Lokales

Richtfest nach sieben Monaten Bauzeit

Wo seit Monaten Maschinenlärm herrscht, gebaggert, betoniert, gehämmert und gebohrt wird, erklangen am späten Mittwochnachmittag die Posaunen. Unter großem Interesse der Bevölkerung wurde das Richtfest des Erweiterungsbaus für das Weilheimer Rathaus gefeiert.

ANKE KIRSAMMER

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WEILHEIM Über den Zuschauern flatterten blaue und weiße Bänder an der Richtkrone im gleißenden Scheinwerferlicht des Krans. Vor dem verhangenen Novemberhimmel hatten die Farben der Stadt am Tag des Richtfests des neuen Verwaltungsbaus standesgemäß ihren großen Auftritt.

20 Jahre Vorbereitung, vier Jahre Planung und sieben Monate Bauzeit im Zeitraffer ließ Weilheims Bürgermeister Hermann Bauer die Chronik des Vorhabens Revue passieren. Der Neubau wird das bestehende Rathaus von 1777 nicht ersetzen, sondern ergänzen. Über eine Glasfuge sollen die beiden Gebäudeteile miteinander verbunden werden. Bauer zeigte sich überzeugt davon, dass das bisherige, während des Rokoko gebaute Rathaus, noch deutlicher herausgestellt werde. "Es bleibt eine Bereicherung für den Marktplatz", betonte er. Der Neubau füge sich mit seinem roten Satteldach in das bisherige Stadtbild ein und besitze trotzdem eine eigene Architektursprache insbesondere der Sonderbaukörper für Ratssaal und Bürgerbüro hebt sich ab. Wirtschaftlich gut geplant, sei der mit der zweigeschossigen Tiefgarage insgesamt acht Millionen Euro teure Bau im Verhältnis sogar günstiger als das bestehende Gebäude. "1777 waren sieben Jahressteuern fällig, heute ist es eine Jahressteuer." Finanziert werden die neuen Räume für die Verwaltung mit Aktienerlösen, Zuschüssen aus Stadtsanierung und Ausgleichsstock sowie mit Bauplatzerlösen. Das Projekt liege im Kostenrahmen von 2001. Nachdem 90 Prozent der Arbeiten vergeben sind, rechnet der Schultes nicht mehr mit unliebsamen Überraschungen.

Noch einmal erklärte Hermann Bauer, warum er sich für die im Gemeinderat und in der Bevölkerung kontrovers diskutierte Rathauserweiterung stark gemacht hatte: "Mir war wichtig, die aufgeteilten Dienststellen im Zentrum wieder zusammenzuführen und ein Bauwerk zu erhalten, in dem die Verwaltung für die Bevölkerung da ist, Weilheim gestaltet und in eine gute Zukunft geführt wird." Auch der Gemeinderat brauche einen ansprechenden Saal für gute Beratungen. "Dafür erhalten wir nun die besten Voraussetzungen", unterstrich Hermann Bauer.

Nach der Fertigstellung des Rohbaus wird der Stab nun an die Ausbauhandwerker weitergereicht. Neubau und der nebenliegende Platz sollen im November 2006 fertig gestellt sein. Nach dem Umzug in die neuen Räume ist ein rund achtmonatiger Umbau im Erdgeschoss des bestehenden Rathauses vorgesehen. Der Abschluss des kompletten Projektes ist für Sommer 2007 geplant.

Einen Ausflug in die Etymologie des Wortes "Richten" unternahm Architekt Karl-Heinz Single. Seiner ursprünglichen Bedeutung nach sei damit gemeint, etwas gerade, richtig zu machen. In Anspielung an den nicht an allen Kanten rechtwinkligen Sonderbaukörper meinte er augenzwinkernd: "Die Handwerker durften zwar nicht alles gerade machen, sie haben ihre Arbeit aber dennoch richtig gemacht." Ein Bauwerk sei für einen Architekten, was ein Kind für seine Eltern. "Unser Kind ist heute in der Pubertät", meinte Single. Nun müsse es behutsam weiter erzogen werden, damit es in die Selbstständigkeit entlassen werden könne.

Bevor der katholische Pfarrer Hermann Ehrensperger das Segenswort für den Bau sprach, wünschte sein evangelischer Amtskollege Pfarrer Walter Veil in Anlehnung an Zeilen des Weihnachtsliedes "Macht hoch die Tür", in das neue Haus sollten Sanftmut, Gerechtigkeit und Barmherzigkeit einziehen. "Das ist besonders wichtig in einer Zeit knappen Geldes", sagte Veil.

Der traditionelle Tropfen "goldnen Weins" musste indes noch nicht eingespart werden. Flankiert von fünf Handwerkern verlas Zimmermeister Reinhold Merkle vom Gerüst aus den Richtspruch und ließ unter Beifall der Zuhörer das Glas auf dem Boden zersplittern.Mit der Kamera hat Jean-Luc Jacques die Zeremonie eingefangen.