Lokales

Rettungshundeführer gehen getrennte Wege

Die Rettungshundestaffel Nürtingen-Kirchheim hat schon so manchen Auslandseinsatz mitgemacht. Im Oktober 2006 wanderten nun einige Mitglieder der beim DRK angesiedelten Mannschaft ab und schlossen sich der neugegründeten Hundestaffel des Malteser Hilfsdienstes an.

SYLVIA GIERLICHS

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NÜRTINGEN Die Trennung, so gaben der Geschäftsführer des DRK-Kreisverbands, Klaus Rau, und der Diözesangeschäftsführer Klaus Weber gleichermaßen an, sei überwiegend aus persönlichen Gründen erfolgt. Auch Klaus Röper, der die Rettungshundestaffel Nürtingen 19 Jahre lang führte, gab nur an, auf eigenen Wunsch ausgeschieden zu sein.

"Die Malteser wollen sich einer gewissen Entwicklung stellen, es fehlte ihnen jedoch auf dem Sektor der Hunderettung an erfahrenen Leuten", sagte Röper, der einräumt, auf eine gute Zusammenarbeit mit dem DRK angewiesen zu sein. "Im Moment laufen alle Rettungshunde-Anforderungen der Polizei über das DRK. Die Malteser werden noch nicht benachrichtigt, obwohl die Qualität unserer Arbeit bereits hoch ist." Dabei gehe es überwiegend um Einsätze auf Landkreisebene.

Bei Suchaktionen, so Fritz Mehl von der Polizeidirektion Esslingen, sei meist zunächst die Polizei mit eigenen Hunden vor Ort. "Für eine großflächige Suche reichen jedoch unsere eigenen Hunde nicht aus, sodass wir über das DRK oder die Rettungsleitstelle eine Hundestaffel anfordern", bestätigt Mehl teils die Aussage von Klaus Röper.

"Entscheidend dafür, wer zu welchem Zeitpunkt benachrichtigt wird, ist die Lage vor Ort", gibt Dieter Wiesinger vom baden-württembergischen Innenministerium Auskunft. Der stellvertretende Leiter des Referats für Bevölkerungsschutz weiter: "Für die Rettung mit Hunden stehen im Land fünf Rettungshundestaffeln zur Verfügung, die in die Notfallpläne der Landkreise und Regierungspräsidien aufgenommen sind." Peter Keck, Sprecher des Landratsamtes Esslingen, konnte jedoch eine Prioritätenliste für die Benachrichtigung von Hilfsorganisationen nicht bestätigen. "Die neu gegründete Rettungshundestaffel der Malteser ist neben der des DRK und der Deutschen Rettungshundestaffel in unseren Notfallplan aufgenommen und wird bei Bedarf ebenso angefordert werden."

Auslandseinsätze in Krisengebieten, teilte Röper weiter mit, wurden ohnehin seit einigen Jahren nicht mehr von der DRK-Rettungshundestaffel Nürtingen-Kirchheim abgedeckt. "Innerhalb der Vereinten Nationen findet zudem momentan ein Umdenkprozess statt. Da der Einsatz von Rettungshunden nicht garantiere, dass Menschen gerettet werden können, ein Einsatz jedoch zwischen 70 000 und 100 000 Euro kostet, sieht man zunehmend davon ab, den Hilfsorganisationen ein Mandat für diese Art der Rettung zu erteilen."

Die private Organisation "SAR-Rescue Dogs" aus Schorndorf hätte daher die Aufgabe übernommen, in Zusammenarbeit mit dem Auswärtigen Amt und den Botschaften der betroffenen Länder die Rettung mit Hunden durchzuführen. Die Finanzierung erfolge nicht mit öffentlichen Mitteln, sondern durch Spenden. "Häufig stellen beispielsweise Fluggesellschaften den Transport der Hunde nicht in Rechnung", so Röper. Letztlich werde man sich den Kuchen mit dem DRK teilen.

Eine Rückfrage beim Auswärtigen Amt in Berlin und den Vereinten Nationen in Genf ergab, dass es keine Grundsatzentscheidung der Vereinten Nationen gegen den Einsatz von Rettungshunden gibt. Eine Sprecherin des UN-Büros für die Koordinierung Humanitärer Hilfe (OCHA) betonte, der Einsatz werde von den Umständen vor Ort abhängig gemacht.