieherin in diesem Jahr eine Zweigstelle eröffnet. Im Wächterheim ist eine weitere Rasselbande eingezogen, weil im Haupthaus in der Notzinger Straße keine weitere Gruppe Platz hat. Weil im benachbarten Wächterheim die Räume einer ehemaligen Jugendwohngruppe frei geworden sind, werden sie nun von Kleinkindern genutzt. Viel Platz haben die Minis hier, eine zweite Gruppe mit weiteren zehn Plätzen könnte dort problemlos ebenfalls eine Heimat finden. "Die Rasselbande passt zu uns, denn schließlich haben wir als Entbindungsheim angefangen", sagt Peter Dannenhauer, Leiter der Einrichtung. Zudem findet er die Kombination von Altenpflegeheim und Kindertagesstätte spannend. "Wir wollen neue Modelle entwickeln und dann Stück für Stück ausbauen", meint er weiter.

Die Zusammenarbeit ist hier ebenfalls ohne große Probleme über die Bühne gegangen, beide Partner sprechen von einer Win-Win-Situation. Das Wächterheim stellt die Räume zur Verfügung, kocht und putzt für die Gruppe, während die Betreuung in den Händen der Rasselbande-Mitarbeiterinnen liegt. Peter Dannenhauer schwebt ein Mehrgenerationenhaus vor, in dem Menschen im Alter von null bis 99-plus unter einem Dach vereint sind. "Wir versuchen, uns nach außen zu öffnen und wollen unsere Kooperationen ausdehnen. Wir sind mehr als ein Pflegeheim und eine Jugendhilfeeinrichtung", erklärt er weiter. Er will die einzelnen Gruppen nicht isoliert betreuen, sondern möglichst viele Schnittstellen schaffen, sprich Begegnungen möglich machen. So sind beispielsweise an einem festen Tag gemeinsame Aktivitäten wie Tanzen, Singen oder Spielen geplant. Peter Dannenhauer kann sich aber auch Märchen- oder Vorlesestunden vorstellen, da den Kindern all das geboten werden soll, was sie zu Hause nicht oder im erforderlichen Umfang bekommen. Dazu gehört auch die Wertevermittlung beispielsweise, wie man mit hilfebedürftigen Menschen umgeht.