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Recyclingpapier "läuft" besser als gedacht

Akademiepersonal, Papierhersteller und Umweltschützer stellten sich der Diskussion: Ist Recyclingpapier unter ökonomischen und ästhetischen Gesichtspunkten im Büro einsetzbar?

ANJA WEISSINGER

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Noch in den 80er-Jahren waren an deutschen Schulen Hefte und Blöcke aus Recyclingpapier gang und gäbe. Eltern und Schülern wurde nahegelegt, auch in Zukunft zum Schutz der Umwelt und der Wälder "graue" Hefte zu kaufen.

In den letzten Jahren ist das Umweltbewusstsein in dieser Beziehung jedoch stetig geschrumpft. Obwohl der Pro-Kopf-Verbrauch von Papier in Deutschland insgesamt pro Jahr um zwei bis drei Prozent steigt, greifen immer mehr Unternehmen und auch Privatpersonen auf Frischfaserpapier zurück. Gründe dafür gibt es viele. Neben ästhetischen Ansprüchen der Verbraucher sind Drucker und Kopierer der wohl größte Kontrahent des Altpapierprodukts. Die Unternehmen, die alternativ Recyclingpapier verwendeten, hatten große Probleme mit ihren semsiblen Geräten. Verschmutzte Druckwalzen und verstaubte Kopierer erforderten verstärkte Wartung und verursachten häufigen Ausfall der Geräte. Das Öko-Produkt war für den Gebrauch in modernen Büros nicht tauglich: Falten beim Kopieren und Papierstaus in den Druckern waren die Folge. Bei einer offenen Gesprächsrunde zu Beginn der Tagung wurde deutlich, dass diese Probleme noch immer auftreten, denn nicht jedes Recyclingpapier ist für den Einsatz in Druckern geeignet.

Tatsache ist jedoch, dass viele Großunternehmen seit langem Recyclingpapier verwenden. Auch staatliche Institutionen, wie Polizei und Finanzbehörde greifen auf die "graue Alternative" zurück. Bereits seit den 60er Jahren werden auch alle Zeitungen in Deutschland auf Altpapier gedruckt. Recyclingpapier sei ohne Einschränkungen für alle modernen Bürogeräte geeignet, wenn bei Lagerung und Handhabung einige Hinweise beachtet würden, berichtete Katrin Reiser von der Initiative Pro Recyclingpapier, einem Zusammenschluss großer Unternehmen, die mit Erfolg Papier aus 100 Prozent Altpapier einsetzen.

Recyclingpapier "läuft" also in modernsten Geräten besser als gedacht. Auch für Digital- und Hochglanzdrucke versprechen Hersteller einwandfreie Qualität. Die für die Archivierung erforderliche Alterungsbeständigkeit stelle für die heutigen Recyclingpapiere kein Problem mehr dar, meint Günther Albrecht vom Umwelt- und Verkehrsministerium Baden-Württemberg.

"Recyclingpapier muss immer noch gegen Vorurteile kämpfen", wissen Referenten des Papierherstellers Steinbeis-Temming. Dabei liegen sie in Qualität und Weißegrad mit Frischfaserpapier gleich auf: Eine Verbraucherbefragung des Instituts für Konsum- und Verhaltensforschung der Saarland-Universität bestätigte, dass Recyclingpapier mit einem Weißegrad von 80 Prozent nicht als solches erkannt wird.

Im Gegensatz zu Frischfaserpapier schont Recyclingpapier die Umwelt: Zur Herstellung von 100 Blatt Frischfaserpapier sind etwa 30 Liter Wasser und 1,1 Kilogramm Holz nötig, während man für die Herstellung von Recyclingpapier lediglich zehn Liter Wasser und 550 Gramm Altpapier braucht. Neben Schonung der natürlichen Ressourcen und der Urwälder hat Recyclingpapier den Vorteil, dass es in der Regel wesentlich günstiger ist als Frischfaserpapier.