Lokales

Rolf Kammerlander stellte sich zur Diskussion

In der öffentlichen Bewerbervorstellung der Bürgermeisterkandidaten am vergangenen Freitag in der Reußensteinhalle stellte sich der bisherige Amtsinhaber und Wiederbewerber Rolf Kammerlander den gut hundert interessierten Besuchern zur Diskussion. Der einzige Mitbewerber, Werner Tereba, war nicht erschienen.

RENATE SCHATTEL

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Dass die rund 1 400 wahlberechtigten Bürgerinnen und Bürger trotz der sich jetzt schon anbahnenden Eindeutigkeit des Wahlergebnisses zahlreich von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen sollen, machten die moderierenden Gemeinderäte Gerhard Stolz und Petra Feller deutlich: "Es lohnt sich, zur Wahl zu gehen, denn die Wahlbeteiligung und das Ergebnis sind ein großer Gradmesser für den Rückhalt, den der Bürgermeister und damit die Gemeinde auch in Verhandlungen mit überregionalen Stellen hat." Rolf Kammerlander ließ in seiner Vorstellungsrede nochmals die acht Jahre seiner Dienstzeit als Bürgermeister im Neidlinger Rathaus Revue passieren und blickte auf die bewältigten zentralen Themen zurück, bevor er einen Ausblick auf die Ziele für die Zukunft gab.

Oberste Priorität hatte bei seinem Antritt 1998 die Sicherung der Trinkwasserversorgung, denn die zunehmend heißeren Sommer und lang anhaltenden Trockenperioden im Winter brachten die gemeindliche Eigenwasserversorgung an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit, die zudem von bakteriologischen Verunreinigungen bedroht wurde. Die Gemeinde wurde, so Kammerlander, an das leistungsfähige Versorgungsnetz des Zweckverbandes Landeswasserversorgung angeschlossen. Das Investitionsvolumen habe 1,76 Millionen Euro betragen, die Zuschüsse des Landes 857 000 Euro.

Kammerlander war zufrieden über den richtigen Zeitpunkt der Planung und Durchführung, denn die Zuschüsse des Landes wären schon ein Jahr später, nach Änderungen der Förderrichtlinien, deutlich geringer ausgefallen und heute sogar ganz weggefallen. Die alte Wasseranlage bleibe dennoch soweit erhalten beziehungsweise in Stand gesetzt, dass sie kurzfristig den Grundbedarf der Gemeinde aus eigenem Wasser decken kann.

Das Abwasser der Gemeinde fließt, so der Schultes, seit 2001 durch eine neue Leitung der Sammelkläranlage Weilheim zu, nachdem die gemeindeeigene Kläranlage aus Kostengründen nicht mehr modernisiert werden konnte. Auch für die stufenweise Beseitigung der relevanten Schäden am Kanalnetz habe er Zuschüsse in Höhe von 186 000 Euro vom Land erlangen können, auf die die Gemeinde in der heutigen Zeit keinen Anspruch mehr hätte.

Zu den wichtigsten Projekten gehörte für Rolf Kammerlander die Renovierung und der Umbau der Alten Schule an der Kirchstraße und die Sanierung der Verdolung des Reuterwiesenbächles unter der ehemaligen Mülldeponie. Auch hier konnte der Schultes zufrieden feststellen, dass er dem Land nicht nur 50, sondern sogar 85 Prozent Zuschüsse entlocken konnte und der Eigenanteil nur ein Fünftel der ursprünglichen Planungen betrug. Zuschüsse vom Land erwirkte der Bürgermeister auch für die Ortskernsanierung und die Sanierung des Rathauses, sodass nicht nur die Verschönerung von Fassaden, sondern eine nachhaltige Substanzverbesserung der Gebäude erzielt werden konnte.

In die achtjährige Amtszeit von Rolf Kammerlander fielen außerdem Erwerb, Umbau und Bezug des neuen Feuerwehrhauses und des neuen Bauhofes sowie die Sanierung des Sportgeländes Benzwang. Mit Eltern und Lehrern konnte auch eine Kernzeitbetreuung eingerichtet werden.

In seiner Vorstellungsrede warf Kammerlander einen Blick in die Zukunft und machte den Zuhörern deutlich, welche Aufgaben und Ziele vor der Gemeinde liegen. Ganz oben auf der Prioritätenliste steht beim zukünftigen Schultes die Erweiterung und Umgestaltung des Friedhofs. Nicht nur die Anlage zusätzlicher Grabfelder sei vonnöten, sondern auch Möglichkeiten zur Beisetzung von Urnen. Aber: "Nur eine Gemeinde, in der junge Familien und nachfolgende Generationen bleiben oder zuziehen können, wird auf Dauer ihre Einrichtungen wie Grundschule, Kindergarten oder auch ihre Vereinsvielfalt erhalten können", ist sich Kammerlander im Klaren. Nach zwei Jahrzehnten Pause solle nun mit der Erschließung eines größeren Wohngebietes der Abwanderung von ortsansässigen Bauwilligen begegnet werden.

Ebenso will sich Kammerlander um die Fortentwicklung des gewachsenen Ortskernes kümmern und hat die Aufnahme in das Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum beantragt. Ohne die Gemeindefinanzen zu belasten, könnten private Investoren dann für anerkannt wichtige Vorhaben eine staatliche Förderung erhalten. Beschäftigen wird den neuen Amtsinhaber auch die Renovierung, Sanierung und Instandsetzung gemeindeeigener Gebäude, Straßen, Wege und Bachuferbefestigungen.

Die zukünftige Betreuung von Kindern und alten Menschen wird für die Gemeinde immer wichtiger, ebenso wie der Erhalt der Kulturlandschaft. Dass er dennoch keine Wahlversprechen machen könne, wurde in den Worten deutlich: "Die Finanzausstattung der Kommunen ist leider zur Spielwiese von Bund und Ländern geworden."

In der Diskussion mit den Zuhörern wurden weitere Themen angerissen, wie der Erhalt der Läden in der Gemeinde, die Planung der Gemeinschaftssolaranlage oder die Steigerung des Fremdenverkehrs. Gemeinderätin Feller rief am Ende der Veranstaltung nochmals eindringlich dazu auf, in jedem Fall am Sonntag, 4. Dezember, zur Wahl aufs Rathaus zu gehen oder die Möglichkeit der Briefwahl zu nutzen.