Lokales

"Reihe von Geschmacklosigkeiten"

In einer Pressemitteilung reagiert Landrat Heinz Eininger zu der Diskussion um die Abbestellung des Satiremagazins "Titanic" an der Fritz-Ruoff-Schule auf dem Nürtinger Säer (wir berichteten). In der Septemberausgabe 2005 des Magazins sei überwiegend verunglimpfend mit Angela Merkel und anderen Politikern umgegangen worden.

KREIS ESSLINGEN "Es spricht nichts dagegen, kritische, satirische oder ähnliche Themen im Unterricht zu behandeln. Ob es dazu eines Abos bedarf, ist fraglich", erklärt der Landrat in der Stellungnahme. Denn nicht alles, was am Zeitungskiosk erhältlich sei, müsse in einer Schulbibliothek stehen. Es liege in der pädagogischen Verantwortung und der Budgetzuständigkeit der Schulleitung, über die Beschaffung zu entscheiden. "Für mein Tätigwerden war der Inhalt der Zeitschrift maßgebend und zwar unabhängig vom Vorliegen einer Anfrage", so Eininger weiter. Die Septemberausgabe 2005 der "Titanic" enthielt dem Kreisverwaltungschef zufolge eine Reihe von Geschmacklosigkeiten. Beispielhaft erwähnt er das Editorial und dessen Überschrift "Stoppt das Merkel-Ferkel!" oder die hervorgehobenen Aussagen, wie beispielsweise "Kann die Templiner Pfarrerstochter" (gemeint ist Frau Merkel) "wirklich mit dem Bundespräsidenten schlafen, ohne dass es jemand merkt?" Ferner werde der Bundespräsident in einer Art Anzeigenteil beziehungsweise Fotorätsel als "Pimmel-Köhler" bezeichnet.

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Im Grunde werde an keiner für den Bundestag kandidierenden Partei ein gutes Haar gelassen. "Dies alles kann nach meiner Auffassung nicht mehr als bloße Satire im Sinne von beißendem Spott durchgehen", betont Eininger. Was frei verfügbar sei an einer Schule ohne Begleitung im Unterricht sollte nach seiner Auffassung dem Erziehungsauftrag und der Vermittlung von Werten gerecht werden. Dies gelte erst recht, wenn wie die von der Schule durchgeführten Unterrichtseinheiten zum Thema Satire gezeigt haben Schüler sich in allen Jahrgangs- und Altersstufen mit Satire schwer tun. Dann müsse die Schulleitung sorgfältig auswählen. Es frage sich deshalb schon, ob aus dem vom Landkreis zur Verfügung gestellten Budget in Zeiten knapper Kassen eine solche Zeitschrift im Abonnement gehalten werden müsse.

Den Hinweis der Schulleitung, die Zeitschrift hätte auf Bitten des Trägers abbestellt werden müssen, bezeichnet Eininger als falsch. "Ich habe lediglich die Verantwortlichen um Prüfung gebeten nicht mehr und nicht weniger. Es ist meine Pflicht und die meiner Verwaltung, gerade angesichts der Freiheiten, die der Landkreis den Budgetverantwortlichen gewährt, kritisch Beschaffungen zu begleiten", so der Landrat. Wer mit öffentlichem Geld umgehe, müsse jedenfalls damit rechnen.

Völlig unerfindlich bleibt für ihn, wie man seitens der Schulleitung auf eine bevorstehende Kürzung schließen konnte. Weiter verweist Eininger darauf, dass die Schulbibliotheken wie andere Einrichtungen auch an der Sparrunde 2002 beteiligt war. Dabei hätten Kreistag und Verwaltung jedoch nicht nur gekürzt, sondern sich auch zu den Einrichtungen als wichtige Ergänzung zum pädagogischen Angebot in den Schulen bekannt. Daran habe sich bis heute nichts geändert.

la