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Relativitätstheorie Leberkäswecken

Notzingen erhöht den Kindergartenbeitrag – Laufzeit beträgt ein Jahr

Die Kindergartenbeiträge erhöhen? Nach langer Diskussion entschied sich der Notzinger Gemeinderat, der Empfehlung der Spitzenverbände zu folgen – zumindest für ein Jahr.

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Iris Häfner

Notzingen. Die Bodenbachgemeinde ist weit davon entfernt, 20 Prozent der Betriebskosten für Kindergärten aus Elternbeiträgen zu decken, wie es von den Spitzenverbänden empfohlen wird. Diesem Gremium gehören unter anderem Vertreter von Gemeindetag, Städtetag und kirchlichen Einrichtungen an. Laut Haushaltsplan kommt Notzingen in diesem Jahr auf einen Deckungsgrad von 12,12 Prozent. Zudem gibt es aufgrund der geänderten Öffnungszeiten 33 Kindstunden pro Woche in den Kindergärten statt der empfohlenen 30. „Bereits im September 2007 erklärte der Gemeinderat, dass wegen der Erweiterung der Kindstunden um zehn Prozent eine Erhöhung des Kindergartenbeitrags erfolgen muss“, erinnerte Bürgermeister Jochen Flogaus das Gremium.

Aus diesem Grund schlug die Verwaltung vor, die Spitzenverbandsempfehlung um zehn Prozent zu erhöhen. Bislang bezahlen die Eltern für ein Einzelkind in der Regelgruppe 81 Euro. Die Empfehlung für die kommenden zwei Jahre lautet: 84 Euro für das Kindergartenjahr 2009/2010 und 87 Euro für 2010/2011. Dem stand das Verwaltungsmodell entgegen: 92,40 Euro für das erste Jahr, 95,70 Euro für das zweite. Je mehr Kinder eine Familie hat, desto geringere Beiträge müssen sie bezahlen.

Hans-Joachim Heberling ging der Schritt zu weit, über die Empfehlung hinaus die Gebühren zu erhöhen. „Die Kurzarbeit ist auch in Notzingen zu spüren“, gab er zu bedenken. Wenn ein Großteil des Kindergelds für den Kindergarten gebraucht werde, „ist etwas faul“. Seinem Vorschlag, einkommensbezogene Beiträge zu erheben, erteilte Jochen Flogaus jedoch eine Absage. „Wir sprechen das Thema regelmäßig beim Elternbeirat an. Es wird auf keinen Fall gewünscht“, erklärte er.

Für Emiliana Montero Rodriguez ist bei diesem Thema guter Rat teuer: „Wer die drei Stunden zusätzliche Betreuung nicht braucht, muss sie trotzdem bezahlen. Damit habe ich ein Problem.“ Herbert Hiller störte in Anbetracht der wirtschaftlichen Lage die Laufzeit von zwei Jahren. „Legen wir uns doch nur auf ein Kindergartenjahr fest – auf der Basis der Empfehlung der Spitzenverbände“, schlug er vor. Ganz ohne Erhöhung ginge es nicht. „Wer das nicht einsieht, ist ein Fantast“, meinte auch Eduard Bosch.

Jürgen Wagner relativierte die Erhöhung auf seine Art: „Bei einer zehnprozentigen Erhöhung erschrickt zwar jeder, doch in der Summe geht es um vier oder fünf Leberkäswecken.“ Eine bessere Betreuung ihrer Kinder sollte den Eltern zumindest ein solcher Wecken schon wert sein. „Das ist zwar unpopulär, aber ich denke, ein Kompromiss wäre die richtige Lösung“, sagte er.

Der Kompromiss wurde schließlich gefunden. Der Vorschlag der Verwaltung wurde mit elf Gegenstimmen abgelehnt. Geeinigt hat sich das Gremium dann auf den Vorschlag, bei einer Laufzeit von einem Kindergartenjahr die Gebühr von 81 auf 87 Euro für ein Einzelkind zu erhöhen. Ab zwei und mehr Kindern verringert sich der Betrag entsprechend.

„Wir sollten uns vielleicht ein anderes Gebührenmodell überlegen“, regte Hans-Joachim Heberling an. Dies stieß auf positive Resonanz, weshalb sich die Verwaltung um verschiedene Berechnungsmodelle bemühen wird.

Dem Gemeinderat lag die Nutzung der Öffnungszeiten in den Kindergärten vor. Die Liste war auf Wunsch von Rudolf Kiltz erstellt worden. Sie zeigt, dass die verlängerten Öffnungszeiten angenommen werden. Zwischen 7.30 und 7.45 Uhr kommen etwa ein Dutzend Kinder in die Regelgruppen. 17 Kinder sind in der flexiblen Gruppe untergebracht, wobei im Durchschnitt fünf Kinder von 7 bis 7.30 Uhr in den Kindergarten kommen.

„Auf Dauer können wir die Einzugsbereiche nicht aufrecht erhalten“, urteilte Jochen Flogaus angesichts der sinkenden Kinderzahlen und dem Wunsch nach immer mehr Individualität. „Ausnahmewünsche werden Tagesmütter abdecken müssen. Die öffentliche Hand kann sich dies auf Dauer nicht leisten“, ist Jochen Flogaus überzeugt. Der Jahresbericht der Tagesmüttervermittlung Kirchheim (TIBB) lag dem Gemeinderat vor.