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Respekt statt Rivalität

KIRCHHEIM Rivalitäten zwischen Nürtingen und Kirchheim waren nicht etwa das Motiv für eine interessante und überzeugende Veranstaltung des Kirchheimer "Fördervereins Kirchenmusik".

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Im April 2000 war beim verheerenden Brand in der Stadtkirche Nürtingen auch die Orgel ein Opfer der Flammen geworden. In Nürtingen entschloss man sich zu dem Neubau einer im Wortsinne kostbaren Orgel und gab den Zuschlag der Firma Orgelbau Goll in Luzern in der Schweiz einer Firma also, die auf eine Orgelbaufamilie aus dem Kirchheimer Raum zurückgeht. Wer denkt da an Konkurrenz zwischen Nürtingen und Kirchheim?

Im vergangenen Jahr hatte der Kirchheimer Förderverein Kirchenmusik auf einer Orgelfahrt in die Schweiz den dortigen Goll'schen Spuren nachgespürt. So schloss sich folgerichtig ein Kreis, der den interessierten Vereinsmitgliedern die im Oktober eingeweihte neue Nürtinger Goll-Orgel vorstellen konnte.

Kirchenmusikdirektor Ernst Leuze gab zunächst eine Einführung in die Geschichte der neuen Orgel. Er stellte dann souverän improvisierend die 42 Register mit ihren 2905 Pfeifen als sowohl unterschiedliche als auch harmonisierende Klangerlebnisse vor. Der Kirchheimer Bezirkskantor Samuel Kummer lotete in einem reichhaltigen Konzert die klanglichen Qualitäten der neuen Orgel aus. Die Darbietung eigener Werke, die die Zuhörer hinsichtlich des zu vermutenden Komponisten zunächst vor Schwierigkeiten stellte, demonstrierte schließlich hörbar das bereite Spektrum, das die Goll-Orgel vom Barock über die Romantik in der schweizerischen Qualität bis hin zur Moderne überzeugend zu vermitteln vermag.

Zwar empfand man die räumliche Einpassung des Prospekts in die gotische Hallenkirche als zu sehr rechtwinklig behaftet, und die eher technischen als kunstvollen Maßnahmen zur Absorption der überquellenden tieferen Frequenzen als gewöhnungsbedürftig.

Beide Kirchenmusiker und die Zuhörer waren sich aber einig darin, dass die Stadtkirche in Nürtingen eine Orgel erhalten hat, die in ihrer klanglichen Güte in der Region ihresgleichen sucht. Die Kirchheimer Botschaft an die Nürtinger heißt also keineswegs "Rivalität", sondern mit Begeisterung "Respekt" und "Herzlichen Glückwunsch".

An das Konzert schloss sich die Hauptversammlung des Fördervereins Kirchenmusik an. Die bewährten Orgelfahrten, die Präsentation des vereinseigenen Claviorganums und ein geplantes Buch über die rund 50 "Orgeln unter Teck" sind als Vereinsziele definiert.

Der wiedergewählten Vereinsspitze mit Karl-Otto Alpers, Roland Krämer und Ernst Leuze wurden diese Aufgaben dringlich ans Herz gelegt.

rk