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"Richtig Landen ist am Anfang ganz schön schwierig"

KIRCHHEIM Der August weiß nicht, ist er ein April oder soll er dem November Konkurrenz machen. Dabei steht er im Kalender als Hochsommermonat. Dennoch lassen sich

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RICHARD UMSTADT

die Segelflugschüler Franziska Baur, 22, Simon Blum, 17, Nicolas Zuber, 17, und Christian Nothdurft, 17, den Spaß nicht verderben. Die vier jungen Leute gewannen im Rahmen des Segelflug-Grand-Prix bei der Fliegergruppe Wolf Hirth auf der Hahnweide die Aktion "Von 0 auf 100" und sitzen nun zum ersten Mal in ihrem Leben in einem Segelflugzeug der Marke Twin Astir G 103.

Los ging's am vergangenen Samstag. "11.30 Uhr" steht in Nicolas Zubers Fliegerkladde. "Ich bin zum ersten Mal vorne gesessen", berichtet das Flieger-Greenhorn aus Nabern. Wie in einem Aufzug stieg das doppelsitzige Schulflugzeug per Windenschlepp in den bewölkten Himmel, gelenkt von Fluglehrer Weingart. In etwa 400 Meter Höhe wurde das stählerne Schleppseil ausgeklinkt und der Kunststoffgleiter den Winden überlassen. "Es war ganz schön aufregend", erinnert sich Nicolas Zuber. "Oben durfte ich selbst den Steuerknüppel in die Hand nehmen", erzählt der junge Naberner begeistert.

Kurven zu fliegen lernte er relativ schnell, "doch landen ist schwierig." Das bestätigen auch die anderen Flugschüler. "Da muss man so viele Sachen auf einmal machen", bringt Franziska Baur die anfänglichen Kämpfe der Schüler mit dem starrsinnigen Fluggerät beim Landeanflug auf den Punkt. "Vor allem, wenn's bockig wird, ist es schwierig, die Richtung zu halten." Ausbilder Michael Weingart kennt diese Probleme seiner Schützlinge nur zu gut: "Der Flugschüler muss beim Landen versuchen, die Flügel waagerecht zu halten, auf den Gleitpfad achten, Richtung und Geschwindigkeit halten und dann auch noch gefühlvoll abfangen. Das will geübt sein." Rund 50 Starts und Landungen setzt Fluglehrer Michael Weingart dafür an. "Fliegen heißt landen. Wenn das klappt, dann steig ich aus und lass die Flugschüler alleine fliegen."

Doch bis dahin werden sich Franziska, Simon, Nicolas und Christian noch einige Dutzend Male mit der G 103 in die Lüfte schleppen lassen. Was normalerweise im Verein an schönen Wochenenden oder während eines Fluglagers geschieht, ist bei der Aktion "Von 0 auf 100" auf der Kirchheimer Hahnweide exklusiv zu haben: Eine kompakte praktische Ausbildung bis zum Alleinflug.

Nicolas Zuber weiß, wie die anderen drei Ikarusjünger, die Vorteile zu schätzen: "Bei drei Starts hintereinander kann man die Tipps und Korrekturanweisungen des Fluglehrers gleich umsetzen. Man entwickelt dann auch ein Gefühl fürs Landen."

Natürlich wird auch in der kleinen Ausbildungs-Gruppe die Gemeinschaft groß geschrieben. Es ist selbstverständlich, dass alle nach der Landung beim Zurückschieben des Segelflugzeugs zum Startpunkt helfen und sich gegenseitig unterstützen.

Begeistert berichtet Franziska Baur über ihren ersten Thermikflug gestern Nachmittag mit Michael Weingart. 44 Minuten war der Twin Astir in der Luft. "Wir sind nach dem Ausklinken über der Hahnweide thermisch weggestiegen und zur Teck geflogen", erklärt der Ausbilder. "Da ging's voll gut", freut sich die Flugschülerin über das Gefühl, im Hangaufwind in die Höhe zu steigen.