Lokales

Ruhelose Räte zwischen Reiz und Risiko

Dass der Erfolg viele Väter hat, ist bekannt. Wäre er garantiert Kirchheims Stadträte hätten mehrheitlich nichts lieber getan, als den Versuchsballon Einbahnverkehr am Alleenring auf der Stelle steigen zu lassen. Doch für die Furcht, zum Prügelknaben zu werden, gibt es ebenfalls gute Argumente. Deswegen soll der politischen Entscheidung nun doch wieder ein Gutachten vorausgehen.

IRENE STRIFLER

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KIRCHHEIM "Die Idee eines Einbahnverkehrs am Alleenring hat eine gewisse Geschichte in Kirchheim", brachte Bürgermeister Günter Riemer das Thema im Technischen Ausschuss zur Sprache. Dank erst wenige Monate zurückliegendem Amtsantritt völlig unvorbelastet in dieser Sache, sprach er einerseits von "Reiz" und andererseits von "Risiko". Kein Zweifel: Ein Beschluss des Gemeinderates zu Gunsten des Einbahnverkehrs würde "jahrhundertelangen Verkehrsgepflogenheiten" in Kirchheim ein Ende setzen und was in Zeiten knapper Kassen höher einzuschätzen ist bauliche Veränderungen nach sich ziehen.

Etliche Knackpunkte der möglichen neuen Verkehrsführung auf dem Alleenring einspurig entgegen dem Uhrzeigersinn hat die Verwaltung bereits ausgearbeitet. So müssen Querungsmöglichkeiten für Fußgänger ebenso untersucht werden wie die Integration des Radverkehrs und ein zusätzliches Stellplatzangebot. Umbaumaßnahmen an Knoten und weiterreichende städtebauliche Auswirkungen gehören zu den Aspekten, die gewaltig ins Geld gehen können. Ganz besondere Aufmerksamkeit erfordert jedoch die veränderte Linienführung des öffentlichen Personennahverkehrs, stoppen doch derzeit allein fünf Buslinien aus der Max-Eyth-Straße links abbiegend vor der Martinskirche.

Vor dem Hintergrund all dieser Überlegungen plädierte der Bürgermeister vehement für eine fachkundige Untersuchung. Für 5000 Euro wäre binnen vier Wochen mit einer "Abschätzung" der Situation durch das Stuttgarter Verkehrsplanungsbüro Kölz zu rechnen. Das Büro verfügt bereits über ausführliche Statistiken im Rahmen der Fortschreibung des Verkehrsentwicklungsplanes Ende der 90er-Jahre. "Lassen Sie Professor Kölz rechnen", appellierte Riemer an die Stadträte.

"Ich hätt's einfach probiert", zeigte sich CDU-Fraktionsvorsitzender Helmut Kapp leicht enttäuscht vom langsamen Mahlen der Amtsmühlen. Doch die Skeptiker waren klar in der Überzahl. So verwahrte sich SPD-Fraktionsvorsitzender Walter Aeugle gegen eine "Holterdipolter"-Entscheidung, die dann nicht so einfach rückgängig gemacht werden könne. Für eine Untersuchung des Gesamtpakets sprach sich auch Hagen Zweifel aus, Vorsitzender der Freien Wähler. Andreas Schwarz von den Grünen Alternativen plädierte ebenfalls gegen einen Schnellschuss, zumal jegliches Try-and-error-Prinzip den Geschäftsleuten letztlich schade.

Kibü-Vertreter Albert Kahle dagegen geht eine "teure Machbarkeitsstudie zu weit". Der vehemente Befürworter eines zweispurigen Einbahnverkehrs um die City hatte sofort eine Reihe von Argumenten für den so genannten "Großen Ringverkehr" um die Altstadt parat. So warb er für schnelleren Verkehrsabfluss, weniger Staus und Unfälle, reduzierte Ampeln und geringeren Abgasausstoß. Wenn schon jetzt keine Entscheidung falle, dann wenigstens noch vor der Sommerpause, drückte er aufs Tempo und plädierte für eine Sondersitzung. Im Mai herrscht nämlich Ruhe im Sitzungssaal, die Räte tagen erst wieder Mitte Juni.

Der Zeitaspekt leuchtete allen ein, hatte doch die Verstimmung der Geschäftsleute und deren Umsatzeinbußen infolge der gesamten Kirchheimer Baustellenproblematik (der Teckbote berichtete) das Thema erst auf die Agenda gebracht. Zwischen Schlierbacher Straße und Jesinger Straße fließt der Verkehr am Alleenring ohnehin baustellenbedingt derzeit nur noch in eine Richtung.

Schließlich genehmigten die Mitglieder des Technischen Ausschusses eine überplanmäßige Ausgabe in Höhe von 15 000 Euro. Untersucht wird die Machbarkeit eines "Einrichtungsverkehrs" auf dem Alleenring. Je nach Ergebnis will sich das Gremium zur schnellen Entscheidung zusammenfinden.