Lokales

"Respekt für alte Menschen, ob sie verwirrt sind oder nicht"

"Dauer im Wechsel" so lautet das klassische Motto, nach dem sich jetzt im Dettinger Alten- und Pflegeheim "Haus an der Teck" der Wechsel der Heimleitung vollzieht: Auf Schwester Erika folgt Schwester Elke. Die besondere Prägung des Hauses durch die Aidlinger Schwestern bleibt somit erhalten.

ANDREAS VOLZ

Anzeige

DETTINGEN Seit 1987 war Schwester Erika Stannebein im "Haus an der Teck" auf dem Guckenrain tätig, seit 1993 als Heimleiterin. Zum Monatsende geht die 65-Jährige nun in den Ruhestand und übergibt ihr Amt an Schwester Elke Krumpa. Am gestrigen Freitag ist der Heimleiterinnenwechsel im Rahmen einer internen Feierstunde über die Bühne gegangen. Offiziell wird Schwester Elke nicht mehr als "Heimleiterin", sondern als "Hausdirektorin" bezeichnet. Die Aufgaben der Heimleitung teilt sie sich mit dem Stuttgarter Regionaldirektor Friedrich Rentschler von der Evangelischen Heimstiftung. Die neue Hausdirektorin ist zugleich auch Pflegedienstleiterin, wobei ihr die einzelnen Wohnbereichsleiterinnen mit größerer Verantwortung zur Seite stehen als das bei herkömlichen Heimstrukturen der Fall ist.

Die Regionalisierung hat bei der Evangelischen Heimstiftung bereits 1999 begonnen. Seither ist Friedrich Rentschler für vier Häuser in Stuttgart zuständig. Weil er aber schon seit 1986 als Referent der Heimstiftung regelmäßig nach Dettingen gekommen ist, übernimmt er nun auch das "Haus an der Teck" in seiner Eigenschaft als Regionaldirektor. "Die Heimleiterfunktion wird aufgesplittet", sagt Rentschler, "vor Ort hat Schwester Elke voll das Kommando. Aber wir sind zusammen dafür verantwortlich, was im Haus läuft." Der Regionaldirektor ist von seiner Stuttgarter Erfahrung her davon überzeugt, dass dieses Modell bestens funktioniert. Immerhin trägt es dazu bei, dass seine Prioritätenliste vor Ort eingehalten werden kann: "Erst kommen die Bewohner, dann die Mitarbeiter und danach die Schreibarbeit."

An diesem Punkt sind sich auch die alte und die neue Heimleiterin einig. "Es war schon immer unser Hauptanliegen, den Bewohnern Geborgenheit und Heimat zu geben": Was Schwester Erika bereits 1997 zur Feier des 50-jährigen Bestehens der Dettinger Senioreneinrichtung gesagt hat, gilt für sie nach wie vor. Schwester Elke, die seit 1989 im "Haus an der Teck" als Altenpflegerin, später auch als Pflegedienstleitung und Qualitätsbeauftragte gearbeitet hat, formuliert ihr wichtigstes Ziel ganz ähnlich: "Die Bewohner sollen sich hier wohlfühlen." Die neue Hausdirektorin verbürgt sich für Kontinuität und Dauer, trotz des Wechsels an der Spitze. "Für die Bewohner wird es weitergehen wie bisher", sagt die 45-Jährige.

Immerhin war das Haus seit 1947 stets in den Händen einer Aidlinger Schwester. Friedrich Rentschler zufolge soll das auch so bleiben: "Darauf legt die Heimstiftung großen Wert. Die Aidlinger Schwestern waren von Anfang an dabei." Da sich einschließlich Reinigungskräften etwa 100 Personen im "Haus an der Teck" viele von ihnen auch in Teilzeit um rund 90 Pflegebedürftige und 35 Altenheimbewohner kümmern, können die Diakonissen längst nicht mehr den gesamten Mitarbeiterstab stellen. "Wir werden weniger", bemerkt Schwester Erika. Dennoch sind es Aidlinger Schwestern, die in verantwortungsvollen Positionen die besondere Atmosphäre des Hauses bewahren helfen.

"Bewohner ziehen oft bewusst in dieses Haus", weiß Regionaldirektor Friedrich Rentschler zu berichten. Die Schwestern geben dem Dettinger Heim eine christliche Prägung. "Viele kommen zu uns und suchen den geistlichen Zuspruch." Das hat Schwester Erika Stannebein in den vergangenen 18 Jahren immer wieder festgestellt. Neben der einmaligen Lage unterhalb der Teck sind es für die scheidende Heimleiterin vor allem die vielen langjährigen Mitarbeiter, die für das entscheidende Flair sorgen. Als Beispiel nennt sie Schwester Maria Stricker, die jetzt gemeinsam mit ihr in den Ruhestand tritt.

Über ihre Pläne für den neuen Lebensabschnitt verrät Schwester Erika nicht allzu viel: "Ich weiß noch nicht, was ich mache. Erst mal Urlaub und außerdem muss ich Schwester Elke noch ein paar Sachen erzählen." Dabei wird sie sicher auch ihr berufliches Credo noch einige Male wiederholen: "Es ist wichtig, jeden alten Menschen mit Respekt zu behandeln, ob er verwirrt ist oder nicht."