Lokales

Rettung aus dem Archiv über die Drehleiter

Die Naberner können beruhigt sein: Ihr Rathaus steht noch, auch wenn am Samstagnachmittag dicke Rauchschwaden über den Giebel zogen. Die örtliche Freiwillige Feuerwehr hatte das Kommunalgebäude zum Schauplatz ihrer Jahresübung ausgesucht.

MANFRED GAISER

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KIRCHHEIM Als gegen 16 Uhr der Feueralarm über die Esslinger Leitstelle einging, war die angenommene Situation schon ziemlich brenzlig: Ein Kopierapparat im Probenraum des Musikvereins war durch einen technischen Defekt in Brand geraten. Das Feuer breitete sich zügig auf den Bürgersaal aus. Durch die extreme Rauchentwicklung war das gesamte Erdgeschoss unpassierbar geworden, und zudem stieg der beißende Qualm über das Treppenhaus in die oberen Etagen, in denen sich noch Menschen befanden.

Der Einsatzleiter, der mit dem ersten Fahrzeug am Brandort eintraf, analysierte die Lage und konzentrierte sich zunächst auf die Menschenrettung. Da die Treppe zum zweiten Obergeschoss nicht mehr begehbar war, konnte die Rettung einer Mitarbeiterin im Archiv nur über eine Drehleiter erfolgen, die unverzüglich angefordert wurde.

Einige Männer des Löschfahrzeugs LF8/6 stiegen mit schwerem Atemschutz und Fluchthauben über Leitern in das erste Geschoss, während ihre Kameraden zur Brandbekämpfung das Parterre stürmten. Die notwendige Wasserversorgung wurde unterdessen durch das Tragkraftspritzenfahrzeug (TSF) gewährleistet. Die Sicherheit im Umfeld des Brandortes wurde durch die Besatzung des Mannschaftstransportwagens garantiert.

Schon vor dem Eintreffen der Helfer mit der Drehleiter konnten die gefährdeten Menschen aus dem Sitzungssaal evakuiert werden. Parallel erfolgte die zügige Löschaktion im Erdgeschoss. Über die Drehleiter wurde auch die letzte Eingeschlossene geborgen und dem Malteser Hilfsdienst (MHD) übergeben, der zwischenzeitlich im nahe gelegenen Bürgerhaus eine Notfallstation eingerichtet hatte.

Bei der Manöverkritik im Feuerwehrmagazin bestätigte der Kirchheimer Stadtbrandmeister Roland Schultheiß den Naberner Floriansjüngern ein konsequentes, logisches Vorgehen: "Die Übung verlief schnell, zackig und exakt. Sie haben der Bürgerschaft gezeigt, dass sie zu ihrer Wehr Vertrauen haben kann."

Auch Kommandant Hubert Möhl, der die im Vergleich zum Vorjahr kleinere Übung für das Publikum kommentierte, dankte seinen Kameraden für die tadellose Vorgehensweise, der Drehleiterbesatzung für die Unterstützung und auch den Freunden vom MHD für die Zusammenarbeit. Naberns Ortsvorsteher Nicolas Fink, der als "waschechtes Opfer" mitwirken konnte, lobte die hervorragende Arbeit seiner Wehr mit 37 Aktiven.

Bei der Übung, die auch von den Kommandanten aus Kirchheim, Lindorf und Dettingen aufmerksam verfolgt wurde, gab es letztlich nur einen Punkt zur Kritik: Bemängelt wurde einhellig das schlechte Wetter.