Lokales

Sachkundiger Rat zur beruflichen Weiterbildung

Wiedereinstieg in den Beruf, qualifizierte Abschlüsse, die richtige Bewerbung, Nachweis von Computer-Kenntnissen und E-Learning das war die Bandbreite der Themen, über die sich Teckbotenleser im Rahmen der Telefonaktion am Donnerstagabend informierten. Vier Fachleute beantworteten alle Fragen rund um den Oberbegriff "Weiterbildung".

ANDREAS VOLZ

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KIRCHHEIM Die Resonanz der Teckboten-Telefonaktion war überwältigend. Meistens handelte es sich um Leserinnen, die zum Hörer griffen und sich ausführlich beraten ließen. Sie fragten, wie sie am Ball bleiben und die Erziehungsphase sinnvoll nutzen können, um sich so weiterzubilden, dass nach der Mutterpause ein möglichst nahtloser Wiedereinstieg in den Beruf gelingt. Ulrike Goldschmitt-König vom Regionalbüro für berufliche Fortbildung der Argen Esslingen/Göppingen riet in solchen Fällen, sich gut über die verschiedenen Bildungsträger und ihre Programme zu informieren.

Einen Überblick verschaffe die Internet-Plattform "Marktplatz für berufliche Fortbildung" unter der Adresse www.fortbildung.bw. Unter http://frauen.fortbildung.bw gibt es zudem spezielle Weiterbildungsseiten für Frauen. Verantwortlich für beide Websites ist das baden-württembergische Wirtschaftsministerium. Jeder Anbieter stellt dabei aber seine aktuellen Angebote selbst ins Netz, berichtete Ulrike Goldschmitt-König weiter. Die wichtigsten Fragen, die alle Interessierten zunächst individuell klären müssten, sind für die Berufspädagogin folgende: "Wo sind die Bildungsträger? Finde ich eine Veranstaltung in meiner Nähe? Welcher zeitliche und finanzielle Rahmen steht mir zur Verfügung?"

Rose König, die Leiterin des Fachbereichs "Berufliche Bildung" an der Kirchheimer Volkshochschule, ergänzte diesen Fragenkatalog um weitere drei Punkte, über die sich jeder einzelne klar werden müsse, der sich ernsthaft mit dem Thema Weiterbildung befasst: "Wo stehe ich und was kann ich? Wo will ich hin? Was brauche ich dafür?" Bei den vielen Anrufen, die sie während der Teckbotenaktion entgegennahm, ging es in der Regel um konkrete Anfragen zu Abschlussmöglichkeiten. "Die meisten streben eine klassische Art der Weiterbildung an, die auf ihre Ausbildung und ihre Praxiserfahrung aufbaut", stellte Rose König am Ende der Telefonaktion fest.

Über entsprechende Abschlüsse informierte auch Helmut Zeeh, stellvertretender Geschäftsführer der Bezirkskammer Esslingen-Nürtingen der IHK Region Stuttgart. Die Unterschiede einzelner Ausbildungsgänge seien oft nur schwer auszumachen, meinte er und rang sich dann doch zu einer allgemeineren Wertung durch: "Die berufsbegleitenden Abschlüsse finde ich sehr sinnvoll. Wer jahrelang neben seiner normalen Arbeit noch eine Ausbildung macht, beweist damit Durchhaltewillen und Zielstrebigkeit, also wichtige Schlüsselqualifikationen." Dennoch warnte der IHK-Fachmann am Telefon vor enthusiastischem Übereifer. Wer jeden Tag arbeitet und sich dann samstags und sonntags noch regelmäßig acht Stunden Unterricht zumutet, komme irgendwann an den Punkt, wo es nicht mehr weitergeht: "Das grenzt an Masochismus. Auf Dauer hält das weder der Körper noch der Geist durch."

Helmut Zeeh will allerdings nicht kategorisch von Kompaktkursen abraten: "Bei einem halben Jahr Freistellung geht das gut." Zu einer fairen Beratung gehört für ihn, auf solche Punkte aufmerksam zu machen und die Erfolgsaussichten realistisch zu bewerten. Deshalb weist er auch immer wieder darauf hin, dass bei der Weiterbildung nicht nur Geld investiert werden darf: "Manche Leute glauben, wenn sie Kursgebühren zahlen, haben sie einen Anspruch auf den Titel. Sie schwänzen den Unterricht, bereiten sich schlecht auf die Prüfung vor und sind hinterher sauer, wenn sie durchfallen."

Individuelle Beratung stellte auch Gerwin Harand, Geschäftsführer der Naberner Jobfit GmbH, im Rahmen der Telefonaktion in den Vordergrund. In einer konkreten Anfrage ging es um Bewerbungsstrategien. "Das geht nur im persönlichen Gespräch", lautet Harands Überzeugung. Da müsse man systematisch vorgehen, die Unterlagen genau durchsehen, Strategien aufzeigen oder die Möglichkeiten von Initiativ-Bewerbungen im speziellen Fall abklären. Konkretere und allgemein gültige Antworten konnte Gerwin Harand dafür geben, wenn Anruferinnen nach dem Wiedereinstieg in den Beruf fragten. "Wer wegen der Kindererziehung acht Jahre weg war, ist bei der Computerei abgehängt", machte der Jobfit-Geschäftsführer auf ein Problem aufmerksam, für das er aber eine Lösung parat hatte: Nahezu alle Weiterbildungsträger bieten Kurse zum Europäischen Computerführerschein (ECDL) an, mit dem sich Kenntnisse nachweisen lassen, die den Anforderungen des Berufslebens gerecht werden.

An Kursen mit "richtigen" Dozenten führt indessen auch im elektronischen Zeitalter kein Weg vorbei, waren sich die Experten einig. E-Learning halten sie nur bei einzelnen Inhalten für sinnvoll, beispielsweise um sich bestimmte Fakten anzueignen. Eher skeptisch stehen sie der Idee gegenüber, einen kompletten Ausbildungslehrgang elektronisch zu absolvieren. Helmut Zeeh: "Das ist modern und zeitgemäß, aber deshalb nicht automatisch gut. Es gibt keinen Nürnberger Trichter mit garantiertem Abschluss."