Lokales

Reduzierung der Züge wäre "verheerend"

Die Kirchheimer SPD-Landtagsabgeordnete Carla Bregenzer hält achtprozentige Kürzungen auf der Zugstrecke Tübingen-Stuttgart für unverantwortlich: "Sie führen zu noch mehr Individualverkehr im verdichteten Raum und lassen Bemühungen um Klimaschutz und Feinstaubreduzierung zur Makulatur werden." In der Pflicht sei hier auch die Landesregierung.

KIRCHHEIM In Briefen an den Konzernbevollmächtigten der Deutschen Bahn Werner Klingberg und an den Vorsitzenden der DB Regio Baden-Württemberg Andreas Moschinski-Weiß wendet sich die SPD-Landtagsabgeordnete gegen die geplanten Kürzungen auf der Strecke Tübingen-Stuttgart. "In den Verhandlungen bei der Fahrplankonferenz am 26. Januar muss die Rücknahme dieser umweltfeindlichen Pläne erreicht werden", fordert Carla Bregenzer.

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Sei in der Vergangenheit der dichte Takt der Zugverbindungen ein gutes Angebot in den frühen Morgen- und Abendstunden für alle Berufspendler gewesen, werde eine Reduzierung des Zugangebotes wieder zu einer Verlagerung des Verkehrs auf die Straße führen. Das hätte angesichts der schon heute problematischen Situationen auf der A 8 zwischen Kirchheim und Stuttgart-Vaihingen, auf der B 27, auf der B 313 und gar auf der B 10 im Nahbereich Stuttgarts verheerende Folgen. "Mehr Individualverkehr im verdichteten Raum um und in Stuttgart wäre nicht nur in Bezug auf Klima- und Feinstaubschutz kontraproduktiv, sondern auch bezüglich des sinnvollen Umgangs mit kostbarer Lebenszeit", ist die Abgeordnete überzeugt.

Schon heute seien in den Hauptverkehrszeiten die Züge auf dieser Strecke so voll, dass immer wieder mündliche und schriftliche Beschwerden von Zugfahrern an die Adresse der Abgeordneten gelangten, die sich über drangvolle Enge beklagen. "Da ich selbst auf dieser Strecke regelmäßig fahre, weiß ich, dass die Beschwerden berechtigt sind. Werden die Züge ausgedünnt, dann verdichten sich die Abteilbelegungen ins gänzlich Unzumutbare, mit dem oben bereits beschriebenen Effekt", befürchtet die Abgeordnete.

Aber auch außerhalb der Hauptverkehrszeiten seien die Züge meist gut ausgelastet und auch für diese Reisenden gelte, dass eine Reduzierung des Angebots sie wieder zum Individualverkehr treiben werde.

Kürzungen auf der Strecke Tübingen-Stuttgart im geplanten Umfang hätten unausbleibliche, wenn auch noch nicht absehbare Auswirkungen auf andere ÖPNV-Angebote, die jetzt wichtige Zubringerdienste leisten. Die derzeit gute Verknüpfung kleinerer Gemeinden und damit deren Bürgerinnen und Bürger mit den großen Kreisstädten würde empfindlich leiden.

"Unser aller erklärtes Ziel, mit attraktivem ÖPNV den Umstieg vom klimabelastenden, ressourcenvernichtenden Individualverkehr zum umweltschonenden ÖPNV mit allen Mitteln voranzutreiben, verkümmert damit zur Makulatur, zur bloßen Sonntagsrede", protestiert Carla Bregenzer.

Die Kürzungsideen seien zwar Ausfluss von Kürzungen der Bundeszuschüsse, aber im Gegensatz zu anderen Landesregierungen habe die baden-württembergische Landesregierung es versäumt, dies durch eigene Haushaltsmittel auszugleichen. Andere Länder hätten die Kürzungen aufgefangen und so ihren Beitrag zum Erhalt des ÖPNV-Angebots geleistet. CDU und FDP hätten ihre Hausaufgaben nicht gemacht und leisteten Klima- und Feinstaubbelastung Vorschub. "Anträge, die Kürzungen so aufzufangen, wie es andere, weniger reiche Bundesländer tun, hat die SPD-Landtagsfraktion bisher leider vergeblich gestellt. Hier bleiben wir am Ball, die Landesregierung in die Pflicht zu nehmen", verspricht Carla Bregenzer.

pm