Lokales

Roma und Ashkali sorgen sich um die Zukunft

Seit die Innenministerkonferenz vor wenigen Wochen entschieden hat, dass Angehörige ethnischer Minderheiten aus dem Kosovo kein Bleiberecht in der Bundesrepublik erhalten, sind auch in Kirchheim einige Familien in großer Sorge, wie ihre Zukunft aussieht. Die Mitglieder des Kirchheimer Arbeitskreises Asyl teilen diese Sorge und kritisieren die restriktive Haltung der Politiker.

KIRCHHEIM Auf Einladung des Arbeitskreises berichtete Nicolaus von Holtey, Mitarbeiter von Pax Christi, im Café "Eckpunkt" von seinen Erfahrungen und seiner Einschätzung der Lage im Kosovo. Von Holtey hält sich regelmäßig für längere Zeit im Kosovo auf und hat dort enge Kontakte zu Angehörigen der Roma und Ashkali. So konnten die zahlreichen Zuhörer, darunter auch viele der in Kirchheim lebenden Flüchtlinge, aus erster Hand die aktuellen Entwicklungen erfahren.

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Seit den Pogromen im Kosovo im März 2004, bei denen viele Menschen starben und Tausende fliehen mussten, sei es zwar zu keinen Menschenrechtsverletzungen in größerem Umfang mehr gekommen, so von Holtey, doch würden Roma und Ashkali im täglichen Leben bedroht und diskriminiert. Um die Chancen auf die angestrebte Unabhängigkeit zu erhöhen, übten die politische Führung und die "Unmik" Druck auf die albanische Mehrheit aus, um Gewalttaten zu vermeiden. Käme es doch zu Zwischenfällen, würden diese von den Betroffenen aus Angst vor weiteren Repressalien nur selten angezeigt. So entstünde der Eindruck, die Lage sei stabil.

Von Holtey warnte jedoch ausdrücklich vor einer Rückführung der Roma und Ashkali. Die Häuser der Betroffenen seien vielerorts geplündert worden und abgebrannt. Weil Roma und Ashkali in der albanischen Gesellschaft nicht anerkannt seien, bekämen sie kaum Arbeitsplätze. In der Stadt Kosovo Polje hätten von 4 400 Ashkali nur vier einen festen Arbeitsplatz. Von Holtey berichtete, dass nahe Mitrovica vertriebene Ashkali in einem Lager auf dem bleiverseuchten Gelände einer ehemaligen Mine lebten. Obwohl die akute Gesundheitsgefährdung der Bewohner bekannt sei und von amnesty international angeprangert würde, hätten die Behörden bisher nichts unternommen.

Nach Angaben der "Unmik" sei die Abwanderung der Minderheiten aus dem Kosovo im Augenblick größer als die Rückwanderung. Besorgniserregend sei auch die Lage der Binnenflüchtlinge in Serbien und Montenegro. Seit dem Kosovokrieg 1999 lebten dort 200 000 mehrheitlich serbische Flüchtlinge. Rund um Belgrad gebe es über 200 illegale Slums, in denen sich Roma aus dem Kosovo ansiedelten.

Noch im März dieses Jahres hatte der UNHCR die Sicherheitslage im Kosovo als "zerbrechlich und unberechenbar" eingeschätzt. Außerdem beschloss vor wenigen Wochen der Bundestag eine Verlängerung des Kosovo-Einsatzes deutscher Soldaten, weil die militärische Absicherung des "fragilen Zustandes im UN-Protektorat" auch auf lange Sicht noch für notwendig gehalten wurde.

Etwa 38 000 Minderheitenangehörige aus dem Kosovo leben noch in Deutschland, die meisten von ihnen seit zehn und mehr Jahren. Ein dauerhafter Schutz wurde ihnen jedoch immer verweigert; sie blieben all die Jahre nur "geduldet". Viele sind hier trotzdem gut integriert, die Kinder wurden hier geboren, und längst ist Deutschland ihre Heimat geworden. Die Mitglieder des Kirchheimer Arbeitskreises Asyl appellieren an die verantwortlichen Politiker, eine so genannte "Altfallregelung" für diese Familien zu treffen, um ihnen eine sichere Perspektive zu geben.

rh