Lokales

"Ritterschlag" für ein zehn Jahre altes Dorf

Gerade mal zehn Jahre alt und schon hoch dekoriert: Das Freilichtmuseum Beuren hat gestern im "Jubiläumsjahr" eine seltene Auszeichnung erhalten. Es darf sich jetzt mit dem Prädikat "Besondere Sehenswürdigkeit der Region Stuttgart" schmücken.

ANDREAS VOLZ

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BEUREN Museumsleiterin Steffi Cornelius und Landrat Heinz Eininger bekamen gestern eine Urkunde mit symbolischem Wert überreicht. Obwohl kein Geldpreis mit der Auszeichnung verbunden ist, profitiert das Museum in Trägerschaft des Landkreises Esslingen gleich in mehrfacher Hinsicht von dem Prädikat "Besondere Sehenswürdigkeit". Bis jetzt ist dieser "Ritterschlag" durch die Regio Stuttgart Marketing- und Tourismus GmbH noch eine exklusive Ehrung. Das Freilichtmuseum ist die vierte Einrichtung in der gesamten Region Stuttgart und die erste im Landkreis Esslingen, die damit für sich werben kann.

Klaus Lindemann, Geschäftsführer des offiziellen Tourismuspartners der Region Stuttgart, versicherte beim gestrigen Pressegespräch, dass die Auszeichnung als "Besondere Sehenswürdigkeit" auch künftig nicht inflationär vergeben werden soll. Das gehe schon deshalb nicht, weil eine ausgezeichnete Institution zuvor den Anforderungen eines "strengen, harten, detaillierten Kriterienkatalogs" gerecht werden muss. Lindemann nennt wichtige Schlagworte. Unverwechselbarkeit, Kundenfreundlichkeit, Entwicklungschancen, Kompetenz, die Art der Präsentation gehören dazu. Außerdem berücksichtige die zuständige Expertenkommission die Öffnungszeiten oder auch die Parkplatzsituation.

"Die hohen Ansprüche können die meisten gar nicht erfüllen", sagt Klaus Lindemann. "Hier in Beuren ist es aber optimal." Das Besondere an diesem Museum in einmaliger Landschaft sieht er darin, "dass es einen Prozess darstellt. Es ist ja nie fertig. Es lebt weiter und entwickelt sich weiter." Die Besucher könnten sich Zeit nehmen, die Seele baumeln und sich verwöhnen lassen von dem, was Steffi Cornelius und ihr Team über die dörfliche Lebenswelt vergangener Tage pädagogisch aufbereitet haben. Die Auszeichnung versteht Lindemann nicht nur als Dank für das Bisherige und Aktuelle, sondern vor allem auch als Anreiz weiterzumachen.

Die Regio Stuttgart Marketing- und Tourismus GmbH unterstützt das Museum künftig noch stärker auf dem Werbesektor. Klaus Lindemann: "Als herausragender Ort bekommt das Freilichtmuseum Beuren einen besonderen Platz in unserer gesamten Tourismuswerbung." Ein gemeinsames Ziel hat er auch schon ausgemacht, das ein wenig an die "Wir-packen-Schalke"-Kampagne des VfB Stuttgart erinnert: "Pro Jahr kommen 80 000 Besucher ins Freilichtmuseum. Ich halte es für möglich, dass daraus eine sechsstellige Zahl wird. Wenn wir die 100 000 erreicht haben, feiern wir hier ein großes Fest."

Bei allem Lob haben Lindemanns Experten aber auch einen Schwachpunkt ausgemacht im bisherigen Museumskonzept: die fehlende "Internationalität" in der Beschilderung, bei den Broschüren oder im Internet. Bei Museumsleiterin Steffi Cornelius rennt der Marketingfachmann damit offene Türen ein: "Wir arbeiten an einem neuen Wegweisersystem innerhalb des Museums, mit Texten auf deutsch, englisch und französisch." Außerdem gebe es Pläne, eine englische Version des Kurzführers durch das Museum herauszubringen. Dazu fehle es momentan aber noch an einem "Finanzierungspartner".

Für Landrat Heinz Eininger geht es bei aller Internationalität aber auch um die lokale Identität: "Wir haben in zehn Jahren fast jedes Jahr ein neues Gebäude in Betrieb genommen, verbunden mit speziellen Tagen für Leute, die aus dem jeweiligen Ort kommen." So habe unter anderem der "Kirchheimer Tag" zur Einweihung des Fotoateliers Hofmann vor zwei Jahren identitätsstiftend gewirkt. Für die kommenden Jahre kündigte Eininger an, die "Innenentwicklung" des Museums in den Mittelpunkt zu stellen. Die Beschilderung, den Medieneinsatz, die einzelnen Ausstellungsgegenstände oder die Ausstattung der Häuser nannte der Landrat als Möglichkeiten für wesentliche Veränderungen, ohne dass weiterhin jedes Jahr ein neues Gebäude aufgestellt wird.

Den Besuchern, die Klaus Lindemann künftig verstärkt ins Freilichtmuseum leiten will, dürften jedoch die vorhandenen Attraktionen bereits vollauf genügen, um einen Abstecher nach Beuren nicht bereuen zu müssen. Lindemann denkt dabei an die großen Sportereignisse der nächsten Jahre. 2007 stehen in Stuttgart gleich zwei Weltmeisterschaften an die Rad-WM und die Turn-WM. Für die Besucher habe die Region Stuttgart ein attraktives Rahmenprogramm zu bieten, mit dem Beurener Museum als einem "echten Juwel".

Auch die Fußball-WM 2006 soll Touristen aus aller Welt ins Museumsdorf am Fuß der Schwäbischen Alb locken. Steffi Cornelius kann sich sogar vorstellen, den Fußball in das Konzept ihrer Einrichtung einzubinden mit einem dörflichen Bolzplatz unterhalb der Pädagogikscheuer.