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RP schlägt Bau von Mauern vor

Die Vorstellung, der Neckar könnte durch die Olgastraße fließen, löste bei den Deizisauer Gemeinderäten leichtes Unbehagen aus. Deswegen ist der Rat prinzipiell bereit, sich am Hochwasserschutz mit den Nachbargemeinden zu beteiligen. Für die Kosten von 1,8 Millionen Euro will man aber nicht allein zur Kasse gebeten werden.

ROLAND KURZ

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DEIZISAU In einer Machbarkeitsstudie hat das Regierungspräsidium (RP) Stuttgart die Gefahren am Neckar zwischen Deizisau und Stuttgart analysiert und Vorsorgemaßnahmen vorgeschlagen. Deizisau ist auf drei Kilometern betroffen, und zwar auf beiden Seiten, da die Gemarkungsgrenze mehrfach den Fluss wechselt. Angesichts der enormen Schadenspotenziale in den Industrie- und Siedlungsgebieten schlägt das Regierungspräsidium vor, sich sogar gegen ein 200-jährliches Hochwasser zu wappnen. Die Kosten werden auf elf Millionen Euro geschätzt.

"Die Klimaveränderung hat offensichtlich auch Auswirkungen auf den Neckar", fasste Bürgermeister Gerhard Schmid seinen Eindruck von der Studie zusammen. Fünf neuralgische Punkte haben die Fachleute auf Deizisauer Gemarkung ausgemacht. Oberhalb und unterhalb der Unterführung der B 10 reiche die Dammhöhe nicht aus, erläuterte Ortsbaumeister Wolfgang Sulzmann. Die Experten schlagen Schutzmauern entlang der B 10 vor, eine 400 Meter, die andere 500 Meter lang. Auch die Unterführung selbst gilt als Schwachpunkt. Sie sollte einen drei Meter hohen Verschluss erhalten.

Richtig gefährlich kann der Neckar werden, wenn bei einem Hochwasser das Deizisauer Wehr verstopft und ausfällt. Die Abflussleistung sinkt dann auf 750 Kubikmeter pro Sekunde. Das 100-jährliche Hochwasser bringt 1150 Kubikmeter, das 200-jährliche gut 1300 Kubikmeter Wasser.

Der Schutz vor einem ausfallenden Wehr könne doch nicht von Deizisau getragen werden, schüttelte Hartmut Fischer (FWG) den Kopf. Das sei Aufgabe der Allgemeinheit, meinte auch sein Fraktionskollege Klaus Binder, man könne nicht nur die Neckaranlieger belasten.

Bürgermeister Schmid versicherte, dass zunächst die Kostenfrage geklärt werde. Er sieht den Bund mit im Boot, schließlich handele es sich um eine Bundeswasserstraße. Außerdem sei klar, dass man die Aufgabe im "Schulterschluss" mit allen Kommunen bis Stuttgart angehe. Seltsamerweise wurde aber der Nachbar Plochingen in der Studie bislang nicht berücksichtigt. Dies soll 2008 nachgeholt werden.