Lokales

Rotierende Laser, freier Fall, Loopings und andere Mutproben

KIRCHHEIM Ein Meer weißer Schildmützen, im Hintergrund Silhouetten von Schlössern, Loopings, riesenhaften Kugeln und Türmen das alles versprach eine Menge Adrenalin. Aus dem ganzen Land kamen

Anzeige

ALEXANDRA BOGER

benachteiligte Kinder aus Heimen und Tagesstätten auf Einladung des Europa-Parks nach Rust mit Bussen und Fahrern, die die lokalen Busunternehmen für diesen Tag bereitgestellt hatten.

Mit von der Partie waren auch 25 Kinder der Kirchheimer Paulinenpflege, die mit einem Bus des Unternehmens Omnibusverkehr-König unterwegs waren. Für die Verpflegung der Kirchheimer Kinder sorgten die Mitarbeiter des Teckboten-Vertriebes. Das Weilheimer Unternehmen Omnibus-Fischer brachte Kinder des Kinderheims Berghaus Sankt Michael in Oberböhringen und aus dem Rupert-Mayer-Haus in Göppingen zu den Pforten des Erlebnisparks.

Zunächst bekamen die Paulinenpflege-Kinder im Bus weiße Schildmützen als Erkennungszeichen. An einer Raststätte stieg eine junge Auszubildende aus dem Bereich "Reiseleitung/Animation" zu, die gegen Ende der Busfahrt schon Probleme hatte, mit den vorbereiteten Spielen gegen die Vorfreude der Kinder anzukommen. Schließlich versammelten sich Kinder aus ganz Baden-Württemberg im "Dome", der Empfangshalle, wo sie unter anderem vom Inhaber des Parks, Roland Mack, begrüßt wurden.

Mit der Vorfreude auf haarsträubende Attraktionen und schwerelose Wolkenritte ging's dann ins Erlebnisland. In Kleingruppen strömten 1 500 weißbekappte Kinder in die Welt des Miniaturkontinents.

Die Europareise begann für Gruppenleiter Wolfgang Buckenhofer und die Jungs seiner Tagesgruppe mit einem Boxenstopp nach den ersten 100 Metern, was bei so viel Gratis-Apfelschorle auch kein Wunder war. Im Concord-Tempo ging es dann durch "Deutschland", "Italien" und "Frankreich" in die "Schweiz", wo das erste magenbetörende Schienengefährt mit dem verheißungsvollen Namen "Matterhornblitz" wartete.

Um sich auf die angegebene Wartezeit von 30 Minuten einzustimmen, wichen die Abenteurer erst mal auf das Flugzeugkarussell aus, ehe sich das Warten auf den Ritt im Baumstamm doch lohnte. Als Beweis für die erste mutige Tat standen auf dem Monitor am Ausgang schon die Bilder der hochroten Köpfe aus dem Baumstamm lugend bereit.

Die angenehmen Spätsommertage hatten einige Besucher genutzt, und so entwickelten die Zehn- bis Zwölfjährigen eine Strategie, weniger frequentierte Attraktionen auf dem Weg einfach auszuprobieren: Schließlich kann man ja nie wissen, welcher Dino hinter der nächsten Ecke wartet und möglicherweise genau so aufregend ist wie die schwindelerregenden Höhen des Euro-Tower.

Auch die kurze Warteschlange bei Batavias Piraten lud in eine Welt voller bunter Lichter, fremdartiger Gerüche und wasserspritzender Piraten ein. Am Ausgang warteten die "Koffiekopjes", überdimensionale Tassen, die sich auf einer Scheibe drehen, auf die Kirchheimer Buben. Noch während der Suche nach dem Eingang für die großen Autos auf Schienen "Die kleinen sind doch für die Kinder" kreuzte die Parade mit Euro-Maus, Prinzessinnen in riesigen Reifröcken und Bobbies auf riesigen Stelzen den Weg.

Demokratisch ging es zu bei der Wahl der besonderen Abenteuer, die die fünf Jungs zielgerichtet ansteuerten. Als Anlaufstelle wählten sie "Russland" und seine Euro-Mir sowie "Frankreich", das den Silver Star und den Euro-Sat zu biete hatte, wobei der bekannte Riesen-silber-Ball als Riesen-WM-Fußball getarnt war.

Für so manchen Geografen ist allein der Gang durch das Mini-Europa ein Erlebnis, wenn er im "Dreiländereck" von "Holland", "Russland" und "England" einem bisher unbekannten und in keinem Atlas verzeichneten Zwergstaat begegnet, dem Chocoland. Auch dem Physiker wird klar, dass hier die Gesetze von Schwerkraft, Zeit und Raum keine Bedeutung haben, wenn sich Gravitation und freier Fall im Sekundenrhythmus abwechseln. Hier ist es möglich, dass Professor Zweistein den Besucher durch rotierende Laser mit in die Zukunft nimmt. Theologen könnten das Land der Milch und des Honigs vermuten, wo Berge von Schokolade wie im Schlaraffenland auf einen warten, in dem so mancher Verzehrgutschein der Kinder gegen die lila Schokolust keine Chance mehr hatte.

Und auch der Pädagoge ist vor Überraschungen nicht sicher, wenn er von einem Tag im "Erlebnispark" lediglich Erlebnisse wie verlorene Kinder, Streitereien oder bestenfalls erschöpfte Kinder am Abend erwartet. So manches kann auf keiner Schulbank gelernt werden: So beispielsweise, dass es mutiger sein kann statt dem Hoch und Runter, den Loopings und dem umgedrehten Magen das Lachen und die Sticheleien der anderen auf sich zu nehmen. Es kann aber auch heißen, dass man sich doch in den Euro-Sat traut, wenn der beste Freund dabei ist und in der Hoffnung, dass die Tabletten gegen Reiseübelkeit noch wirken.

So bestand der Tag für die Europareisenden aus Überwindungen der Schwerkraft, der Höhen und Tiefen in Horizontale und Vertikale, aus Überwindungen von Räumen und Grenzen Ländergrenzen und der eigenen und Überwindung der Zeit, die die Paulinenpflegler jetzt wieder einholte.

Die letzte Warteschlange wurde kürzer, die letzten Gutscheine wurden noch eingelöst und die Jungs nahmen noch so viele letzte Eindrücke mit wie möglich, in der Hoffnung auf nächstes Jahr auf Bus, Reisen und Erlebnisse.