Lokales

Rote Rosen sind Kavalieren lieb und teuer

Rote Rosen gelten als Zeichen der Liebe. Kein Wunder also, dass sich die Blumengeschäfte rund um die Teck mit besonders vielen Exemplaren der dornigen Schönheiten eingedeckt haben: Heute ist Valentinstag, der Tag der Liebenden und damit gleichzeitig auch Tag der Blumen.

BIANCA LÜTZ

Anzeige

KIRCHHEIM Die Blumengeschäfte rund um die Teck haben sich gewappnet: Zum Valentinstag haben sie ihre Schaufenster mit großen roten Herzen dekoriert, neben der Kasse liegen Süßigkeiten oder kleine Karten für Liebesgrüße bereit und in den Vasen stehen dicke Sträuße mit roten Rosen. Alles deutet darauf hin: Am Valentinstag stehen Blumen nach wie vor hoch im Kurs.

"Wir haben heute das Dreifache an Blumen vorrätig wie üblich", sagt Sabine Reinke, Inhaberin eines Kirchheimer Blumengeschäfts. Ein Kollege aus Dettingen hat sogar das zehnfache der üblichen Menge an roten Rosen eingekauft. "Natürlich verkaufen wir am Valentinstag einiges mehr an Blumen als sonst", geht auch David Gerber davon aus, dass in seinem Kirchheimer Blumenladen heute Hochbetrieb herrscht.

Aber nicht nur die Anzahl der Sträuße und dekorativen Töpfchen, die am 14. Februar über die Theken gehen, fallen aus der Reihe, auch die Art der Kundschaft unterscheidet sich von der an Durchschnittstagen. Kommen sonst vor allem Frauen in die Geschäfte, stürmen am Valentinstag vorrangig junge Männer die Blumenläden und die meisten der verliebten Kavaliere haben den Blumenverkäufern zufolge den gleichen Wunsch: rote Rosen.

So gut sich Rosen auch als Symbol der Liebe machen die Floristen ordern und verkaufen die dornigen Schönheiten heute mit gemischten Gefühlen. "Valentinstag ist leider im Februar und nicht im Mai. Das heißt, Rosen sind regional nicht erhältlich", bedauert David Gerber, dass er seine Blumen aus Kenia oder Equador beziehen muss. Dazu kommt, dass der Brauch am 14. Februar keineswegs nur in Deutschland gefeiert wird, sondern eine weltweite Erscheinung ist was sich nicht nur in einem internationalen Publikum in den örtlichen Läden niederschlägt, sondern auch in den Preisen. "Das ist fast wie an der Börse", beschreibt Andrea Beisswenger, die in Ötlingen einen Blumenladen führt: "Aufgrund der großen internationalen Nachfrage verdoppeln sich an diesem Tag die Preise für Rosen."

Darum appellieren die Blumenhändler, sich nicht an roten Rosen festzubeißen, sondern der oder dem Liebsten auch mal einen schönen Strauß mit Frühlingsblumen zu schenken. "Ich persönlich lege keinen großen Wert auf rote Rosen", gesteht Andrea Beisswenger. Um diese Jahreszeit zieht die Floristin Ranunkeln, Fresien oder Primeln vor. Auch David Gerber empfiehlt seinen Kunden, der Jahreszeit angemessene Sträuße zu kaufen: "Es gibt zum Beispiel schon schöne Tulpen aus Kirchheim." Während sich ältere Kunden auf die Frühlingsträuße einlassen, bestehen die meisten jungen Männer aber auf rote Rosen.

Für den Run auf jegliche Art von Blumen sind die Läden rund um Kirchheim, Weilheim und im Lenninger Tal bestens gewappnet: "Wir haben Töpfe und Gebinde sowie Einzelrosen vorbereitet", berichtet Monika Woithe, Inhaberin eines Blumenladens in Weilheim. Vorbereitung ist am Valentinstag Trumpf, denn es gilt Warteschlangen zu vermeiden: "Bei den Männern muss es einfach schnell gehen", weiß sie.

Das Geschäft mit den Blumen kurbelt der Valentinstag in der kalten Jahreszeit jedenfalls an sehr zur Freude der Blumenhändler. "Blumen sind Luxus und die Leute sparen überall", weiß Sabine Reinke. Von der schwächelnden Konjunktur und der Konkurrenz aus Discountern wollen sich die Floristen jedoch nicht unterkriegen lassen. "Unsere Chance liegt im Service und in der Qualität", weiß Reinke, die auf ihre Blumen 100 Stunden "Garantie" gewährt. Ihre Kollegin aus Ötlingen pflichtet ihr bei: "Wer Wert auf einen schönen und floristisch hochwertigen Strauß legt, der kauft auch im Blumenfachhandel", sieht Andrea Beisswenger die Zukunft ihrer Zunft positiv.

Zwar hat der Valentinstag seit über 50 Jahren kommerzielle Hintergründe, eine bloße Erfindung der Wirtschaft ist er jedoch nicht. Um den Ursprung der Gepflogenheit ranken sich zahlreiche Sagen und Geschichten. Christen feiern den Tag des heiligen Valentin schon seit dem vierten Jahrhundert. Es heißt, dass Valentin Bischof von Terni war und gegen das Verbot von Kaiser Claudius Goticus junge Soldaten christlich getraut habe. Dafür wurde er an einem 14. Februar hingerichtet. Darüber hinaus soll Valentin Liebespaare mit Blumen aus seinem Garten beschenkt haben. Einer anderen Überlieferung nach reicht der Brauch des Blumenschenkens bis in die Antike zurück: Am 14. Februar gedachten die Römer der Göttin Juno Schützerin von Ehe und Familie , indem sie ihre Frauen mit Sträußen verwöhnten.

Diese Geschichten jedoch interessieren die wenigsten Rosenkavaliere, die in den Blumengeschäften rund um die Teck einen Strauß für ihre Liebste kaufen: "Nach dem Ursprung fragen die Leute eigentlich nie", ist Andrea Beisswengers Erfahrung.