Lokales

Run auf den Graupner-Showroom

Gestern standen Modellbauliebhaber Schlange – Heute noch Verkauf der Restposten

Vor der Tür des Graupner-Showrooms eine Menschentraube, auf den nahen Parkplätzen Modellbauliebhaber, die ihre Erinnerungsstücke an das einstige Kirchheimer Traditionsunternehmen in ihre Autos gepackt haben. Gestern hat der Ausverkauf der Restposten begonnen. Heute wird er von 10 bis 15 Uhr fortgesetzt.

Projektleiter Matthias Mewes (rechts) verhandelt mit Modellbaufans.Foto: Jörg Bächle
Projektleiter Matthias Mewes (rechts) verhandelt mit Modellbaufans.Foto: Jörg Bächle

Kirchheim. Der Kirchheimer Graup­ner-Fan, der drei Hubschrauber und ein Modellsegelflugzeug des Typs Ka 8 B in seinem Kofferraum verstaut, will nicht genannt werden. „Was hier abläuft ist bitter und wir Modellbauer können nur mit Tränen in den Augen zuschauen.“ Für ihn und viele andere aus der großen Modellbauerfamilie gehört Graup­ner zur Fliegerstadt Kirchheim wie die Hahnweide. „Graupner ist Tradition und wir waren ein Stück weit stolz darauf, dass er seine Wurzeln in Kirchheim hatte“, so der Modellbauer. „90 Prozent von uns denken so“, schätzt der alteingesessene Kirchheimer.

Nun muss es richtigerweise heißen, Graupner gehörte zur Fliegerstadt und war Tradition. Gestern begann der Ausverkauf der geflügelten, bereiften und schwimmenden Insolvenzmasse im Graupner-Showroom durch die Hamburger Auktionsfirma Angermann und Lüders. Der Andrang war riesig. Selbst aus der Schweiz, den Niederlanden und aus Kuweit kamen Kunden, um aus den rund 650 Modellen und Ersatzteilen ihre Lieblingsstücke zu erstehen. Manch Schnäppchen war darunter, und manche Rarität wurde teuer bezahlt. Bar versteht sich. Projektleiter Matthias Mewes von Angermann und Lüders wollte Cash sehen. So gab es etwa den kleinen UHU, den wohl bekanntesten Balsaholzflieger der Welt, für 60 Euro. Nicht ganz billig, doch historische Erinnerungsstücke haben ihren Preis. Dabei wurden die im Keller schlummernden Prototypen noch gar nicht angeboten. Sie sollen international versteigert werden. „Ein Jammer“, meint dazu der Kirchheimer Modellbauer. „Das Graupner-Archiv sollte in Kirchheim bleiben und nicht einzeln verkauft werden.“

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