Lokales

"Rauchmelder rettete drei Menschenleben"

Beim Brand eines Bauernhauses in Notzingen konnte die Feuerwehr gestern Morgen drei Menschen vom Balkon retten. Die vier Hunde der Familie wurden teilweise mit einem Bettlaken abgeseilt, die drei Pferde fanden eine vorübergehende Heimat bei einem Nachbarn.

IRIS HÄFNER

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NOTZINGEN Es hätte noch viel schlimmer kommen können. "Es war kurz davor, dass alles ,wusch' macht. Für den Flashover hat nur noch Sauerstoff gefehlt dann hätten die Flammen im ganzen Haus auf einmal hochgeschlagen", so Alfred Bidlingmaier, Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Notzingen, der froh ist, dass dieses Szenario dank seiner Männer verhindert werden konnte.

Gegen 4.50 Uhr wurde der Brand gemeldet. Kurze Zeit später trafen die ersten Feuerwehrleute am Brandort ein. Sie fanden drei junge Menschen samt vier Hunden auf dem Balkon, die zuvor dank eines Rauchmelders und eines unruhigen Hundes geweckt wurden. "Dies hat auf ein Neues gezeigt, welch wichtige und lebensrettende Funktion die Brandmelder haben", sagte Alfred Bidlingmaier am Brandort. Der giftige Rauch betäubt nicht selten die schlafenden Bewohner, sodass sie nicht rechtzeitig vor der Gefahr fliehen können.

"Die jungen Leuten haben sich vorbildlich verhalten", lobt der Kommandant die Bewohner des Hauses. Sofort hätten sie sich mit den Hunden auf den Balkon geflüchtet, die Tür hinter sich zugezogen und von dort über Notruf die Feuerwehr alarmiert. Somit hatten sie die giftigen Dämpfe nicht eingeatmet. "Wären sie nach unten gegangen, hätten drei tiefe Atemzüge gereicht und sie wären ohnmächtig zusammengebrochen", führte Alfred Bidlingmaier die gefährliche Situation vor Augen.

Nach dem Eintreffen der Feuerwehr wurden die Bewohner über eine Leiter in Sicherheit gebracht, ebenso die Hunde, wobei der große für diese Aktion in ein Bettlaken gewickelt wurde. Während die Tiere bei Bekannten in der Nachbarschaft Unterschlupf fanden, wurden die Bewohner dem Rettungsdienst übergeben und vorsorglich ins Krankenhaus gebracht, nach kurzer ambulanter Behandlung aber wieder entlassen.

Mit 31 Mann und vier Fahrzeugen war die Notzinger Feuerwehr vor Ort. Zunächst hatte die Wehr den Brand, der vermutlich von der Küche ausging, rasch gelöscht, doch der Brand breitete sich zwischen Zimmerdecke und Dachhaut weiter aus. Alfred Bidlingmaier forderte daher die Kirchheimer Stützpunktfeuerwehr an. Sie rückte mit vier Fahrzeugen und 16 Einsatzkräften an, mit dabei hatten sie unter anderem Drehleiter und Wärmebildkamera. Mit diesem Gerät wurde noch gegen 10 Uhr nach Brandnestern im Dachgeschoss gesucht und gezielt gelöscht. "Die Kamera hat wertvolle Dienste geleistet. Wir haben noch einige Glutnester gefunden. Das ist jetzt nochmals ein richtiger Knochenjob", so der Kommandant. Im Laufe des Vormittags wurde mit einem Belüftungsgerät der Rauch aus dem Gebäude rausgedrückt und mit Hilfe der Drehleiter konnte die Feuerwehr Löcher ins Dach schlagen, damit der Rauch abziehen konnte.

Feuerwehrleute unter Atemschutz waren ebenfalls mit der Suche nach Glutnestern im Gebäude und der Brandbekämpftung beschäftigt. Ein Atemschutzträger musste wegen Erschöpfung vom Rettungsdienst versorgt werden, konnte aber nach kurzer Zeit das Krankenhaus wieder verlassen.

Auch wenn keine Flammen das Haus vollständig zerstört haben, so ist der angerichtete Schaden groß. Die Inneneinrichtung des gesamten Wohnhauses dürfte zerstört sein, überall hat sich der Ruß in einer schwarzen Schicht über Möbel, Wand und Holzdecken gelegt, teilweise ist wegen der Hitze auch schon den Putz abgeblättert. So groß der Schaden im Innern des Gebäudes auch ist, so haben die Betroffenen doch Glück im Unglück. In der direkt angrenzenden Scheuer sind hunderte von Heuballen gelagert, die vom Feuer ebenso verschont blieben wie der Stall. Vorsorglich wurde die Pferde jedoch bei einem Nachbarn in Sicherheit gebracht.

Bürgermeister Jochen Flogaus war ebenfalls vor Ort, für eine Unterkunft musste er jedoch nicht sorgen, da die Betroffenen bei nahen Verwandten eine vorübergehende Bleibe gefunden haben.

Wie es zu dem Brand kam, wird derzeit von der Polizei noch untersucht, die Schadenshöhe ist ebenfalls unbekannt