Lokales

"Sahara-Sommer" lässt Bauern schwitzen

Der Wettergott meint es heuer nicht gut mit den Bauern: Erst der "Sahara-Sommer", der die Bohnenernte bisher nahezu verhinderte, dann der plötzliche Kälteeinbruch, verbunden mit sintflutartigen Regenfällen, die die "frühen" Kartoffeln ertränkten. Die Hoffnung ruht auf der Ernte der "späten" Kartoffeln.

LISA STRAUSS / JANOSCH SCHENK

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KIRCHHEIM Durchwachsene Sommermonate sind die Landwirte gewohnt, ideale Wachstumsbedingungen sind auch dieses Jahr nicht mehr gegeben. Die Bauern machen den Klimawandel dafür verantwortlich, wie bei Gesprächen auf dem Kirchheimer Wochenmarkt deutlich wird. Auch 2006 waren die Voraussetzungen alles andere als optimal: Ein viel zu heißer Frühsommer setzt dem Ertrag zu.

"Bei de Äbiera isch' s schlimm!" klagt Reiner Haußmann, ein Marktbeschicker aus Unterensingen über die geringe Größe seiner Kartoffeln. Bei nahezu allen Gemüsesorten haben die regionalen Bauern erhebliche Verluste zu verzeichnen. Besonders hat die Bohnen- und Gurkenernte unter den extremen Wetterverhältnissen zu leiden. Aufgrund der extremen Hitze fiel die Bohnenernte sprichwörtlich ins Wasser. Der drastische Kälteeinbruch spiegelt sich nach Auskunft der fachkundigen Marktleute vor allem an den Tomaten wieder: Sie springen auf.

Die starken Regenfälle der letzten Tage spielen dem Getreide übel mit. Alle Ähren, die trotz großer Anstrengungen während der Trockenperiode nicht rechtzeitig vor dem einsetzenden Regen geerntet werden konnten, verfaulen auf den Feldern. Anne-Kathrin Faiß aus Reudern wünscht sich aufgrund dieser Missstände einen schönen Herbst mit steigenden Temperaturen. Sie hofft, dass die Felder trocknen und die zweite Ernteperiode planmäßig eingefahren werden kann.

Die extremen klimatischen Verhältnisse sind mit Nach- aber auch Vorteilen behaftet. Regina Klein aus Holzmaden freut sich einerseits über eine gelungene Johannisbeeren- und Kirschenernte während des "Sahara-Sommers". Andererseits beklagt sie, dass sie große Mühe hatte, die Wasserversorgung der Pflanzen zu bewerkstelligen.

Auch die starken Regenfälle haben zwei Seiten: So waren die ersehnten Niederschläge zwar vorteilhaft für Zwetschgen und Zwiebeln. Aber der Regen ist auch für die ungeliebten Auswüchse bei den Kartoffeln verantwortlich. Statt vollkommener, runder und makelloser Knollen, liegen kleine, mit geschwürähnlichen Gebilden behaftete Kartoffeln in der Ackerfurche. Die unerwünschten Missbildungen haben zwar keinerlei Auswirkungen auf die Qualität der Knolle, schlagen sich aber dennoch spürbar im Preis nieder. Da das Angebot an qualitativ hoher Ware sinkt, steigt der Preis. Reiner Haußmann bringt dieses Phänomen mit treffenden Worten auf den Punkt: "Wenn's weniger geit, dann goat's au nauf!"

Diese schlechten Prognosen lassen bei den Freunden der Fast-Food-Küche bereits Befürchtungen für eine "Pommes-Krise" aufkommen: Die industrielle Verarbeitung kann nur mit großen Kartoffeln erfolgen, deshalb sind die derzeitig geernteten "frühen" Knollen aufgrund ihrer geringen Größe für diese Zwecke nicht besonders gut geeignet.

Laut Renate Gölz von den Landfrauen Bissingen-Nabern, haben die Früh-Kartoffeln zwar gut angesetzt, seien dann aber durch den einsetzenden Regen und die kühleren Temperaturen verkümmert. Das alles führt zu einem voraussichtlichen Ernteeinbruch von ungefähr 60 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Sie erklärt allerdings auch, dass der Ertrag regional sehr unterschiedlich ausfallen wird, da das Wachstum sehr stark von den Bodenverhältnissen abhängig ist. Beim Kreisbauernverband weiß man, dass Lehmboden Trockenheit besser verkraftet als Schotterboden. Idealerweise sollte der Boden humus- und nährstoffhaltig sein.

Einer der Vorsitzenden des Kreisbauernverbandes, Siegfried Nägele, klagt, dass der Mais in der Region am meisten unter der Hitze gelitten hat. Er beziffert den Ertragsrückgang auf ungefähr ein Drittel des Vorjahres. Auch Michael Zimmermann, ebenfalls Vorsitzender des Kreisbauernverbandes, aus Köngen bestätigt hohe Ertragseinbußen beim "wärmeliebenden" Mais. Die Ernteverluste sind auf den nass-kalten Mai zurückzuführen, der alles andere als ein "Wonnemonat" war. Vor allem beim Weizen hat die extreme Witterung Spuren hinterlassen, die regionalen Erzeuger verzeichnen Ertragsrückgänge von bis zu 20 Prozent. Zudem beklagt Siegfried Nägele hohe Qualitätseinbußen, die dazu führen, dass der Weizen fast nur zu Futterzwecken verwendet werden kann.

Aber nicht nur die Gemüseernte ist zurückgegangen, auch beim Obst sind Verluste zu verzeichnen. Vor allem die Apfelbäume haben infolge der großen Hitze einen Teil ihrer Früchte abgeworfen. Zudem klagen einige Obstbauern, dass ihre Äpfel einen "Sonnenbrand" bekommen haben, dieser macht die Früchte unansehnlich und dadurch für den Verkauf ungeeignet.

Michael Zimmermann hätte sich das derzeitige Wetter für Ende Juni gewünscht, da dies die Ernte begünstigt hätte. Zurzeit ist es denkbar ungünstig, der andauernde Regen erschwert die Aussaat erheblich. Trotz allem wei

st er darauf hin, dass die Bauern des Albvorlandes noch mal mit einem "blauen Auge" davon gekommen sind. Die Erträge gingen im Vergleich zum Vorjahr zwar zurück, die Qualität ist aber dennoch zufriedenstellend.

Nahezu alle befragten Landwirte betonten, dass die Ernte der "späten" Kartoffeln aufgrund der starken Regenfälle der letzten Tage nun zügig vonstatten gehen muss. Andernfalls verfaulen sie oder bekommen ungeliebte Auswüchse.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die Nässe den Bauern letztendlich stärker zugesetzt hat als die lange Hitze. Diese Tatsache wird durch eine Bauernregel belegt: "Die Sonne hat noch keinen Bauern aus seinem Hof herausgeschienen, aber's Wasser schon manchen herausgeschwemmt."