Lokales

Sanierung bei vollem Programm

Kirchheimer Volkshochschule startet mit Bauarbeiten in ein neues Semester

Die Volkshochschule Kirchheim setzt Zeichen gegen den Trend: In Zeiten der Wirtschafts- und Finanzkrise macht sie im Vorwort ihres neuen Semesterprogramms darauf aufmerksam, wie wichtig gerade Bildung für jeden Einzelnen ist, um auf dem Arbeitsmarkt zu bestehen. Ebenso sei die Wirtschaft auf hoch qualifizierte Arbeitskräfte angewiesen, um im globalen Wettbewerb bestehen zu können.

Andreas Volz

Kirchheim. Die erforderliche Bildung kann die Volkshochschule vermitteln oder auch vertiefen. Das beginnt schon bei den Sprachen. Ob Englisch für den Beruf, Deutsch-Konversation für Au-pairs oder Grundlagen für den Einbürgerungstest: Die Bandbreite an Sprachen und spezialisierten Angeboten ist gewohnt vielseitig. Es gibt aber auch ganz private Gründe, eine Sprache zu lernen, und sei es aus purem Vergnügen. Das könnte beispielsweise für Rumänisch gelten – eine Sprache, die in Kirchheim nach vielen Jahren erstmals im Programm steht. Reisekurse stehen ebenfalls hoch im Kurs, schließlich führt das bevorstehende Semester ja in den Sommer hinein. Und selbst die Städtepartnerschaft kommt jetzt zu Kurs-Ehren: In der vhs-Außenstelle Holzmaden gibt es einen Kurs mit dem Titel „Français pour le jumelage“.

Französisch in einer besonderen Eigentümlichkeit ist übrigens am 1. April in der Reihe „Film am Mittwoch“ zu sehen. Dann läuft „Bienvenue chez les ch‘tis“ in der Originalversion mit Untertiteln. Ein weiterer französischer Film ist am 6. Mai „Entre les murs“ („Die Klasse“). Bereits am 11. Februar zeigt die Volkshochschule in Zusammenarbeit mit den Kinobetrieben Frech „Young@Heart“ im englischen Original. Auch andere Sprachen kommen dieses Mal cineastisch zu Wort: Am 4. März läuft der italienische Film „Non pensarci“, am 10. Juni folgt „Caótica Ana“ auf Spanisch.

Ebenso groß ist die Vielfalt der Donnerstags-Vorträge, die von Leonardo da Vinci über Thomas von Aquin und Joseph Haydn bis zu Abraham Lincoln reichen, nach Andalusien und Sizilien führen oder sich aus medizinischer Sicht mit der Angst sowie mit der klassischen Homöopathie befassen. Prominenteste Vortragsrednerin im kommenden Volkshochschul-Semester ist die einstige Bundesjustizministerin Herta Däub­ler-Gmelin. In Zusammenarbeit mit Amnesty International spricht sie über das Thema „60 Jahre Menschenrechte in Deutschland und Europa“. Der genaue Termin dafür steht allerdings noch nicht fest.

Reisen und Exkursionen führen unter anderem zur Paul-Klee-Ausstellung nach Ulm, zur Weißenhofsiedlung, zu Gärten in Cornwall, zum Wandern nach Kappadokien und eventuell sogar nach Georgien – je nach der aktuellen Lage vor Ort. Aber auch ganz lokalen Themen widmet sich die Kirchheimer Volkshochschule: So geht es in Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv Kirchheim am 18. Juni um Schwäbische Flügelaltäre in Neckarschwaben, unter anderem auch um die erhaltenen Altarbilder der Kirchheimer Martinskirche. Im Rahmen der Frauenkulturtage organisiert die vhs außerdem einen Vortrag über Julie Gundert, die Großmutter Hermann Hesses, die als Missionarin in Indien tätig war und dort bis heute höchste Anerkennung genießt.

Was die Gesundheit betrifft, gibt es wieder alle möglichen Kurse zur Entspannung und Körpererfahrung, sei es nun Qigong, Yoga, Aikido oder buddhistische Meditation. Außer „Fitness für Männer“ bietet die Volkshochschule auch einen Wassergymnastik-Vormittagskurs im Freibad an. Wer Skrupel hat, sich im Freibad sehen zu lassen, kann zuvor einen speziellen Ernährungskurs mit dem Titel „Gut in Form“ besuchen, bei dem das „Brigitte-Balance-Programm“ im Mittelpunkt steht.

Um ein besonderes sportliches Ereignis in Kirchheim geht es am 24. Mai bei einem Workshop zum Thema „Digitale Sportfotografie“. Die Kursteilnehmer fotografieren zu diesem Zweck beim Kirchheimer Mountainbike-Marathon. Weitere Besonderheiten im Kreativbereich sind Atelierkurse in kleinen Gruppen in Holzmaden oder auch die Herstellung von Gartengefäßen mit Ornamentik-Spiralen.

Besondere Angebote für Senioren beziehen sich auf einzelne Computer-Anwendungen, die nach dem Motto „leicht und logisch“ in wenigen Unterrichtsstunden vorgestellt werden. Auch für Schüler gibt es Computerkurse, vor allem eine schnelle Einführung ins Computerschreiben mit zehn Fingern. Solche Kurse bietet die Volkshochschule auf Wunsch auch außerhalb des normalen Semesterprogramms an. Teilweise sind es ganze Schulklassen, die ihren Bedarf anmelden und dann einen eigenen Kurs belegen können. Was bei den Schülern ebenfalls hoch im Kurs steht, sind Prüfungsvorbereitungskurse, die die Volkshochschule in den wichtigsten Schulfächern vor allem für Mittlere Reife, Zentrale Klassenarbeiten und Abitur anbietet.

Vor einer besonderen Prüfung steht die Volkshochschule selbst im kommenden Semester. Anfang März soll nämlich die Fassadensanierung des Spitals beginnen. Die Volkshochschulverwaltung zieht deshalb innerhalb des Spitals um, denn besonders betroffen ist die hintere Fassade zum Hof hin. Gerade dort befindet sich aber ein Großteil der Büros. In der Übergangszeit finden die Kurse tagsüber nicht im Spital, sondern in den ehemaligen Räumen des Pädagogischen Fachseminars statt.

Die Volkshochschule habe die nötigen Vorbereitungen für die anstehende Sanierung bereits hinter sich. Jetzt komme es noch auf die Stadt und das Landesdenkmalamt an, was die Details der Arbeiten betrifft, sagt vhs-Leiterin Susanne Voigt. Auf die Außensanierung soll in einem zweiten Bauabschnitt eine Umbauphase im Inneren folgen. Dabei geht es unter anderem darum, die veraltete Elektrik zu erneuern und den Sanitärbereich zeitgemäß umzugestalten.

Wenn auch die Volkshochschule nicht selbst die Arbeiten vergibt, wird damit doch sichtbar ein weiteres Zeichen gegen den Trend gesetzt. Schließlich kommt es gerade jetzt darauf an, Aufträge an die Wirtschaft zu vergeben und das Unternehmen erfolgreich auf die Zeit nach der Krise vorzubereiten, sodass es gestärkt und in neuem Glanz daraus hervorgehen kann.

Anzeige