Lokales

Rotary kämpft für die Ausrottung der Kinderlähmung

Fast wäre den 1,2 Millionen Rotariern in aller Welt zum morgen zu feiernden 100. Geburtstag ihrer Service-Organisation Rotary International ein weltweit besonderer Coup gelungen: nach 20 Jahren ihres Programmes "Polio-Plus" die endgültige Ausrottung der Kinderlähmung.

Seit 20 Jahren ist Polio-Plus das Schwerpunkt-Projekt von Rotary International. Der für 2005 angekündigte Erfolg, die endgültige weltweite Ausrottung der Kinderlähmung, ist greifbar nahe, auch wenn immer wieder in einzelnen Regionen aufflackernde Epidemien das offizielle Ende noch verzögern. Dass sich kein exakter Schlusstermin nennen lässt, liegt an der Schwierigkeit, tatsächlich weltweit alle Kinder mit Schluckimpfungen zu erreichen. Zwar ist der Impfstoff preiswert, ist die Immunisierung der Kinder in großen Teilen der Welt nur ein logistisches Problem doch was in Nord- und Südamerika, Europa und Australien gilt, die alle bereits seit längerem offiziell Polio-frei sind, ist auf Afrika und Asien nicht zu übertragen.

In sechs Länder grassieren nach wie vor Polio-Viren: Nigeria, Niger, Ägypten, Indien, Pakistan und Afghanistan. Hier sind die Bedingungen für die Impfteams schwierig: In abgelegenen Regionen oder unübersichtlichen sozialen Verhältnissen alle Kinder zu erreichen, ist nur mit großem Aufwand möglich. Ganz zu schweigen von ideologischen Hindernissen, etwa Vorurteilen gegen die Impfteams "aus dem Westen", die zum Beispiel in islamischen Teilen Nigerias manche Eltern davon abhielten, mit ihren Kindern zu den Impfstationen zu kommen.

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Der Beginn der Kampagne reicht zurück bis in die späten 70er-Jahre: 1979 beschloss Rotary eine erste flächendeckende Impfkampagne auf den Philippinen, mit der sechs Millionen Kinder gegen Kinderlähmung erfolgreich geimpft wurden. Möglich machte dies eine seither konsequent verfolgte Doppelstrategie: zum einen Geldspenden einzuwerben für den Impfstoff, zum anderen Tausende von Freiwilligen zu mobilisieren, die die Kühlkette für das Serum auch in entlegene Gebiete sicherstellen. Dabei kam Rotary sein weltweites Netzwerk von 32 000 Clubs in 166 Ländern zugute, das Gewähr bietet für eine verlässliche Zusammenarbeit über politische und kulturelle Grenzen. Der Erfolg war für Fachleute so beeindruckend, dass sich die Weltgesundheitsorganisation WHO und andere Organisationen der Rotary-Kampagne anschlossen. Seit 1988 führen Rotary, WHO, UN-Kinderhilfswerk UNICEF und die US-Gesundheitsbehörde CDC den Kampf gemeinsam und erfolgreich: Wurden 1988 noch 350 000 Neufälle in 125 Ländern gezählt, so waren es 2001 noch 480 Fälle in zehn Ländern. Der Rückgang der Polio-Infektionen betrug 99 Prozent.

Das verbleibende letzte Prozent könnte aber das schwerste sein, nicht nur wegen der schwierigen Verhältnisse in den Polio-endemischen Ländern. Nein: Auch unser Verhalten hier zu Lande hat Einfluss auf den Erfolg von Polio-Plus.

So lange immer wieder neue Polio-Fälle auftreten, können sich auch in Polio-freien Regionen der Welt nur die vor Infektion sicher fühlen, die ausreichenden Impfschutz haben. Wir leben in Zeiten unbegrenzter Reisemöglichkeiten, sodass durch Impfmüdigkeit auch das eigentlich sichere Europa wieder zum Nährboden für eingeführte Viren werden kann.

Wenn alles planmäßig läuft, hofft man, in diesem Jahr die letzten Polio-Neuinfektionen zu registrieren, sodass die dreijährige Zertifizierungsfrist beginnen kann. Dann wäre die Welt tatsächlich von einer der gefährlichsten Infektionskrankheiten befreit. Ein Sieg für die Menschheit, der sich auch wirtschaftlich rechnet: Den von Rotary International in die Kampagne investierten 600 Millionen US-Dollar werden Einsparungen durch nicht mehr notwendige Rehabilitationsmaßnahmen für Polio-Patienten gegenüberstehen, die um vieles höher liegen.