Lokales

Rathaus will Luft-Messstation

HERMANN DORN

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ESSLINGEN In dem Brief an Umweltministerin Tanja Gönner hat Zieger geschrieben, "mit Sorge verfolge ich die Diskussion über die Luftqualität im Raum Stuttgart". Ihn bewegen Berichte, wonach in der Landeshauptstadt und in anderen Städten die Grenzwerte für Feinstaub an mehr als 35 Tagen des Jahres nicht eingehalten werden. Damit besitzt das Problem ein solches Ausmaß, dass die Behörden zum Handeln verpflichtet sind. Das Regierungspräsidium will im Juli ein Konzept für den Raum Stuttgart vorlegen. Im Vorfeld steigt auch in Esslingen die Spannung. Spekuliert wird, ob sich die Behörde zu begrenzten Fahrverboten durchringen kann. Als denkbar gilt auch, dass das Regierungspräsidium frühere Anträge aus Esslingen aufgreift, die Tempo-80-Regelung auf der B 10 auszuweiten. Bislang gilt sie nur innerhalb der Stadtgrenzen Stuttgarts.

Mit der Rolle des Zuschauers wollen sich die Grünen im Esslinger Gemeinderat nicht begnügen. Sie haben im März beantragt, die lokale Diskussion auf eine verlässliche Grundlage zu stellen. Die Entscheidung des Landes vom Vorjahr, aus finanziellen Gründen in Esslingen auf die Messungen der Luftwerte zu verzichten, kann nach ihrer Ansicht nicht das letzte Wort sein.

Sollte Stuttgart an seinem Nein festhalten, müsse die Stadt in die Bresche springen, so die Grünen. Ihre Anregung: Mit Hilfe von Sponsoren könnte versucht werden, Informationen über die Esslinger Luftqualität zu beschaffen.

In der Sache haben die Grünen jetzt Rückendeckung erhalten. Der Ausschuss für Technik und Umwelt nahm einen Bericht der Stadtverwaltung zum Thema zur Kenntnis. Er betont den Ernst der Lage und kommt zu dem Schluss, dass Messungen gerade auch in Esslingen notwendig sind. Die Verwaltung erinnert in diesem Zusammenhang an das Jahr 2003, als die Grenzwerte an der früheren Station in der Fritz-Müller-Straße an 42 Tagen überschritten worden sind.

Anders als von den Grünen gewünscht, lehnen es Oberbürgermeister und die übrigen Fraktionen aber ab, das Land aus der Verantwortung zu entlassen. "Die Zuständigkeit für saubere Luft liegt eindeutig beim Land", betonte Zieger und verwies auf den Brief an die Umweltministerin. Dass Zurückhaltung angebracht ist, legte er mit einem Blick auf die Kosten nahe: Eine Messstation kostet 7000 Euro. Für den Betrieb fallen jährlich 22 000 Euro an.

Das Land sieht Zieger trotz der Kosten in der Pflicht. Die Werte der Cannstatter und Plochinger Stationen könnten nicht automatisch auf Esslingen übertragen werden. "Dort liegen völlig andere Wind- und Verkehrsverhältnisse vor". Er hält in Esslingen mobile Messungen an stark befahrenen Straßen für sinnvoll.