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Rieger bekräftigt Interesse am Möbelhaus in Sirnau

Für das geplante Möbelhaus in Sirnau gibt es nur noch einen heißen Kandidaten. Während alle anderen Interessenten den Rückzug angetreten haben, bleibt die Firma Rieger entschlossen, das städtische Grundstück zu kaufen. Das Göppinger Unternehmen hat das einzige Angebot abgegeben, das im Esslinger Rathaus akzeptiert wird.

HERMANN DORN

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ESSLINGEN Bis zum Stichtag am vergangenen Freitag haben bei der Stadt nur zwei Bewerber ihre Unterlagen eingereicht. Neben Rieger meldete sich noch ein Investor, der zwischen B 10, Dieter-Roser-Brücke und Metro eine Tankstelle bauen will. Der Verwaltungsausschuss des Gemeinderats wies dieses Angebot zurück. Es entspreche nicht den städtischen Vorstellungen zur Zukunft des Areals, hieß es zur Begründung. Der Firma Rieger wurde dagegen bestätigt, dass sie ein "qualifiziertes Angebot" vorgelegt hat. Alle formalen Anforderungen seien erfüllt. Dazu gehöre vor allem die Bereitschaft, das Randsortiment auf 350 Quadratmeter zu beschränken.

Offen bleibt, ob Rieger am Ende zum Zug kommt. Hinter verschlossenen Türen beschränkten sich die Stadträte am Montag auf die Aufgabe, das weitere Vorgehen festzulegen. Zunächst soll die Verwaltung die umfangreichen Papiere, die einen ganzen Ordner füllen, unter die Lupe nehmen und im Februar über die Ergebnisse berichten. Auf einen Zeitpunkt für die Entscheidung legten sich die Stadträte nicht fest. Eine inhaltliche Bewertung wollte niemand vornehmen.

Rieger setzt weiterhin auf ein Konzept, das sich an dem Wohnboulevard in Amsterdam orientiert. "Mit einem überragenden Angebot schaffen wir es, ohne größere Randsortimente auszukommen", sagt er. Das gastronomische Angebot, das in ersten Konzepten noch eine große Rolle gespielt hat, sei deutlich reduziert worden. Beim Preis habe man sich weit aus dem Fenster gelehnt. Er liege "weit über dem Verkehrswert", der von Beobachtern bislang auf eine Summe im Bereich von zehn Millionen Euro taxiert worden ist. Trotz der strengen Auflagen habe man auf Abschläge verzichtet.

Mit den Plänen für einen Neubau in Sirnau wolle man Kunden aus Stuttgart gewinnen, die nicht den Weg in das Stammhaus in Göppingen finden, erklärte Juniorchef Benno Rieger. Dass alle anderen Interessenten an dem städtischen Grundstück abgesprungen sind, ändere nichts an seiner Entschlossenheit. Mit einem umfangreichen Grunderwerb hat Rieger kürzlich schon am Stammsitz in Göppingen für Schlagzeilen gesorgt. "Diese Entscheidung ist unabhängig von unseren Zielen in Esslingen", erklärt der Juniorchef auf Anfrage. In Göppingen sichere sich das Unternehmen nur die Flächen, die mittelfristig benötigt werden, um das Möbelhaus zu erweitern. Dass man zeitgleich mit dem Interesse für Sirnau ins öffentliche Blickfeld gerate, sei Zufall und erlaube keine Rückschlüsse.

Mit Rücksicht auf das laufende Verfahren gibt Rieger nur spärliche Informationen zum Konzept in Sirnau. Er bestätigt aber, dass er sich mit dieser Arena vom herkömmlichen Einrichtungshaus absetzen will. Auf den Kunden warten künftig einzelne Wohnwelten, die er gezielt ansteuern kann. Lange Wege durch die gesamte Ausstellung bleiben ihm erspart. Rieger verrät weiter, dass man auf frühere Kritik reagiert und das gastronomische Angebot deutlich abgespeckt hat. Auch von einer Stadtbühne mit vielen Events ist keine Rede mehr. Die Vorgaben für das Randsortiment erfüllt Rieger ohnehin. Von der 36 000 Quadratmeter großen Fläche reserviert er für diese Angebote maximal 350 Quadratmeter. Während sich Rieger als einzig verbliebener Verhandlungspartner der Stadt gute Chancen ausrechnen darf, den Zuschlag zu erhalten, findet sich Frank Hofmeister in der Zuschauerrolle wieder. Er betont zwar, das Bietigheimer Möbelhaus sei weiter interessiert an Esslingen. Nachdem seine Firma aber beschlossen hat, bis zum Stichtag am vergangenen Freitag kein Angebot abzugeben, rücken seine Pläne für ein Möbelhaus in Sirnau in weite Ferne. Dass der Verwaltungsausschuss des Gemeinderats dem Oberbürgermeister empfiehlt, gegenüber Hofmeister gesprächsbereit zu bleiben, ändert an dieser Tatsache wenig. Hofmeister schweigt bislang zu der Frage, warum er kein Angebot vorgelegt hat. Eine Erklärung findet sich in einem Brief an Verwaltung und Gemeinderat. Dort heißt es, die Vorgaben für das Randsortiment seien zu eng. Es fehlten Spielräume, die benötigt werden, wenn die Rechnung aufgehen soll.

Edward-Errol Jaffke (CDU) und Andreas Koch (SPD), die im Gemeinderat mit ihren Fraktionen eine deutliche Mehrheit besitzen und die Möbelhaus-Pläne grundsätzlich unterstützen, wollen das Rieger-Angebot noch nicht bewerten. Sie prüfen zunächst die Unterlagen. Dieter Deuschle (Freie Wähler) und Carmen Tittel (Grüne) legen sich dagegen schon fest. Nachdem sie bislang den Möbelhaus-Plänen in Sirnau eine Absage erteilt haben, bleiben sie konsequent und kündigen ihren Widerstand gegen den Grundstücksverkauf an Rieger an.