Lokales

Rathaus dringend sanierungsbedürftig

Eine gute und eine schlechte Nachricht hatte Weilheims Bürgermeister dem Gemeinderat in jüngster Sitzung zu verkünden: Da die neuen Richtlinien greifen, gibt es für die Sanierung des historischen Rathauses eine höhere Förderung. Die Baukosten steigen allerdings ebenfalls.

ANKE KIRSAMMER

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WEILHEIM Erst nach dem Umzug in den Neubau haben sich Verwaltung und Planer ein genaues Bild vom Zustand des Weilheimer Rathauses von 1777 gemacht und Decken, Wände sowie Böden großflächig geöffnet. "Was wir vorgefunden haben, ist ein konfuses statisches System", sagte Architekt Karl-Heinz Single. Schließlich musste das 230 Jahre alte Gebäude bereits mehrere Umbauten über sich ergehen lassen für den jetztigen Statiker eine komplexe Angelegenheit. Wie Stadtbaumeister Roland Rendler anhand von Bildern demonstrierte, wurden in früheren Jahren Stahlträger eingezogen, "die mehr oder weniger logisch aufliegen", so endet ein Träger beispielsweise direkt über einem Fenster. Die Decken werden überwiegend von Holzkonstruktionen getragen, dazwischen sind Lehmfüllungen eingebracht. Die Ver- und Entsorgungsleitungen laufen meist in den Zwischendecken.

Geplant ist, im Erdgeschoss die Innenwände herauszunehmen "eine schwierige Ingenieurleistung" , meinte Single. Er rechnet damit, dass aus Gründen der Statik 14 bis 16 Tonnen Stahl eingebaut werden müssen. Das sei vor sechs Jahren noch nicht erkennbar gewesen. Damals war der Planer von Sanierungskosten für den Verwaltungssitz in Höhe von rund 656 000 Euro ausgegangen. Mittlerweile liegt der Ansatz bei 800 000 Euro. "Das historische Rathaus ist dringend sanierungsbedürftig", so Single. "Wir müssen hier massiv eingreifen, um die Substanz zu erhalten." Das geplante Absenken des Fußbodens im Erdgeschoss sei nichts anderes als ein Rückbau. "Damit führen wir das Gebäude auf seinen Ursprung zurück." Von "eminenter Bedeutung" sei in diesem Zusammenhang auch das Öffnen der einstigen Rundbogentore zum Marktplatz hin. Bereits im Sommer vergangenen Jahres hatte der Gemeinderat beschlossen, sich bei der Sanierung der Außenfassade am Original zu orientieren.

Was Bürgermeister Hermann Bauer beruhigte, ist, dass sich die Planung trotz der neuen Erkenntnisse umsetzen lässt. Damit wird das Erdgeschoss ebenerdig zugänglich und auch der Übergang vom Alt- in den Neubau kann stufenlos erfolgen. Im ersten Stock wird bis auf den Abbau der Toiletten nichts verändert.

Zupass kommen der Stadt seit dem 1. Januar geltende Förderrichtlinien des Landessanierungsprogramms. Danach erhalten Gebäude, die unter Denkmalschutz stehen, eine um zehn Prozent höhere Förderung als bisher. Die Planung trotz Mehrkosten voranzutreiben, stieß im Ratsrund auf einhellige Zustimmung.

Einstimmig erhielt eine Firma aus Hülben den Zuschlag für die Rohbauarbeiten. Mit 195 000 Euro war sie preisgünstigste Bieterin. Die Ausführung wird sich von Mitte April bis Mitte August erstrecken. Anfang Februar kommenden Jahres soll der Umbau komplett fertiggestellt sein.

Was an der Stadt an Mehrkosten hängenbleibt Hermann Bauer stellte 48 000 Euro in den Raum soll im Rahmen der Gesamtfinanzierung des Projekts Rathausbau mit Tiefgarage bezahlt werden. Die vorläufige Schlussrechnung dieses Mammutprojekts sorgte im Ratsrund für aufgehellte Mienen, wurde der Kostenvoranschlag von 2004 in Höhe von 7,95 Millionen Euro doch lediglich um 14 000 Euro überschritten und das, obwohl zwischenzeitlich zusätzliche Ausgaben in Höhe von rund 540 000 Euro beschlossen worden waren.