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"Rolle rückwärts" wird es nicht geben

Die Haushaltsberatungen in Weilheim gestalten sich spannend wie seit Jahren nicht mehr: Dreh- und Angelpunkt ist die Hallensituation. Eine Reihe von Stadträten macht sich für einen schnellstmöglichen Neubau der Turnhalle an der Limburg-Grundschule stark. Die Verwaltungsspitze sieht indes keine Alternative zum vorrangigen Bau einer großen Ballspielhalle.

ANKE KIRSAMMER

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WEILHEIM "Für zwei Millionen Euro bekommen wir am Stadion eine große Halle mit drei zusätzlichen Einheiten. Für das gleiche Geld könnten wir an der Limburg-Grundschule nur die bislang bestehende Einheit durch eine etwas größere ersetzen", sagte Weilheims Bürgermeister Hermann Bauer in einem Pressegespräch. Der Grund: Für die große Ballspielhalle werden unter anderem Zuschüsse von bis zu 730 000 Euro erwartet. Die Halle an der Limburg-Grundschule müsste die Stadt dagegen momentan komplett selbst bezahlen.

Bereits bei der Einbringung des Haushaltsplanentwurfs im Dezember hatte die Verwaltung die Prioritäten klar gesetzt: In diesem Jahr sind eine erste Planungsrate für die Halle am Stadion sowie der Grunderwerb für einen Allwetterplatz dahinter enthalten. Für die Erneuerung der Halle an der Limburg-Grundschule sieht der mittelfristige Finanzplan die erste Rate im Jahr 2010 vor. Eine Reihenfolge, die, wie in der Haushaltsdebatte im Januar offenkundig wurde, den Vertretern der Unabhängigen Wählervereinigung (UWV) sowie SPD-Mann Peter Werner missfällt. Pflichtaufgabe der Stadt sei, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass den Schülern der vorgeschriebene Unterricht erteilt werden könne. Genau das gewährleiste die rund 50 Jahre alte Halle an der Limburg-Grundschule nicht mehr. Die Stadträte, die laut Albrecht Narr an ihrem Antrag festhalten wollen, berufen sich dabei auf ein von Architekt Karl-Heinz Single im September 2007 erstelltes Gutachten zum Zustand des Gebäudes. Unter anderem wird darin bemängelt, die Halle sei nicht barrierefrei, die Elektrotechnik erfülle heutige sicherheitstechnische Anforderungen nicht und verschiedene Bauteile entsprächen nicht mehr den Unfallverhütungsvorschriften. Abschließend heißt es in dem Bericht, die Sporthalle könnte für eine gewisse Zeit ohne größere Unterhaltsinvestitionen noch genutzt und "mit etwas Glück eine weitere Betriebszeit von fünf Jahren überstanden werden". Während die UWV ein großes Fragezeichen hinter die weitere Verfügbarkeit der Halle setzt, gibt sich Bürgermeister Bauer optimistisch: "Die Halle ist noch gut fünf bis sieben Jahre nutzbar." Geplant sind vorerst Malerarbeiten in der Umkleidekabine sowie eine neue Versiegelung des Hallenbodens. Der Schultes verwies zudem auf die Entwicklung der Limburg-Grundschule: Im Sommer stehe ein Schulleiterwechsel bevor. Sollte der "Neue" an einem Ganztagsbetrieb interessiert sein, müsse auch an den Bau einer Mensa gedacht werden. "Das könnten wir dann in einem Gebäudekomplex mit der Sporthalle anpacken und würden Zuschüsse dafür bekommen", so der Rathauschef.

Das Argument der Gegenseite, eine Ballspielhalle am Stadion würde den Schulen in der Stadt nicht viel nützen, lässt Bauer nicht gelten: "Die Halle ist Voraussetzung für den geplanten Ganztagsbetrieb an der Hauptschule und den Einstieg an der Realschule." Nachmittags hält er einen Unterrichtsbeginn am Stadion für durchaus zumutbar. Zudem böte die Schaffung größerer Kapazitäten den Schülern der Limburg-Grundschule die Chance, während des späteren Baus ihrer Halle in die Wühle auszuweichen. Zum Schwimmunterricht im Lehrschwimmbecken in der Limburghalle müssten die Kinder bereits jetzt eine ähnlich weite Strecke zurücklegen.

Für die große Ballspielhalle sind derzeit im Übrigen zwei Alternativen im Gespräch: eine 27 auf 45 Meter große Halle mit drei Einheiten für 3,5 Millionen Euro. Davon müsste die Stadt 2,3 Millionen Euro aufbringen. Die zweite Variante ist eine 22 auf 44 Meter große Halle, die sich in zwei Einheiten teilen lässt. Die Gesamtkosten dafür beliefen sich auf rund 2,5 Millionen Euro, von denen die Stadt rund 1,5 Millionen Euro schultern müsste.

Das Projekt "Sporthalle" beschäftigt die Stadt bereits seit 1986. Lange Jahre befasste sich das Ratsgremium mit der Suche nach dem geeigneten Standort, der schließlich am Stadion unweit der übrigen Sportstätten gefunden wurde. Die Realisierung des Projekts scheiterte immer wieder am Geld beziehungsweise an der Verschiebung der Prioritäten. Derzeit verfügt die Stadt mit der 1973 gebauten und 1998 erweiterten Wühlehalle über ein Hallenhandballfeld. Moniert wird jedoch immer wieder das Fehlen einer Zuschauertribüne.

Im nichtöffentlichen Teil der Verwaltungs- und Bauausschusssitzung am kommenden Dienstag wird sich das Ratsgremium erneut mit der Sporthallendiskussion befassen. Eine abschließende Entscheidung fällt der Gemeinderat in seinen öffentlichen Beratungen eine Woche später.