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Reine Nervensache

Bei „Jugend debattiert“ in der Kirchheimer Teck-Realschule siegen vier Schülerinnen aus Nürtingen

Gestern fanden in der Teck-Realschule die Qualifikationsrunden des Schulverbundes Kirchheim unter Teck für die Landesebene des Wettbewerbs „Jugend debattiert“ statt. Im Finale überzeugten vier Schülerinnen des Nürtinger Hölderlin-Gymnasiums die Jury. Sie dürfen im Mai in die nächste Runde nach Stuttgart und gewinnen eine Reise nach Berlin.

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Antje Dörr

Kirchheim. Am Anfang zitterten Hände und Stimmen, aber mit jedem guten Argument, das den Gegner zerknirscht den Blick senken ließ, wurden die Debattanten in der Aula der Teck-Realschule ruhiger und ruhiger. Sie waren aus vier Schulen gekommen, um sich miteinander zu streiten: der Friedrich-Schiller-Schule Neuhausen, dem Hölderlin-Gymnasium-Nürtingen, der Freihof-Realschule und der Teck-Realschule, die den Tag organisierte.

In den morgendlichen Frührunden, in denen die Jugendlichen über Themen wie „Ausweitung des Sportunterrichts in der Schule“ oder „Verbot von Alkoholwerbung“ diskutierten, konnte sich kein Kirchheimer Schüler für das Finale am Nachmittag qualifizieren. Dort dominierte das Nürtinger Hölderlin-Gymnasium.

In der Endrunde der achten bis zehnten Klassen führten Sina Fischer, Jessica Prinz, Lena Engel und Alexander Garner eine lebhafte und engagierte Diskussion darüber, ob für Radfahrer im Straßenverkehr eine Helmpflicht eingeführt werden sollte oder nicht. Die Gegner der Helmpflicht hatten es nicht leicht, führten aber plausible Argumente an. Man könne einer Familie, die von Sozialhilfe lebe, nicht per staatlichem Dekret verordnen, ihren Kindern teure Schutzhelme zu kaufen, argumentierten sie.

Außerdem hätten Studien gezeigt, dass behelmte Fahrradfahrer im Straßenverkehr nicht sicherer seien als Unbehelmte. Denn Autofahrer achteten weniger auf Fahrradfahrer mit Kopfschutz. Ein Helm wiege den Fahrer zudem in falscher Sicherheit. Am Ende überschätze man sich damit sogar, was die Unfallquote wieder nach oben treiben würde. Letztlich solle man es den Jugendlichen überlassen, ob sie einen Kopfschutz tragen wollten oder nicht. Dagegen argumentierten die Befürworter, dass ein 14-Jähriger sich aus modischen Gründen immer gegen einen Helm entscheiden würde. Der Unfall des thüringischen Ministerpräsidenten Dieter Althaus, der sich allerdings auf Skiern zutrug, habe gezeigt, dass Helme Leben retten könnten. Diesem Argument folgte die Jury und kürte Sina Fischer von der Pro-Seite zur Siegerin. Lena Engel wurde Zweite.

In der Finalrunde der Oberstufe ging es darum, ob für Schüler ab der zehnten Klasse ein verpflichtendes Sozialpraktikum eingeführt werden soll. Auf der Pro-Seite stritten Rosanna Rau und Pia Sander, auf der Contra-Seite Claudia Mayer und Mihaela Panduru. Alle kamen vom Nürtinger Hölderlin-Gymnasium.

In dieser Runde ging es wesentlich ruhiger zu. Die Befürworter argumentierten, dass ein solches Praktikum Jugendlichen soziale Kompetenz und zudem Schlüsselqualifikationen für den Einstieg ins Berufsleben verschaffe. Die Gegner waren der Meinung, dass die „Empfänger“ dieser zwangsweise verordneten Wohltaten – also alte, kranke und behinderte Menschen – wenig glücklich darüber wären, von unmotivierten Praktikanten umgeben zu sein, die nur darauf warteten, endlich wieder nach Hause zu dürfen.

Am Ende kürte die Jury Rosanna Rau zur Siegerin. Claudia Mayer kam auf den zweiten Platz. Alle vier Sieger gewinnen eine Reise nach Berlin, wo sie an einem Debattierworkshop teilnehmen dürfen. Im Mai folgt außerdem die nächste Runde in Stuttgart.