Lokales

Rege Schwimmlust in ruhigem Gewässer

Zwischenbilanz: Freibäder melden im Vergleich zum Vorjahr leicht gestiegene Besucherzahlen – Badeseen gelten eher als Geheimtipps

Auch wenn immer wieder am Wetter rumgenörgelt wird – der Sommer war bis jetzt nicht schlecht, sagen die Meteorologen. Dass da etwas dran ist, zeigt auch ein Rundruf bei den Freibädern der Region. Für sie hat solch ein „typisch mitteleuropäischer Sommer“ durchaus seine positiven Seiten.

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Bianca Lütz

Kirchheim. Eines steht fest: Der ganz große Ansturm auf die Freibäder ist diesen Sommer bisher ausgeblieben. Und schuld daran ist vermutlich das wechselhafte, teilweise recht feuchte Wetter, das laut Max Miller vom Deutschen Wetterdienst Stuttgart jedoch ganz typisch für einen mitteleuropäischen Sommer ist. „Schlecht war er nämlich nicht“, betont der Meteorologe.

„Zwei Tage warm, zwei Tage kalt, da ist es immer ein bisschen schwierig“, weiß Martin Langner, Schwimmmeister im Lenninger Freibad. So richtig strömen die Wasserratten nämlich erst ins kühle Nass, wenn es einige Tage am Stück heiß und sonnig ist. Aber gerade deshalb hat Thomas Buck, Schwimmmeister im Weilheimer Freibad, diese Saison auch als besonders angenehm empfunden. „Wir hatten keine Spitzen mit über 1 300 Badegästen wie im vergangenen Jahr“, sagt er. Aber leer sei das Bad auch selten gewesen. „Die Besucher haben sich gleichmäßig verteilt“, freut er sich. Davon profitieren alle: Moderat gefüllte Becken erleichtern dem Personal die Aufsicht, während die Badegäste mehr Bewegungsfreiheit im Wasser und auf der Liegewiese genießen können. So hat es Buck zufolge auch keine nennenswerten Zwischenfälle gegeben: „Die Saison ist bislang schön ruhig verlaufen.“

Das Beste daran: Die Besucherzahlen sind trotz des eher ruhigen Fahrwassers in den meisten Freibädern gegenüber 2007 sogar etwas angestiegen. Das Weilheimer Bad hat bis zum jetzigen Zeitpunkt 40 000 Besucher gezählt – „das sind im gleichen Zeitraum 3 000 bis 4 000 mehr als vergangenes Jahr“, sagt Thomas Buck.

Auch Gunnar Brenner vom Kirchheimer Amt für Bildung, Kultur und Sport ist zufrieden mit der Saison im Kirchheimer Freibad: „Von den Besucherzahlen her war es ein bisschen besser als im letzten Jahr“, berichtet er. Rund 123 000 Badegäste seien in dieser Saison schon in den Becken abgetaucht. Größere Zwischenfälle habe es keine gegeben. „Alles läuft in geordneten Bahnen“, sagt er. Das gilt auch für die Personalsituation: „Wir sind sehr gut aufgestellt“, betont Gunnar Brenner und bezieht sich damit auf die Diskussion um die Badeaufsicht zu Beginn der Saison. Damals seien fest eingeplante Mitarbeiter kurzfristig abgesprungen. Man habe jedoch schnell Ersatz gefunden. Mittlerweile arbeiten – wie es Gunnar Brenner zufolge auch von Anfang an geplant war – fünf Vollzeitkräfte als Aufsichtspersonal im Kirchheimer Freibad.

Wenig Veränderung zu 2007 hat der Lenninger Schwimmmeister Martin Langner diagnostiziert: „Die Besucherzahlen sind ähnlich wie im vergangenen Jahr.“ Insgesamt hält er die Zahlen zwar eher für „lala“, aber unzufrieden will er nicht sein: „Dank des großen Einzugsgebiets läuft es bei uns sicher besser als in so manch anderen Bädern“, glaubt er. Etwa 22 000 Gäste haben das Bad bislang besucht.

„Sehr gut“ sei der Sommer im Dettinger „Aquafit“ gelaufen, berichtet Betreiber Michael Langelage. „Ein bisschen besser als im letzten Jahr.“ Das hat seiner Ansicht nach zwei Gründe. „Wir haben jeden Abend bis 22 Uhr geöffnet“, nennt er einen davon. Zudem locke das Hallenbad mit Liegewiese und Kinderaußenbecken bei jedem Wetter Gäste an.

Einige Schwimmbegeisterte ziehen ein Bad in der Natur dem in den Schwimmbädern vor, zum Beispiel im unteren Kirchheimer Bürgersee, dem Bissinger See oder dem größeren Aileswasensee in Neckartailfingen. In diesen drei Badeseen im Landkreis Esslingen lässt es sich dieses Jahr völlig bedenkenlos baden: Die Wasserqualität ist durchweg gut. Überprüft wird das regelmäßig vom Gesundheitsamt des Landkreises Esslingen.

Viel los ist trotzdem nicht an den Naturgewässern rund um die Teck. „Dieses Jahr sind nur wenige Leute am See“, hat Bissingens Bürgermeister Wolfgang Kümmerle festgestellt. Möglicherweise habe die Baustelle am See gestört, mutmaßt er. Zudem gelte der „Sai“ ohnehin nur als Badeort für Einheimische und nicht als Anziehungspunkt für Touristen von außerhalb.

Etwas mehr Betrieb herrscht da schon an den Kirchheimer Bürgerseen, wobei auch das Gewässer unterhalb der Hahnweide – im Vergleich zum trubeligen Aileswasensee in Neckartailfingen – eher noch als „Geheimtipp“ gilt. Dort finden im Untersee Badegäste genügend Platz zum Schwimmen und Sonnen, während der Obersee als Biotop ausgewiesen ist und der Mittlere See den Anglern vorbehalten ist. Das Miteinan­der scheint gut zu funktionieren: Sowohl Badegäste als auch Angler bleiben in ihren Revieren, wie Dr. Hansjörg Köberle, Vorstandsmitglied des Angelsportvereins Kirchheim, zufrieden festgestellt hat.

Wenig Klagen gibt es auch von den Bürgerseefreunden, die die Anlagen rund um die Seen in Schuss halten, sich um die gern genutzten Grillstellen kümmern und beispielsweise auch den Müll entsorgen. „Im Großen und Ganzen ist alles friedlich gelaufen“, resümiert der Vorsitzende Volker Mangold die vergangenen Wochen. Sorgen bereitet ihm lediglich die Parkplatzsituation an guten Tagen. Dann parken viele Badegäste im Halteverbot, und ein Rettungswagen hätte es ihm zufolge schwer durchzukommen.

Gebraucht wurde ein Notarztwagen dieses Jahr glücklicherweise noch nicht. Nach Auskunft des DLRG-Bezirksvorsitzenden Stefan Häfele hat es weder an den Bürgerseen noch an einem der beiden anderen Seen Unfälle oder größere Zwischenfälle gegeben.

Während die Liegewiese des Dettinger Hallenbads bei gutem Wetter noch im Oktober aufmacht, neigt sich für die Freibäder die Saison schon bald dem Ende zu. Das Kirchheimer Freibad schließt am 14. September seine Pforten, und auch im Lenninger Bad ist voraussichtlich Mitte September Schluss. In Weilheim ist der 7. September als letzter Badetag vorgesehen, bei gutem Wetter verschiebt sich das Saisonende aber um eine Woche nach hinten.