Lokales

Regel-Wirrwarr in Mainz

MAINZ Geknickt, aber realistisch: Das war die Stimmung nach der klaren Niederlage der Kirchheim Knights in Mainz. Es war nicht nur das 70:87, es war der Beweis, dass es sportlich nicht für die zweite Liga reicht. Das hatte sich bereits bei den Testspielen gegen den MTV Stuttgart und den TSV Crailsheim abgezeichnet. Pasko Tomic: "Wir wussten schon vor der Runde, dass es ohne einen wirklich großen Spieler verdammt schwer wird. Heute hat uns dieses Manko voll erwischt."

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Verschärft wurde diese eklatante Unterlegenheit Mainz hatte vier Spieler über zwei Meter (und drei mit 1,97 m), die drei Riesen des VfL messen 1,98 m (Bill Goehrke und Nenad Lukic) und 1,92 m (Wilu Lenger) noch durch die Regelauslegung, die allerdings kein Zufall war. Kommissar Horst Molitor: "In der Regionalliga Südwest/Nord wird die Drei-Sekunden-Regel anders interpretiert. Darauf hat man sich vor der Saison verständigt." Leider hatte Aufstiegsrunden-Spielleiter Hartmut Großmann versäumt, auch die Südteams davon in Kenntnis zu setzen: Die Knights erfuhren von den anderen Regeln auf Nachfrage bei Molitor erst nach dem Spiel. Nach Süd-Maßstäben verletzten die Mainzer insgesamt 15 mal die Drei-Sekunden-Regel, das ergab die Video-Analyse, ohne einen einzigen Pfiff. Sicherlich nicht die Ursache für die Niederlage des VfL gegen eine in allen Belangen bessere Mainzer Mannschaft, aber doch ein kleiner Skandal am Rande, der zeigt, dass die Vorbereitung auf die Aufstiegsrunde zur zweiten Liga von Verbandsseite nicht besonders sorgfältig war. Molitor hatte übrigens am dritten Spieltag immer noch keine Ausschreibung dieser Runde vorliegen. In Zeiten von E-Mail und Internet völlig unbegreiflich.

Trotz der deprimierenden Niederlage und dem Ausscheiden aus dem Aufstiegsrennen blickten die beiden Abteilungsleiter, beide natürlich dabei in Mainz, schon kurz nach der Schlusssirene nach vorne. Karl Bantlin: "Wir wollen auch in der nächsten Saison weit vorne dabei sein." Stefan Schmauder wurde noch konkreter: "Das Abschneiden ist natürlich sehr bedauerlich, schließlich war die Chance durchaus da. Unser Ziel bleibt aber weiterhin die Aufstiegsrunde." Inwieweit das personelle Veränderungen bedingt, kann zu diesem Zeitpunkt noch nicht gesagt werden. Schließlich sind noch drei weitere Spiele zu absolvieren, und da wollen sich die Knights zumindest sportlich fair präsentieren.

Am Dienstagmorgen fällt in der berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik in Tübingen die Entscheidung, ob Chuks Neboh noch einmal eingreifen kann. Er hat neuerdings allerdings noch zusätzliche Probleme in der linken Schulter. Doch wenn die Ärzte grünes Licht geben, ist es eine Frage der Ehre für den 2,12-Meter-Mann, sich den Fans noch dreimal zu präsentieren. Bei der gemeinsamen Fahrt im kostenlosen Weissinger-Fanbus nach Treis-Karden können sich beide Parteien, Anhänger und Spieler, dann gegenseitig für das Engagement in dieser langen Saison ausgiebig bedanken.

Und ein Gutes hat dieses weitere Jahr in der Regionalliga ja letztendlich doch: Der VfL Kirchheim kann passend zum 50. Geburtstag seiner Basketball-Abteilung im Frühjahr nächsten Jahres das Final Four im Verbandspokal und das Allstar-Spiel ausrichten. Die Zusage vom Basketball-Verband Baden-Württemberg liegt bereits seit dem vergangenen Sommer vor.

mad