Lokales

Sandstein soll Denkmal setzen

Am Samstag, 23. April, ist es wieder so weit: Zum zehnten Mal wird das Bohnauhaus in Kirchheim nur für Mädchen geöffnet. Für alle, die zum Mädchentag kommen, stehen eine Menge abwechlsungsreicher Möglichkeiten bereit.

CHRISTIANE BRENNER

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KIRCHHEIM Eine Veranstaltung, die sich lohnt: Der Mädchentag hat sich in den vergangenen Jahren zunehmend etabliert. Zahlreiche Mädchen tummeln sich immer gerne im Bohnauhaus und im Freien davor, um zu tanzen, basteln, schmieden oder einfach nur zu reden.

Mit seiner Zielsetzung ist der Mädchentag quasi als Vorreiter zu sehen. "Er hat einen Trend vorweggenommen, der sich jetzt in der sozialräumlichen Jugendpolitik widerspiegelt", sagt Dr. Karin Mauthe. Sie ist Diplom-Sozialpädagogin im Wächterheim und Mitglied des Pädagoginnentreffs, der den Mädchentag ins Leben gerufen hat.

Ein wichtiger Aspekt an der Veranstaltung, die nur Mädchen zugedacht ist, besteht darin, dass die Mädchen etwas ausprobieren können, "in einem Rahmen, in dem man sich traut", sagt Christiane Heinze, die im Bereich der Jugend- und Drogenberatung tätig ist und auch dem Pädagoginnentreff angehört. Karin Mauthe fügt hinzu, dass man "einen Raum für Mädchen ermöglichen wolle, in dem sie sich nicht durchsetzen müssen".

Mädcheneinrichtungen gibt es zwar, aber "es sollte mal etwas Besonderes geben" sagt Christiane Heinze und tituliert den Mädchentag, der 1992 zum ersten Mal organisiert wurde, in diesem Zusammenhang als "Highlight". Hauptsächlich durch Mund-zu-Mund-Propaganda verbreitet, wurde der Mädchentag teilweise von über 200 Teilnehmerinnen angenommen, hat sich für sie gelohnt und Spaß gemacht.

Ein Wunsch hat sich im Laufe der Zeit herauskristallisiert: Nämlich dass auch mehr technisch orientierte Tätigkeiten mit aufgegriffen werden. Mit Tanzen und Schminken in erster Linie "an rollenspezifisch geprägten Bedürfnissen orientiert", wie Karin Mauthe anführt, will der Mädchentag nun vermehrt einen "technischen Aspekt mit reinbringen, um das Rollenverhalten auszudehnen". Wie Christiane Heinze warnt, handelt es sich dabei um eine "Gratwanderung", da gerade auch mädchentypische Angebote beliebt sind. "Es besteht ein Anspruch auf Vielfältigkeit", betont sie.

Außerdem können die Mädchen gerne selbst Wünsche äußern, wie die beiden Mitveranstalterinnen bekräftigen. Ein erster Vorschlag wird dieses Mal schon berücksichtigt: Eine Vertreterin von "pro familia" wird sich den Mädchen für Fragen zum Thema "Verhütungsmethoden" zur Verfügung stellen.

Der feierliche Teil des Tages beginnt am Spätnachmittag. Dann wird es Dinge zu kosten geben, die die Koch- und Backgruppe zuvor zubereitet hat, untermalt von Musik.

Und um den zehnten Mädchentag unvergesslich zu machen, soll in einer Aktionsgruppe ein riesiger Sandstein "behauen werden". Ganz als Kontrastprogramm zur "Erzählwerkstatt", in der in Kooperation mit dem Bürgerbüro Kirchheim Frauen über sechzig den Mädchen von ihrer eigenen Kindheit und Jugend berichten werden.

Dank der drei Sponsoren Bürgerstiftung Kirchheim, Otto-und-Eugen-Ficker-Stiftung sowie der Kreissparkassen-Stiftung Esslingen-Nürtingen wissen die Organisatorinnen zum ersten Mal bereits im Voraus, dass die finanzielle Seite gesichert ist. "Sonst ging es immer irgendwie", meinen Christiane Heinze und Karin Mauthe und berufen sich darauf, dass das Projekt bisher neben der finanziellen Hilfe durch den Jugendhilfeausschuss der Stadt Kirchheim durch kleinere Spenden von Privatpersonen sowie Sachspenden gestützt wurde.

Nach wie vor spiele der ehrenamtliche Aspekt eine große Rolle. Die meisten bekommen für die Leitung eines Workshops am Mädchentag wenig oder nehmen gar nichts. Übrigens wird jedes Angebot von einer "Professionellen" und einem Mitglied des Pädagoginnentreffs begleitet.

"Es handelt sich um eine riesen Kooperationsgeschichte", führt Christiane Heinze an. Den Mädchentag vorzubereiten und nachher alles wieder aufzuräumen sei "wie ein Berg", der vor einem steht. Aber beide Organisatorinnen sind sich einig: "Wenn die Mädchen da sind, ist es toll." Erwähnt seien auch die Trägereinrichtungen des Mädchentags Wächterheim, Jugend- und Drogenberatung, Paulinenpflege, Pro Familia, Jugendhaus, KiZ, Brückenhaus, Kinderschutzbund, Frauenhaus, Diakonische Bezirksstelle sowie der soziale Dienst der Stadt Kirchheim.

Wer zum Mädchentag kommen möchte, kann sich über Flyer zum Programm informieren.