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Richter lehnte den "Therapie-Wunschzettel" ab

Ein 24-jähriger, berufsloser und mehrfach wegen Körperverletzung vorbestrafter Mann aus Lenningen ist jetzt vom Stuttgarter Landgericht wegen versuchter schwerer räuberischer Erpressung in zwei Fällen zu dreieinhalb Jahren Freiheitsstrafe verurteilt worden.

BERND S. WINCKLER

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LENNIGEN/STUTTGART Die 5. Strafkammer stellte fest, dass der 24-Jährige gewaltsam von einem 15-Jährigen 70 Euro erpressen wollte und von seiner eigenen Mutter mittels Schläge etwa 100 Euro forderte. Er habe das Geld für die Beschaffung von Drogen benötigt, hatte er den Richtern am Beginn des Prozesses gesagt.

Er gab an, dass er zur jeweiligen Tatzeit, am 19. März und am 1. Mai dieses Jahres, nicht nur betrunken, sondern auch unter Rauschgift-Entzug stand, gab aber die Vorwürfe insgesamt zu. Die Mutter wurde bei der Auseinandersetzung mit ihrem gewalttätigen Sohn verletzt, weigerte sich jetzt aber im Zeugenstand, ihren Sohn in diesem Prozess zu belasten. Daher mussten die Richter der 5. Großen Strafkammer den Vorwurf der Körperverletzung fallen lassen und werteten die Sache in der elterlichen Wohnung damals nur noch als versuchte räuberische Erpressung, die zudem weil innerhalb der Familie geschehen strafmildernd gewertet wurde.

Nicht aber der Vorwurf zum Nachteil des 15-Jährigen zwei Wochen zuvor. Der Angeklagte selbst war damals erst kurz zuvor aus der Haft wegen einer früheren Gewalttat entlassen worden. Keine Strafmilderung auch wegen Alkoholisierung oder Drogenentzug, stellte das Gericht fest. Die Erpressung von 70 Euro sei zwar kein großer Betrag, doch bei einem Schüler müsse man da anders rechnen, machte der Richter dem Angeklagten klar. Daher treffe hier die volle Härte des Gesetzes zu. Immerhin habe der Schüler nach der Tat wochenlang in Angst und Schrecken gelebt und ging nur noch in Begleitung zur Schule, weil er befürchtete, den Angeklagten zu treffen. Auch dies wirke straferschwerend, so das Gericht.

Der 24-jährige Angeklagte selbst, sechsmal vorbestraft, bat das Gericht um eine Drogentherapie, statt Gefängnis. Doch Richter Claus Bergmann klärte ihn auf: ". . .das sieht aus, wie jetzt in der Weihnachtszeit die Wunschzettel ich möchte eine Therapie so einfach geht das nicht!" Straferschwerend wogen natürlich auch die Vorstrafen und der Umstand, dass der 24-Jährige kurze Zeit nach der letzten Haftentlassung rückfällig wurde. Die verhängten dreieinhalb Jahre Haft muss er absitzen.