Lokales

Rettungs-Ring

Sich von alten Gewohnheiten zu trennen, ist immer schwer. Besonders, wenn Veränderungen persönliche Nachteile und Einschränkungen mit sich bringen. So ist es kein

BIANCA LÜTZ

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Wunder, dass in Dettingen kritische Stimmen laut wurden, als der neue Betreiber das althergebrachte Konzept samt Öffnungszeiten und Eintrittspreisen über den Haufen warf. Völlig verstummt sind die Kritiker immer noch nicht. Es ist ja auch verständlich, dass sich berufstätige Stammgäste ärgern, wenn sie auf einmal nach der Arbeit zu ihrer gewohnten Zeit vor verschlossenen Türen stehen. Und wer freut sich schon darüber, wenn er tiefer in die Tasche greifen muss, um seine Runden im Becken zu drehen zumal das Dettinger Bad mittlerweile im Vergleich zu anderen Bädern in der Umgebung tatsächlich eher am oberen Ende der Preisskala liegt.

Aber: Wer sich über höhere Eintrittspreise und andere aber insgesamt sogar verlängerte Öffnungszeiten ärgert und gar mit Boykott droht, denkt zu kurz. Denn schließlich hatte die Existenz des Schwimmbads auf der Kippe gestanden: Die über 30 Jahre alte Einrichtung drohte in einem Meer von roten Zahlen unterzugehen. Für die Verwaltung und den Gemeinderat wäre es ein Leichtes gewesen, das Hallenbad einfach verloren zu geben und viel Geld zu sparen.

Die Verantwortlichen haben sich aber anders entschieden und zusammen mit engagierten Bürgern eine Rettungsaktion gestartet: Sie haben einen privaten Betreiber ins Boot geholt, um den Menschen in der Gemeinde und den Nachbarorten eine lieb gewordene Institution zu erhalten und ihnen weiterhin Sport, Erholung und Schwimmkurse direkt vor der Haustüre zu bieten. Dieser Schritt hat noch viel schmerzlichere Einschnitte verhindert.

Jetzt sind die Besucher an der Reihe, einen Beitrag zu leisten, sich durch ihre Treue für den Erhalt des "aquafit" einzusetzen und eine Art "Rettungs-Ring" zu bilden. Und vielleicht hilft es ja, die Kosten für einen Besuch des Dettinger Bads im Verhältnis zu Alternativen zu sehen: Spart eine Familie wirklich Geld, wenn sie kilometerweit mit dem Auto zu einem etwas günstigeren Hallenbad fährt? Oder wie eine Gemeinderätin treffend anmerkte stattdessen ins Kino geht?