Lokales

Rat sieht keinen Handlungsbedarf

Der Gemeinderat Holzmaden hält die Kanalisierung eines durch eine Müllhalde fließenden Baches für nicht notwendig. Das Landratsamt Esslingen fordert genau dies und eine Holzmadener Eigenbeteiligung von 50 000 Euro.

ALEXANDER KAPPEN

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HOLZMADEN Ein ehemaliger Steinbruch im Nordosten des Waldstückes "Frauenholz" sorgte in der jüngsten Sitzung des Holzmadener Gemeinderates für reichlich Gesprächsstoff. Die Gemeinde Holzmaden ist Haupteigentümer des Geländes, kleinere Anteilen gehören den Gemeinden Aichelberg und Zell. Im Jahr 1999 erwarb eine Nürtinger Baufirma das betreffende Waldstück und plant seitdem, hier eine Bauschutt-Aufbereitungsanlage zu errichten, die aber nie genehmigt wurde.

Ab den 50er-Jahren wurde der stillgelegte Steinbruch von den Gemeinden mit Hausmüll aufgefüllt. Der Müll stellt für das Grundwasser möglicherweise eine Gefahr dar, da durch den Steinbruch ein kleiner Bach fließt, sagen Naturschützer. Sie befürchten einerseits eine Verschmutzung durch polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK). Diese kommen unter anderem in aromatischen Ölen vor und werden von der Industrie als Weichmacher zum Beispiel in Autoreifen verwendet, können aber auch durch Brände im ölhaltigen Schiefer entstehen. Andererseits fürchten die Naturschützer, dass die Schadstoffgruppe Trinitrotoluol (TNT), die auch in Sprengstoffen vorkommt, ins Grundwasser gelangen könnte.

Wie Holzmadener Zeitzeugen bestätigt haben, wurde der betreffende Steinbruch kurz nach dem Zweiten Weltkrieg benutzt, um hier Kleinsprengkörper wie Granaten und Munition zu entsorgen. Mehrere fachtechnische Untersuchungen des Grund- und Oberflächenwassers in den Jahren 1992 bis 1996 ergaben aber bezüglich beider Schadstoffgruppen kein Überschreiten der Grenzwerte.

Auch die 2007 durchgeführte Untersuchung des Holzmadener Ingenieurbüros Bausch gab Anlass zur Entwarnung. "Wir haben im Labor Proben des Baches vor und nach dem betreffenden Steinbruch analysiert. Die Werte liegen deutlich unter der gesetzlich festgelegten Schadstoffgrenze", sagte der Geologe und Umweltexperte Wolfgang Bausch in der Gemeinderatssitzung.

Das Landratsamt Esslingen hatte in einem Schreiben vom 17. Juli 2007 die Gemeinde Holzmaden noch einmal aufgefordert, die von einer Bewertungskommission empfohlene Verdohlung des Baches an der Stelle des Steinbruches in die Tat umzusetzen. Diese Sanierungsmaßnahme solle das bestehende Restrisiko ausschließen. Bereits 1997 hatte die Bewertungskommission des Landratsamtes eine Kanalisierung angeregt. Auch die Naturschützer schalteten sich wieder ein. Sie hatten erhebliche Bedenken, wegen dem "Eingriff in das bestehende Biotop" und forderten eine Zurücksetzung des Einlaufbauwerkes.

Wurden die Untersuchungen noch weitgehend durch Bezuschussungen des Landes finanziert, so müsse sich nun die Gemeinde Holzmaden trotz Zuschüssen zumindest mit 50 000 Euro an der Sanierung beteiligen. Dies stieß im Gemeinderat auf heftige Gegenwehr. Das Landratsamt legt Holzmaden eine mittelfristige Lösung nahe, hat aber bisher noch keinen rechtsfähigen Beschluss erlassen. Die Gemeinderatsmitglieder Rainer Stephan, Jörg Molter und Gert Hauschild sprachen sich in der jüngsten Gemeinderatssitzung dann auch gegen die Kanalisierung aus. "Nur um die Wasserbehörden zufriedenzustellen, sehe ich keine Notwendigkeit tätig zu werden", sagte zum Beispiel Rainer Stephan von der Holzmadener Bürgerliste. Auch der Holzmadener Bürgermeister Jürgen Riehle sah in der jüngsten Gemeinderatssitzung keinen Handlungsbedarf: "Das Wasser spült nichts frei, da im Steinbruch nichts Belastendes drin ist." Der Gemeinderat stimmte dann auch nach längerer Diskussion einstimmig gegen die Verdohlung. Bürgermeister Riehle geht davon aus, dass sich die Gemeinden Aichelberg und Zell dem Beschluss anschließen werden.