Lokales

Reaktionen auf Wind, Welle und Wasserwiderstand

Der Yachtclub Kirchheim hat an einem Oktoberwochenende eine Kinder- und Jugendfreizeit am Bodensee veranstaltet. Von den 17 Kindern im Alter zwischen sieben und 13 Jahren hatten nur vier Segelerfahrung.

KIRCHHEIM Im Hafen in Gohren wurden die fünf Schiffe schnell belegt und die Kinder in Sicherheit und Verhalten auf Schiffen eingewiesen. Dann ging es los in Richtung Schloss Kirchberg in der Nähe von Hagnau. Unter Segeln ging gar nichts, da nicht einmal ein Hauch von Wind zu verspüren war. Also musste alles unter Motor gefahren werden. Die Kinder konnten beim Steuern erste Erfahrungen mit Rad oder Pinne machen. Vor dem Hafen klappten Vollkreise und Achter schon sehr gut.

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Am nächsten Morgen ging es los in Richtung Konstanz. Kaum waren alle auf den Schiffen, hörte der Regen auf und es kam etwas Wind aus Nordwest auf. Die Segel wurden gesetzt und Kurs 270 Grad angelegt. Nach kurzer Zeit begannen rund um den See die orange-farbenen Warnleuchten zu blinken. Aber auch eine Stunde später war von Sturm oder Starkwind nichts zu spüren. Erst kurz vor der Konstanzer Bucht stieg der Wind auf zwei bis drei Beaufort an, sodass die Schiffe auf Halbwindkurs etwas an Fahrt zulegten, aber niemand die Vorwarnung nachvollziehen konnte.

Während ein paar Schiffe zielstrebig in Richtung Bundesbahnhafen zogen, wurden auf der "Sibylle von der Teck", einer sehr steifen Granada 27, noch einige Wenden gefahren und Kurs hart am Wind gesegelt. Mit viel Freude erlebten die Kinder das Zusammenspiel von Wind, Vortrieb und etwas Krängung und lernten, warum ein Schiff im Normalfall auch bei Starkwind nicht kentern kann.

Der Besuch des Konstanzer Sea Life Centers am Nachmittag begann mit einem sehr interessanten Einführungsvortrag zum Konzept, den einzelnen Tieren und der großzügigen Tierhaltung. Danach tauchten alle in die Unterwasserwelt ein, wo eine Vielzahl der Tiere und Pflanzen vom Ursprung des Rheins bis zur Nordsee zu sehen waren. Die größten Attraktionen waren aber der Glastunnel durch ein 320 000 Liter großes Becken in dem verschiedene Haiarten, Muränen, Rochen und viele andere Fische friedlich ihre Bahnen zogen und über, neben und unter den Besuchern schwammen , ein Rundbecken mit vielen Rochenarten, Plattfischen und Katzenhaien sowie die Sonderausstellung von Krabben, bis hin zur Kamtschatkakrabbe mit 1,5 Meter Spannweite und zirka 15 Kilogramm Gewicht.

Dem Besuch im Sea Life Center folgte eine Stadtralley durch den alten Teil von Konstanz. Am späten Abend fielen dann die meisten Kinder ins Bett und schliefen sofort ein. Ein kräftiges Gewitter, das nachts über Konstanz zog und die Schiffe kräftig zum Schaukeln brachte, bekamen sie nicht mehr mit.

Am Abschlusstag stand ein langer Schlag von Konstanz nach Kressbronn auf dem Plan. Zum Teil mit, zum Teil ohne Reff in den Segeln, je nach Stabilität des Schiffes und immer mit genügend Sicherheitsreserve, ging es vorbei an einer Regatta der Folkeboote, entlang der Schweizer Küste bis Romanshorn, dann quer über den See. Nun erlebten die Kinder, was Segeln schön, aber auch unangenehm machen kann, nämlich Wind, Welle, Wasserwiderstand und Krängung. Die Reaktionen waren ganz unterschiedlich. Ein Kind schlief im Schiff ein, zwei andere beschlossen, das Frühstück nicht ganz zu Ende zu verdauen, einige saßen anfangs noch etwas verkrampft auf der Luvkante oder im Cockpit und wurden erst nach und nach so richtig locker, denn die Schiffe wollten tatsächlich nicht kentern. Einige genossen es von der ersten bis zur letzten Minute und lenkten im Beisein eines Erwachsenen ihr Schiff.

Die rund 30 Kilometer von Konstanz nach Kressbronn wurden in etwas mehr als vier Stunden bewältigt. Vier Schiffe kamen noch vor dem Regen an. Nach dem Ausräumen und Reinigen der Schiffe im Dauerregen ging es wieder nach Hause. Dabei holten die meisten Kinder den zuvor versäumten Schlaf etwas nach. Alle dürften in dieser Nacht aber tief und fest geschlafen haben und vielleicht auch so viel Spaß am Segeln gefunden haben, dass sie selbst einmal Segelscheine machen und eigenständig Schiffe führen werden.

jh