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Rufbereitschaft: "Wichtig ist, dass man weiß, wo das Telefon steht"

Seit Jahren und Jahrzehnten dient das Dettinger Hallenbad unter anderem für den Schwimmunterricht der Schulen. Seit Kurzem heißt das Bad "aquafit" und wird von dem privaten Betreiber Michael Langelage geleitet. Dieser möchte das Schulschwimmen nun erstmals auf feste vertragliche Grundlagen stellen.

ANDREAS VOLZ

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DETTINGEN Zu den Kommunen, die ihre Schüler von auswärts zum Schwimmunterricht nach Dettingen schicken, gehören Owen, Lenningen, Bissingen und Notzingen. Den dortigen Rathäusern ist zum Jahreswechsel ein Nutzungsvertrag ins Haus geflattert, der mit einigen Textpassagen für Irritationen gesorgt hat, sowohl innerhalb der Verwaltungen als auch an Schulen. So diskutierte denn auch der Owener Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung über die Fragen, ob alle Schülerinnen und Schüler wirklich das Schwimmabzeichen "Seepferdchen" besitzen müssen, bevor sie zur ersten Schulsportschwimmstunde antreten können, ob die vorgegebene Zeit von 60 Minuten ausreicht, wenn sich die Kinder innerhalb dieser Zeit auch noch umziehen, duschen und fönen müssen, und wie verlässlich vereinbarte Zeiten künftig noch sein werden.

Das Vertragswerk hätte in der ursprünglichen Fassung und bei strenger Auslegung in der Tat zu allerlei Befürchtungen Anlass geben können. Nachfragen des Teckboten beim Badbetreiber sowie im Dettinger Rathaus haben nun jedoch ergeben, dass der Vertrag durchaus noch redaktionelle Änderungen erhalten kann, bevor ihn die jeweiligen Bürgermeister als Vertreter der betroffenen Kommunen unterzeichnen. Auch beim Schulschwimmen im Dettinger Hallenbad gilt also das Sprichwort, dass nichts so heiß gegessen wird, wie es gekocht wird.

Hintergrund des Vertrags war es, die Nutzungsbedingungen schriftlich festzuhalten. Für Badbetreiber Michael Langelage ging es dabei in erster Linie um den Sicherheitsaspekt, wie er selbst sagt: "Das ,Seepferdchen' war von meiner Seite aus nur als zusätzliche Sicherheit gedacht." Das Argument, dass etliche Schülerinnen und Schüler im Schulunterricht überhaupt erst das Schwimmen lernen, ist aber stichhaltig genug, sodass Michael Langelage den "Seepferdchen"-Absatz bereits wieder gestrichen hat.

Auch was die 60 Minuten Aufenthaltszeit betrifft, konnte der ausgebildete Meister für Bäderbetriebe Entwarnung geben. "Ich rechne einfach nach Zeitstunden und nicht nach Schulstunden. Aber deshalb wird es nicht auf fünf Minuten ankommen, und am Preis ändert sich dadurch auch nichts", versicherte er am Telefon. Der Vertrag räumt dem Betreiber außerdem die Möglichkeit ein, unter Wahrung einer Frist von einem Monat die Benutzungszeiten zu ändern. Die Schulen sollen sich aber dennoch auf die vereinbarten Zeiten verlassen können, das ist auch in Michael Langelages Interesse. Für ihn handelt es sich bei diesem Absatz schlichtweg um juristische Details eines Standardvertrags, der sich in Ostfildern bereits in der Praxis bewährt habe, ohne dass dabei gravierende Probleme entstanden seien: "Es gibt auch andere Bäder, die mit solchen Verträgen arbeiten.

Das ist eigentlich nichts Neues."

Die einzige Neuerung, die auf die Schulen zukommt, besteht darin, dass künftig kein Bademeister mehr anwesend ist, solange der Schulsport stattfindet. Diesen Punkt hatten allerdings sowohl der Betreiber als auch die Gemeinde Dettingen von Anfang an so dargestellt. Schließlich geht es darum, Geld einzusparen und dadurch den Zuschuss der Gemeinde für das Bad zu reduzieren. "Wenn man nichts ändert, wird auch die Wirtschaftlichkeit nicht besser", erklärt Dettingens Bürgermeister Rainer Haußmann, wobei er betont, dass die Gemeinde auch ohne privaten Betreiber denselben Weg eingeschlagen hätte: "Der Einspareffekt ergibt sich daraus, dass man die doppelte Aufsicht abschafft." Beim Unterricht, der künftig nicht mehr parallel zum öffentlichen Badebetrieb abläuft, werden die Schüler ja ohnehin von ihren Lehrern betreut.

Im Nutzungsvertrag verlange der Betreiber von den Sportlehrern nichts, was sie nicht ohnehin als Voraussetzung mitbringen müssten, um von der Schulbehörde aus überhaupt Schwimmunterricht erteilen zu dürfen. Außerdem sei während des Unterrichts im Hallenbad ständig ein Bademeister in Rufbereitschaft, sodass im Notfall immer jemand zur Stelle sei, versicherte Dettingens Bürgermeister. "Wichtig ist, dass man weiß, wo das Telefon steht, und dass jeder Aufsichtsführende vorher genau eingewiesen wird."

Auch einen letzten strittigen Punkt konnte Michael Langelage noch ausräumen: Im Vertrag war zunächst die "Mindestteilnehmerzahl" mit 20 Personen je Übungsstunde und Übungsleiter festgelegt worden. Dabei handelte es sich allerdings um ein Versehen. Gemeint war, dass ein Übungsleiter für maximal 20 Personen zuständig sein darf. Und damit wiederum ist der Vertrag großzügiger als etwa die Regelung, von der Christa Eckel, Schulleiterin der Owener Sibylle-von-der-Teck-Schule, berichtet: "Egal wie groß die Gruppe ist, es sind immer zwei Kolleginnen dabei, und pro Kollegin dürfen es höchstens 15 Kinder sein."

Alles in allem gibt es also berechtigten Anlass zu der Hoffnung, dass der Schwimmunterricht im Dettinger Hallenbad in etwa so weitergehen kann wie bisher und dass alle Beteiligten ähnlich zufrieden sind wie Michael Langelage mit der bisherigen Akzeptanz der neuen Öffnungszeiten: "Als einprägsame Blockzeiten haben wir dienstags bis freitags immer von 14 bis 18 Uhr Familienbad und von 20 bis 22 Uhr Abendschwimmen. Man kann zwar noch keine richtige Aussage treffen, aber für die ersten paar Wochen bin ich hochzufrieden mit dem Besuch."