Lokales

"Sagenhaftes Erleben" mit Sibyllenweckle und Co.

Noch hat der Winter die Alb fest im Griff, da machen die Verantwortlichen des Naturschutzzentrums Schopflocher Alb Appetit auf das Sommerprogramm. Mit einer Reihe von besonderen Veranstaltungen soll das zehnjährige Bestehen des Zentrums in seiner jetzigen Form gefeiert werden.

ANKE KIRSAMMER

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LENNINGEN Das Naturschutzzentrum Schopflocher Alb hat gute Chancen, dieses Jahr einen neuen Besucherrekord aufzustellen: Das durch Farbe und eine bessere Übersichtlichkeit aufgewertete Programmheft enthält eine Vielzahl von attraktiven Veranstaltungen. Im Rahmen einer Pressekonferenz stellten der Erste Landesbeamte Matthias Berg und der Leiter des Naturschutzzentrums, Dr. Wolfgang Wohnhas, die Broschüre vor.

Geologie/Steinbruch lautet der Schwerpunkt im Frühjahr und Sommer. Dazu präsentiert das Zentrum vom 28. April bis zum 24. September die Sonderausstellung "Vom Steinbruch zum Naturschutzzentrum". Sie ist dem ehemaligen Marmorsteinbruch Lauster gewidmet, der direkt am Naturschutzzentrum liegt. Vorträge, Führungen, Diskussionsforen und Seminare für verschiedene Zielgruppen flankieren das Thema, so beispielsweise die angebotene Besichtigung des außergewöhnlichen Geotops am 13. August unter dem Titel "Geologisches Fenster in den Weißjura" in Zusammenarbeit mit dem Staatlichen Museum für Naturkunde Stuttgart.

Klimawandel/Wetter heißt der ebenfalls durch eine Ausstellung unterlegte Schwerpunkt im Herbst und Winter. Werden wir in Deutschland künftig zu Weihnachten Rauchschwalben beobachten können? Werden Arten einwandern, wie viele werden aussterben? Solchen und ähnlichen Fragen geht zum Beispiel der Vortrag "Vögel und Klimawandel" am 16. November nach.

Insgesamt weist die 72 Seiten starke Broschüre auf 130 Einzelveranstaltungen hin. Enthalten ist selbstverständlich wieder der Besuchermagnet Bauernmarkt. Wer einen praktischen Beitrag zum Umweltschutz leisten möchte, sollte sich den 14. Oktober mit dem Landschaftspflegetag dick im Kalender anstreichen. Ein Highlight des Jahres ist das Jubiläumsfest am Sonntag, 14. Mai. Geplant ist ein buntes Programm mit Führungen, Kutschfahrten, Angeboten für Kinder, Experimentieren mit dem Ökomobil, Mikroskopieren und Infoständen. Zum offiziellen Festakt am Montag, 19. Juni, hat sich unter anderem Baden-Württembergs Landwirtschaftsminister Peter Hauk angekündigt.

Ein besonderes Schmankerl, das die Handschrift der ehrenamtlichen Mitarbeiter des Naturschutzzentrums trägt, ist der tags zuvor stattfindende Familiensonntag "Sagenhaftes Erleben". Vor der passenden Kulisse im Heppenloch vor der Gutenberger Höhle oder auf der ehemaligen Burg Heimenstein lernen Kinder Steinzeit-Techniken kennen, es werden sagenhafte Erlebniswanderungen unternommen, die Erzählerin Sigrid Früh gibt Märchen zum Besten, Rollenspiele, Improvisationstheater und Bildpräsentationen werden angeboten. "Wir wollen die Sagen dem Vergessen entreißen", erklärte Volunteer Philipp Felten dazu. Angedacht ist, den Verein "Schmeck die Teck" mit passenden kulinarischen Leckerbissen wie Drachendätschern, Sibyllenweckle und Langnasenwurst einzubeziehen.

Überhaupt haben sich die Hauptamtlichen und die sieben Volunteers wieder eine Menge für den Nachwuchs einfallen lassen: Neben Projekten, Naturerlebnis-Nachmittagen für Kinder, "grünem Klassenzimmer" und Sommerferienprogramm werden Jugendliche beim mehrtägigen Junior-Ranger-Camp mit Aufgaben des Naturschutz' vertraut gemacht, und in Zusammenarbeit mit dem Schwäbischen Albverein gibt es in den Sommerferien ein Jugendlager mit Unterbringung im Schullandheim Lichteneck.

Es könnte auch als Geburtstagsgeschenk zum Zehnjährigen gewertet werden: Verstärkt werden die Beschäftigten des Naturschutzzentrums in diesem Jahr in die Vorbereitung des Biosphärengebiets einsteigen: "Das wird eine tolle Sache", so Dr. Wolfgang Wohnhas. Immerhin wird das Biosphärenreservat das einzige im gesamten Ländle sein.

Voraussichtlich werden noch fünf Jahre ins Land gehen, bis rund 54 000 Hektar der Schwäbischen Alb von der Albkante über den Münsinger Truppenübungsplatz bis zu Gemeinden des Alb-Donau-Kreises mit dem Etikett "Biosphärengebiet" beworben werden können. Intensive Vorarbeiten seien nötig, um an die Plakette heranzukommen, stelle die UNESCO doch enorme Anforderungen, betonte der Erste Landesbeamte Matthias Berg. Für den Landrats-Vize ist das Reservat nichts anderes als eine Klammer um bereits bestehende Schutzgebiete und Tourismusverbände. Er sieht darin die Chance, Kräfte zu bündeln.

Mit 6000 Hektar steuert der Landkreis Esslingen eine vergleichsweise kleine Fläche zu dem künftigen Biosphärengebiet bei. "Raritäten" wie auf dem Truppenübungsplatz vorkommende Gebirgsgrashüpfer, Braunkehlchen und Heidelerchen hat der Albtrauf zwar nicht zu bieten, doch gab sich Matthias Berg selbstbewusst: "Mit der Albkante liefern wir das Alleinstellungsmerkmal das Herzstück des Reservats. Deshalb wollen wir auch mitbestimmen." Nachdem die Außengrenzen inzwischen umrissen sind, werden jetzt Kern-, Pflege- und Entwicklungszonen abgesteckt. Geplant ist, das Naturschutzzentrum Schopflocher Alb künftig als Nordportal des Biosphärenreservats für Besucher aus dem Großraum Stuttgart zu nutzen. Bereits jetzt übernimmt das Zentrum die wichtige Funktion der Tourismuslenkung. Mit dem zweiten Standbein des Naturschutzzentrums möchte der Landkreis auch verhindern, dass das Land aus der gemeinsamen Trägerschaft und damit aus der Mitfinanzierung aussteigt. Derzeit unterstützt das Land das Naturschutzzentrum jährlich mit 200 000 Euro, aus der Kasse des Landkreises fließen 70 000 Euro in den Etat.

INFODas Veranstaltungsprogramm 2006 liegt von der kommenden Woche an in sämtlichen Rathäusern der Landkreise Esslingen und Göppingen sowie in den beiden Landratsämtern zur kostenlose Mitnahme aus. Unter www.naturschutzzentren-bw.de ist es außerdem im Internet einsehbar.