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Ratte & Co. gehören nicht untern Christbaum

Das Fest der Liebe rückt näher. Wer noch keine Geschenke hat, macht sich zurzeit unter Hochdruck darüber Gedanken, insbesondere, was die Wünsche der Kinder anbelangt. Eines sollte jedoch laut Kirchheimer Tierschutzverein absolut tabu sein: Tiere unterm Weihnachtsbaum.

IRIS HÄFNER

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KIRCHHEIM Nemo hat es vorgemacht, Rémy wird folgen, so die große Befürchtung der Tierschützer. Animationsfilme stehen nicht nur bei Kindern hoch im Kurs. Nemo, das süße und gewitzte Clownfischchen hat die Herzen sämtlicher Kinobesucher schon vor vier Jahren im Sturm erobert. Nun ist es Rémy, eine Ratte mit Vorliebe für Kochkunst aus dem Film "Ratatouille", die die Zuschauer in Massen verzaubert hat.

"Hilfe, mein Kind will eine Ratte!", ist in Internetforen nachzulesen. Aus diesem Grund befürchten Tierschützer einen Ratten-Ansturm, denn in Frankreich wurden die sonst so negativ belegten Nager zum Mode-Hit. Zumindest in den Kirchheimer Zoohandlungen ist davon allerdings keine Rede. "Bei uns ist von einem Ratten-Trend nichts spüren", sagt eine Mitarbeiterin von Fressnapf. Zwar gibt es in der Kirchheimer Filiale der Fachmarktkette für Heimtierbedarf Rattenkäfige und sonstiges Zubehör, doch ein Run auf die Produkte ist dort (noch) nicht spürbar. "Erst wenn die Tiere im Haus sind, werden auch die entsprechenden Artikel nachgefragt", so die Erfahrung der Mitarbeiterin.

Genau hier setzen die Tierschützer auf die Vernunft der Menschen. "Tiere dürfen niemals Überraschungsgeschenke zu Weihnachten sein. Schließlich übernehmen Tierfreunde Verantwortung für ein Lebewesen, das die Familie ein Tierleben lang begleitet", so die klare Aussage. Im Fall einer Ratte sind das in der Regel zwei bis drei Jahre, bei guter Pflege schon mal sechs.

Die Ratte ist recht anspruchsvoll und darf nie alleine gehalten werden. "Das sind sehr intelligente Tiere. Sie brauchen ständig Abwechslung und neue Sachen zum Entdecken, sonst machen sie Blödsinn", ist die Erfahrung einer Dehner-Mitarbeiterin in Plochingen. Sie bedauert, dass der Großteil der Ratten, die sie verkauft, als Schlangenfutter über die Theke geht. Dabei handelt es sich hauptsächlich um Albino-Exemplare, die dafür von Großzüchtern für den Versandhandel "produziert" werden. Die Farbratten dagegen werden Dehner häufig von Privatpersonen angeboten, bei denen sich im heimischen Käfig Nachwuchs angesagt hat und dann die Logistik sprengt.

Keine Berührungsängste mit diesen Tieren hat auch die Fressnapf-Mitarbeiterin. "Es gibt kein saubereres Tier als die Ratte", erklärt sie. Auch sie weiß um die Wissbegierigkeit der Langschwänze. "Sie saugen alle Eindrücke auf und wollen immer mit dem Menschen unterwegs sein das sind richtig tolle Tiere", erzählt sie. Jede Menge Leckerlis findet sich in ihrem Sortiment für die Nager, aber auch spezielle Käfige, Tunnels und Laufräder.

Iris Scheuerle von der Zoohandlung Graf im Marktkauf in Kirchheim lehnt Modetrends im Heimtierbereich ab. Deshalb gibt es dort weder Salzwasserfische noch Ratten. "Wir besitzen kein Salzwasserbecken und werden uns wegen des Clownfisches auch keines anschaffen. Auch Ratten hatten wir bisher nicht und dabei bleibt es die werden nämlich irgendwann groß und flitzen rum", bringt sie es auf den Punkt.

Ist schon lange im Vorfeld über das Für und Wider eines Haustieres im Familienrat diskutiert worden, raten die Tierschützer trotzdem davon ab, in der Weihnachtszeit den neuen Hausgenossen willkommen zu heißen, da diese Tage oft mit Stress und Trubel verbunden sind. "Daher ist es eine denkbar schlechte Zeit", sagt Brigitte Wurster, Zweite Vorsitzende des Kirchheimer Tierschutzvereins. Sie weiß, wovon sie spricht: "Viele der einst ersehnten und zunächst geliebten Tiere werden schon nach kurzer Zeit im Tierheim abgegeben." Ein Vierbeiner oder Vogel ist aber kein Kinderspielzeug, das bei Nichtgefallen einfach so umgetauscht werden kann. "Es ist ein Lebewesen mit Bedürfnissen, das respektvollen Umgang verdient", stellt sie unmissverständlich klar.

Gemeinsam sollen sich ihrer Ansicht nach Eltern und Kinder gewissenhaft überlegen, was für Bedürfnisse Hunde, Katzen, Meerschweinchen oder Wellensittiche haben. Sie sollten sich bewusst sein, dass ein Tier Pflege, Fürsorge und vor allem viel Zeit benötigt. Neben täglicher Fütterung und Spaziergängen gehören dazu auch Pflege und Hygiene. Gerade größere Tiere verursachen nicht zu unterschätzende Kosten durch Futter und tierärztliche Betreuung. Auch ein Blick in den Mietvertrag und ein Ausschließen von Tierhaarallergien aller Familienmitglieder kann späteren Ärger für Mensch und Tier vermeiden helfen.

Statt eines lebenden Vierbeiners oder Vogels sollte nach Ansicht der Tierschützer stattdessen artgerechtes Zubehör für das künftige Familienmitglied unter dem Baum liegen. Das Tier selbst sollte erst nach den Feiertagen an die neue Umgebung gewöhnt werden. Die Helferinnen vom Tierschutzverein beraten Tierfreunde gerne und helfen Interessenten bei der Wahl des richtigen Haustieres.