Lokales

Sankt Martin und die Frage, warum die Gans gebraten wird

Das Pilotprojekt "Kindermusical Sankt Martin" der Martinskirche und der Freihof-Grundschule mit dem Titel "Wie heilig war der Heilige Martin?" wurde am Donnerstag einmalig aufgeführt. Der traditionelle, atmosphärische Laternenumzug durch die Kirchheimer Innenstadt rundete den Abend ab.

BARBARA MOSER-MERKLE

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KIRCHHEIM Die Idee zündete gleich, als Ralf Sach, Bezirkskantor und Kirchenmusiker der Martinskirche, bei Willi Kamphausen, Rektor der Freihof-Grundschule, anrief und ihm den Vorschlag machte, gemeinsam mit den Grundschulkindern ein selbst komponiertes Kindermusical in der Martinskirche erstmalig aufzuführen. Ein Projektchor unter Leitung von Antje Grünzweig war an der Schule schnell gebildet, und Kinder der zweiten bis vierten Klassen kamen an vielen Nachmittagen freiwillig und gern zu den Proben, zusammen mit Ralf Sach. Szenisches Spiel sowie Hintergrundbilder und Herstellung von Requisiten übernahm eine vierte Klasse mit ihrer Klassenlehrerin, Susann Knapp.

Das Kindermusical "Wie heilig war der Heilige Martin?" geht nicht nur der Frage nach, was Sankt Martin eigentlich mit den an diesem Tag verspeisten Gänsen zu tun hat: Die Geschichte beginnt mit einem Mönch, dargestellt von Christian Schwahn, Pfarrer an der Martinskirche und zugleich Religionslehrer an der Freihof-Grundschule, der sich, in einer Klosterzelle sitzend, mit der Martinslegende befasst: Er erzählt von Martin, dessen Namen seine Eltern zu Ehren des Kriegsgottes Mars wählen. Seine Laufbahn scheint also von Geburt an fest vorbestimmt.

So kommt es, dass er als Soldat des kämpfenden, plündernden Römischen Heeres an einem Wintertag nach Amiens in Nordfrankreich kommt, wo hungernde und frierende Menschen ihr Schicksal beklagen.

Martin, dargestellt von Maja Sieger, begegnet dort einem in Lumpen gehüllten Bettler, der sich vor Schwäche und Elend an eine Bank anlehnt. Martin wird in diesem Augenblick klar, dass sein Leben nicht dem Kriegsgott Mars geweiht sein kann. Er will fortan nur noch Diener des gütigen Gottes, Ritter für das Gute sein. Er teilt seinen Mantel und gibt eine Hälfte dem frierenden Bettler.

Indem er gegen das Römische Gesetz verstößt, ist Martin der erste Verweigerer des Kriegsdienstes und wird in Arrest gesetzt. In seiner Zelle hat er des Nachts den Traum, einmal Bischof zu sein. Doch er möchte diese Verantwortung nicht übernehmen und findet sich unwürdig für dieses Amt. So flieht er in einen Gänsestall, wo er sich versteckt. Doch im Stall verraten die schnatternden Gänse den Boten, die nach ihm suchen, Martins Unterschlupf, und schon bald ist Martin Bischof von Tours, der durch seine Güte weit über die Grenzen des Landes bekannt wird.

Doch die Gänse müssen bis heute wegen ihres Verrats in der Pfanne schmoren! Den Kindern kann Sankt Martin auch heute noch einen Lichtschein, Hoffnung und Trost in dunkler Nacht bieten. So endet die Geschichte.

Es ranken sich viele Legenden um den heiligen Martin, die bekannteste ist die der Mantelteilung. Umso lohnender ist es, alte Bräuche wie das Martinsgansessen am heutigen Martinstag näher zu beleuchten und die Hintergründe zu erforschen.

Dass die Gänse genau am 11. November in die Bratröhre wandern, hängt auch mit der besonderen Bedeutung dieses Tages zusammen. Nach ihm beginnen die 40 Tage vorweihnachtlicher Fastenzeit. Den Vorabend dieser Fastenzeit, den Martinstag, feierte man noch einmal mit einem üppigen Festessen. Der 11. November war in früherer Zeit der Termin für Pachtzahlungen, eben auch in Form einer Gans, da Gänse um diese Zeit schlachtreif sind.

Nach dem Martinsspiel wurde die an der Grundschule lieb gewordene Tradition des Laternenumzugs fortgeführt: Im Kirchhof wurden die Laternen angezündet, und der Laternenlauf führte durch die Kirchheimer Innenstadt, um in einem stimmungsvollen Lichterkreis auf dem Marktplatz zu enden. Laternenlieder wurden gesungen, und natürlich auch das Martinslied, als der Martinsmann einherritt, der vor dem in der Kälte kauernden Bettler anhielt und mit ihm den wärmenden Mantel teilte.

Ein großes Anliegen von Ralf Sach ist es, Menschen aller Kulturen und Religionen für die Kirche zu interessieren und alte Traditionen wieder ins Bewusstsein zu rufen. Die Freihof-Grundschule, an der Kinder aus 18 Nationen unterrichtet werden, hat sich den Schwerpunkt der Integration gesetzt, und so erreichte die Botschaft Martins, nicht gegen Brüder kämpfen zu wollen, sondern starker Bruder für die Schwachen zu sein, die aufmerksamen und von der ausdrucksstarken Darbietung gefesselten Zuhörer.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Freihof-Grundschule ein kooperatives Projekt durchführt. Im Jahre 2003 war die Aufführung des Kindermusicals "Die dumme Augustine", zusammen mit der Musikschule unter Leitung von Bertram Schattel, das letzte größere, gemeinsame Projekt.

Jedes Mal steht am Ende das einhellige Fazit: Anstrengend war's aber gelohnt hat es sich allemal und zudem hat's noch Spaß gemacht!

Das Musical war eigentlich für den heutigen Samstag geplant, wurde jedoch auf Donnerstgabend vorgezogen und einmalig aufgeführt.