Lokales

Recht erfreulicher Rückblick auf schwarze Zahlen

Der Kreisverband Nürtingen-Kirchheim des Deutschen Roten Kreuzes hat im Jahr 2004 schwarze Zahlen geschrieben. Diese positive Jahresbilanz führten die Verantwortlichen aus dem Vorstand vor allem auf Umstrukturierungen von Teilbereichen zurück. Auf der Versammlung der Kreisdelegierten zeigte sich der Vorsitzende Rolf Siebert zufrieden über die jetzige Situation.

JULIA GÖRS

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KIRCHHEIM Mit knapp 3000 Euro war Ende 2004 ein kleiner Überschuss in der Vereinskassen des DRK-Kreisverbands Nürtingen-Kirchheim. Das sei zwar nicht viel, so Rolf Siebert, dennoch sei dies in Anbetracht der allgemeinen wirtschaftlich schwierigen Lage eine zufriedenstellende Situation. Grund für das Plus seien umfassende Neustrukturierungen, die 2004 durchgeführt wurden. Bisher defizitär agierende Teile des Vereins könnten nun wieder effizient wirtschaften. Zum Beispiel die Rettungsbereitschaft: für das "Sorgenkind" scheint eine Lösung gefunden. Noch bis zur ersten Jahreshälfte 2004 steckte der Bereich tief in den roten Zahlen. Dafür verantwortlich machte Siebert zurückgehende Leistungszahlungen der Krankenkassen bedingt durch Reformen im Gesundheitswesen. Die rund 47 000 Euro Verlust rissen ein großes Loch in die Vereinskasse und zwangen die Verantwortlichen zum Handeln. Zum 1. Juli 2004 wurde deshalb die Rettungsbereitschaft aus dem Verein ausgegliedert und in eine eigenständige, gemeinnützige GmbH umgewandelt.

Der neue Geschäftsführer Rafael Dölker versicherte in seinem Bericht, dass die bisher eingeleiteten Maßnahmen zu einer Entspannung der schwierigen finanziellen Situation der Rettungsbereitschaft führen würden und weitere Umstrukturierungen bevor stünden. Dies bestätigte auch der Kreisvorsitzende: der Vorstand stehe derzeit im Gespräch mit dem Kreisverband Esslingen. Es werde dabei über ein "Zusammenrücken bis hin zu einer Fusion der Rettungsdienste" diskutiert. Durch ein Zusammenlegen der Rettungsdienste könnten entstehende Synergieeffekte ausgenutzt und so weitere Kosten eingespart werden. Auch der anwesende Vizepräsident des DRK-Landesverbandes Baden-Württemberg, Reinhard Müller, unterstützt diese Bestrebungen. Auf diesem Weg könnten die Rettungsdienste im Land langfristig wieder auf eine stabile wirtschaftliche und organisatorische Grundlage gestellt werden.

In anderen Bereichen des DRK, die im Jahr 2003 noch Minus gemacht hatten, ging es 2004 wieder aufwärts. "Essen auf Rädern" beispielsweise verkaufte 2004 mehr Mahlzeiten und auch der Kindertransport schrieb 2004 wieder schwarze Zahlen. Dagegen wirkt sich bisher negativ auf die Finanzlage die Einrichtung eines neuen Seniorenzentrums in Neckarhausen aus. Schatzmeister Gerhard Moritz beruhigte jedoch: weil die Auslastung des Neckarstifts einige Zeit in Anspruch nähme, sei zu Beginn ein Defizit normal 2004 betrug es knapp 30 000 Euro. Das Heim mit 39 Einzelzimmern und zehn Plätzen in der Tagespflegeeinrichtung sei jedoch inzwischen voll belegt und sichere die Gelder für die Zukunft, verkündete Kreisvorstand Siebert. Das Neckarstift bietet mit zusätzlichen teil- und nichtstationären Angeboten viel Potenzial.

Ein großer Teil der Einnahmen des Kreisverbands kommt von den Altenpflegeheimen des DRK. Eine zweite, entscheidende Säule für die Einnahmen sind Fördermitglieder des Vereins und Einzelspenden. Die Spendenbereitschaft war im Jahr 2004 sehr groß, sie bezog sich allerdings vor allem auf finanzielle Unterstützung für die Opfer der Flutwelle in Südostasien. Mit 124 Millionen Euro verwaltete das DRK eine Rekordsumme. Für den Verein selbst konnten die Spenden jedoch nur sehr begrenzt eingesetzt werden, denn sie waren zweckgebunden. Die Zahl der Förderer, die direkt an den Verein spenden, sinkt allerdings. Der Geldgeberkreis aus überwiegend älteren Menschen wird durch Krankheit und Tod immer kleiner. Mit einer Werbekampagne sollen jetzt neue Fördermitglieder und Spender aktiviert werden, um dem Verein finanzielle Mittel für die Zukunft zu sichern.

In seinem Ausblick sprach Siebert auch die Schwierigkeit an, weiterhin genügend aktive Helfer für die DRK-Arbeit zu begeistern. Die demografische Entwicklung mache keine großen Hoffnungen. Weil vorausgesagt wird, dass es in Zukunft immer weniger junge Menschen geben wird, "müssen wir uns sehr frühzeitig und konsequent auf einen härteren Wettbewerb um die Jugendlichen einstellen", zeigte Siebert auf. Die Jugendarbeit soll daher ihren wichtigen Stellenwert im Verein unbedingt beibehalten.

So nutzte der Kreisvorstand die Gelegenheit auf der Versammlung, um die jungen Sieger eines Wettbewerbs des Jugendrotkreuzes zu ehren. Siebert überreichte den Schülern der Ortsgruppe Lenninger Tal und der Gruppe Nürtingen für ihre ersten Plätze in der Schwierigkeitsstufe 1 und 2 Geschenkgutscheine. Zudem würdigte er die langjährige aktive Mitarbeit von Hanne Dieterle mit der Henry-Dunant-Medaille in Silber. Dieterle ist seit 1942 im DRK aktiv und war während des Zweiten Weltkrieges in DRK-Lazaretten tätig. Nach dem Krieg betreute sie einen Flüchtlingstransport nach Kirchheim. Für ihre 35-jährige Amtszeit im Vorstand wurden die Kreisbereitschaftsleiterin Erika Jahke und der Schatzmeister Gerhard Moritz geehrt. Siebert dankte auch den Bereitschaftsmitgliedern, die im Jahr 2004 insgesamt mehr als 76 000 Stunden im Dienst waren. Die 595 aktiven Rotkreuzler betreuten dabei ein Einzugsgebiet mit etwa 200 000 Einwohnern und leisteten im vergangenen Jahr in über 3800 Fällen Hilfe.