Lokales

Riesiger Vertrauensbeweis für Dr. Ulrich Noll

Dr. Ulrich Noll war sichtlich gerührt. Diese einhellige Zustimmung hatte er offenbar nicht erwartet. Ausnahmslos alle 43 stimmberechtigten Mitglieder, die an der Wahlkreiskonferenz teilnahmen, gaben ihm ihre Stimme. Es war ein starker Vertrauensbeweis. Damit wird Dr. Noll bei der Landtagswahl am 26. März 2006 im Wahlkreis Nürtingen/Filder erneut als Spitzenkandidat für die FDP in den Wahlkampf ziehen.

GÜNTER SCHMITT

Anzeige

AICHTAL-GRÖTZINGEN Der Politiker aus Aichtal ist von Haus aus Zahnarzt, 59 Jahre alt, verheiratet, hat zwei Kinder und zwei Enkel. Seit 1996 im Landtag, ist Dr. Ulrich Noll Vorsitzender der FDP-DVP-Landtagsfraktion und ihr Sprecher für die Sozial-, Gesundheits- und Familienpolitik.

Bei der Wahl des Ersatzbewerbers konnte dann von Einstimmigkeit nicht mehr die Rede sein. Hier ging es um Spitz und Knopf. Judith Skudelny aus Leinfelden-Echterdingen machte das Rennen. Sie erhielt 22 Stimmen, ihr Mitbewerber Dr. Ulrich Adam aus Filderstadt 21 Stimmen. Nur eine Stimme entschied über Sieg oder Niederlage. Judith Skudelny ist 29 Jahre alt, Rechtsanwältin in einer Kanzlei und seit einem Jahr Mitglied des Gemeinderats der Flughafengemeinde. Sie stellte sich zur Wahl, weil sie etwas für ihre Generation erreichen will. Ihr Mitbewerber trug die knappe Niederlage mit einiger Gelassenheit. Er gratulierte der neuen Ersatzbewerberin und wünschte ihr auf ihrem weiteren Weg viel Erfolg.

Dr. Ulrich Adam aus Filderstadt ist 40 Jahre alt, verheiratet und Vater eines Kindes. Von Beruf ist er Rechtsanwalt und Geschäftsführer einer größeren Anwaltskanzlei. Er hat Sitz und Stimme im Kreisrat und ist Mitglied im Filderstädter Gemeinderat. Bei seiner Vorstellungsrede war der Mittelstand Kern all seiner Überlegungen.

An der im Hotel Aichtaler Hof in Grötzingen abgehaltenen Wahlkreiskonferenz der FDP nahmen nicht nur Mitglieder der Partei aus dem Wahlkreis teil, sondern auch Mitglieder des Kreisverbandes. Wahlkreis und Kreisverband sind nicht identisch, abstimmungsberechtigt waren nur Mitglieder aus dem Wahlkreis. Geleitet wurde die Veranstaltung vom Kreisvorsitzenden Ulrich Fehren aus Esslingen.

Wie üblich bei einer Wahlkreiskonferenz fehlte es nicht an Wortmeldungen. So gab der Nürtinger Manuel Okolisan, Kreisvorsitzender der Jungen Liberalen, einen Überblick über die Aktivitäten des Parteinachwuchses, sagte jede denkbare Unterstützung bei der bevorstehenden Bundestagswahl zu und lobte Dr. Ulrich Noll für sein erfolgreiches Bemühen, in der kritischen Zeit vor einem Jahr in Stuttgart die Fraktion zusammengehalten zu haben, sodass die FDP heute eine solide und attraktive Gruppierung darstelle.

Dr. Ulrich Noll selbst zeigte sich in seiner Rede vor dem Wahlgang energisch und ohne Scheu, auch mal ein großes Wort in den Mund zu nehmen. "In mir, stellte er engagiert fest, brennt noch nach neun Jahren im Landtag das Feuer der liberalen Idee." Sein Motto: Im Zweifel für die Freiheit, eine Freiheit nicht von, sondern zur Verantwortung. Die überbordende Verschuldung hält er für einen Fall von Freiheitsberaubung. Hier werde ohne Rücksicht auf künftige Generationen vorgegangen. Auf Schuldenbergen können Kinder nicht spielen. Ebenso hält er die Arbeitslosigkeit ("ich verstehe mich als Sozialpolitiker") für eine Form der Freiheitsberaubung. Er plädierte für mehr Flexibilität und betriebliche Lösungen. In dieser Situation sei es beschämend, dass ab einem bestimmten Alter nicht mehr gearbeitet werden dürfe.

Zum Beispiel kann er sich bei der Ganztagesschule ("mit den Lehrern alleine geht es nicht") gut vorstellen, die Schüler von einem guten und verlässlichen Ruheständler, der sein Metier kennt, in die Welt des Computerwesens einführen zu lassen. Überhaupt ist er dafür, den Menschen mehr Mitspracherecht zu geben. "Wir sollten sie verstärkt Fragen entscheiden lassen, das ist für mich direkte Demokratie."

"Die Bürokratie legt sich wie Mehltau über alle Bereiche des Lebens", kritisierte er. Die öffentliche Hand solle sich aus allem heraushalten, was privat geregelt werden könne. Das gelte für kommunalen Blumenverkauf am Friedhof ebenso wie für den kommunalen Wohnungsbau. Das Private sei immer günstiger als das Staatliche. Nicht der Staat, sondern alleine die Wirtschaft schaffe Arbeitsplätze. Das Verlagern von Aufgaben ins Private könne durchaus auch Bereiche wie die Schulgebäude einschließen. Hier könne man weit gehen, ohne Nachteile befürchten zu müssen. Leider werde sogar von der CDU im Zweifelsfall immer für eine staatliche Regelung entschieden. Die Freiheit stirbt scheibchenweise. Um die großen Firmen müsse sich niemand kümmern, wichtig und entscheidend sei der Mittelstand. Ihn gelte es zu fördern. "Wir müssen wegkommen von der Neigung zu sagen, das steht mir zu, sondern müssen zu einer Haltung finden, in der es heißt, was kann ich für die Allgemeinheit tun."

Unter den vielen Themen, die Dr. Noll ansprach, spielte der Nachwuchs, seine Förderung und Bildung, die Hauptrolle. Schon den Kindergarten versteht er nicht als Aufbewahrungs-, sondern als Bildungseinrichtung. Auch hier müsse man die ausgetretenen Pfade verlassen und dürfe sich etwa bei den Öffnungszeiten nicht an alte Regelungen klammern, sondern Rücksicht nehmen auf Frauen, die zur Arbeit gehen und eben nicht Punkt zwölf Uhr vor der Kindergartentür stehen können. "Bei uns ist noch viel zu viel verkrustet und verschnürt." Doch mit alten Paketen sei noch nie die Zukunft gewonnen worden.

Schlusspunkt der Wahlkreiskonferenz war eine allgemeine Aussprache zur Tagespolitik. Dabei wurde von einer Seite kritisiert, dass man zwar in Frankreich und Holland über die europäische Verfassung habe abstimmen können, nicht aber in Deutschland. Der Standpunkt, dass man hierzulande noch nicht reif genug sei, stelle eine Zumutung dar. Übrigens, stellte ein Diskussionsteilnehmer fest: "Das mit der Türkei hat noch 200 Jahre Zeit."