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Reizvolle Einblicke in das Schaffen eines vermeintlich bekannten Komponisten

KIRCHHEIM Ganz im Zeichen Antonio Vivaldis stand das jüngste Gastspiel des Barockensembles Concerto Imperiale in der Kapelle des

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FLORIAN STEGMAIER

Kircheimer Schlosses. Der venezianische Meister, der seine große Popularität vor allem seinen Jahreszeiten-Konzerten verdankt, war in diesem Konzert mit ungleich seltener aufgeführten, jedoch nicht minder reizvollen Werken für Laute und Streicher, sowie für zwei Violinen und Bass vertreten.

Gerade mit den Trios für Laute, Violine und basso continuo rückten die Musiker Andrea Cordula Baur (Laute), Bernhard Moosbauer (Barockvioline und Ensembleleitung), Sabine Bruns (Cello) und Andreas Schaufler (Cembalo) einige außergewöhnliche Werke in den Mittelpunkt, seien doch so erläuterte Dr. Moosbauer zur Einführung keine vergleichbaren Kompositionen aus derselben Zeit in Italien überliefert. Die an der historischen Aufführungspraxis geschulten Musiker brachten die Sonaten mit kammermusikalischer Finesse zu Gehör und bescherten den zahlreich erschienenen Musikliebhabern aufgrund der Verwendung von barocken Originalinstrumenten ein sich durch klangliche Transparenz auszeichnendes, von hoher klanglicher und interpretatorischer Authentizität geprägtes Hörerlebnis.

Glanz- und effektvoll, eine große Bandbreite barocker Effekte auslotend so präsentierte sich Vivaldis "La Follia", die ihrer Form nach im weiteren Sinn zu den Passacaglien gehört. Hier gesellte sich, wie auch bei den Triosonaten für zwei Violinen und basso continuo Violinist Rainer Ullreich zum Ensemble.

Auch die Darbietung dieses teils äußerst fulminanten, auch der Continuo-Gruppe virtuose Fingerfertigkeit abverlangenden Werks, verdeutlichte erneut, dass die unter dem Schlagwort der historischen Aufführungspraxis seit Jahrzehnten kultivierten Spielweise die überzeugendere Alternative ist. Dies fiel insbesondere bei denjenigen Passagen auf, in denen Vivaldi den ursprünglichen Charakter der Follia betont, die von einem furiosen, in ihrer Frühzeit seines als ungezügelt empfundenen Charakters wegen immer wieder verbotenen Tanzes aus Mittelamerika abstammt. Hier herrschte keine an anachronistischen Idealen orientierte gemütlich-vollmundige Klangschönheit, vielmehr wurde das Klangbild von perkussiven Elementen durchzogen, sodass die Komposition auch von unseren vergleichsweise "späten" Ohren in seiner unmittelbaren Frische erlebt werden konnte.

Das von Bernhard Moosbauer nun bereits zum dritten Mal in Folge initiierten Konzerts mit barocker Instrumentalmusik im Kirchheimer Schloss erwies sich als ansprechendes Musikerlebnis auf professionellem Niveau, das reizvolle Einblicke in das Musikschaffen eines vermeintlich bekannten Komponisten bot.