Lokales

Saubermänner im Dienste der Natur

Ehrenamtliche sorgen in Weilheimer Naturschutzgebieten für verträgliche Übersichtlichkeit

Seit vielen Jahren setzen sich drei Gruppen für die Pflege und Erhaltung zweier wichtiger Naturschutzgebiete bei Weilheim ein: Die Vereinsgemeinschaft Weilheimer Vereine und die Ortsgruppe des Schwäbischen Albvereins befreien die Limburg von Gestrüpp und Hecken. Die Sektion Schwaben des Deutschen Alpenvereins verschafft dem „Roten Wasen“ ökologische Frischluft. Die freiwilligen Helfer sind jetzt für den Ehrenamtspreis nominiert.

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Tobias Flegel

Weilheim. An sonnigen Tagen wird die Limburg zum Mekka für Wanderer und Radfahrer. Ein steter Strom erklimmt den steilen Vulkankegel, um die Aussicht auf Umland und Albtrauf zu genießen. Auch vom Boden ist der Berg „einfach ein wunderschöner Anblick“, sagt Werner Kauderer. Als Mitglied der Vereinsgemeinschaft Weilheimer Vereine hat der 67-jährige Rentner mit dafür gesorgt, dass Weilheims Hausberg die gepflegte Gestalt hat, die ihn heute ziert.

Seit 1963 pflegt und erhält die Vereinigung die Steilhänge am Kopf der Limburg. In zwei- bis dreijährigem Rhythmus rücken 40 bis 50 freiwillige Helfer aus rund zehn örtlichen Vereinen dem wilden Bergwuchs auf den Leib. Zusammen mit städtischen Arbeitern und unter Anleitung von Revierförstern stutzen sie in mühevoller Handarbeit Schwarzdornhecken und Gestrüpp auf den Trockenwiesen. Das Schnittgut zerren sie von den Anhöhen in niedere Lagen, wo sie es in Häckslern des städtischen Bauhofs zerkleinern. Zuletzt verstreut der Pflegetrupp das zerhackte Buschwerk an geeigneten Stellen und führt es damit wieder der Natur zu.

Die eintägigen Pflegeaktionen, zu denen die Stadt Weilheim meistens im Februar aufruft, sind nicht nur kosmetische Landschaftspflege. Zwar hat die Arbeit vor allem in den ersten Jahrzehnten dazu gedient, dem Berg wieder Luft zum Atmen zu verschaffen und eine Verbuschung wie auf der Achalm oder dem Hohenstaufen zu verhindern. Die ökologischen Großkampftage tragen aber auch dazu bei, die Tier- und Pflanzenwelt sowie den Magerrasen auf der Limburg zu erhalten. Mittlerweile hat sich der regelmäßige Einsatz optisch ausgezahlt und auf ein angenehmeres Arbeitspensum eingependelt: Seit acht Jahren sind die Ziele des städtischen Rodungs- und Pflegeplans erfüllt. Seither muss nur noch nachgebessert werden. Den letzten Rest besorgen die Schafe.

Auch die Ortsgruppe Weilheim des Schwäbischen Albvereins säubert den Kopf der Limburg. Seit rund dreißig Jahren treffen sich jedes Jahr im Herbst ein Dutzend Mitglieder und lichten am West- und Südhang des Vulkankegels den spitzen Wuchs. „Die Dornen müssen abgeräumt werden, sonst verletzen sie die Hufen der Schafe und Rehe“, erklärt Werner Kauderer. Als Vorstand der Ortsgruppe ist er gleich doppelt am Berg aktiv.

Auf dem steilen Gelände ist das Schneiden der Hecken ein anstrengender Job. „Da gibt es Stellen, wo man sich fast nicht mehr halten kann“, sagt Kauderer. Wie Bergbauern kommen er und seine Kameraden sich manchmal vor, wenn sie die losen Zweige mit Rechen und Gabel zusammentragen. Der Abtransport der Hölzer ist dafür einfacher: Auf einer Spezialplane lassen die ehrenamtlichen Landschaftspfleger das Schnittgut zu den Straßen im unteren Teil des Berges gleiten. Dort verbrennen sie die Äste oder verteilen sie in Büschen. „Das holen die Rehe“, erklärt Kauderer.

Mit Schnippeln, Sammeln und Verstreuen hört das ehrenamtliche Engagement der Ortsgruppe nicht auf. Sie kümmert sich auch um das Wegesystem an dem Bergkegel. Durch ihre Schilder und Absperrungen an den „wilden Nebenwegen“ gelangen die Besucherströme auf den Gipfel der Limburg, ohne Flurschäden zu hinterlassen. Diese Wegbetreuung ist wichtig, denn wenn das Gras einmal fehlt, hat die Erosion freie Bahn.

Zugleich sorgt frischer Schotter dafür, dass Regen- und Tauwasser die Pfade nicht weiter aushöhlt. Den Split fährt die Stadt bis zum Einstieg; von da an transportieren ihn die freiwilligen Helfer mit Stoßkarren und Eimern zu den blanken Stellen. Zur Belohnung für die schweißtreibende Arbeit vespern die Naturschützer auf Kauderers Weinberg. „Das ist ein Highlight und erhält die Kameradschaft“, sagt der Vorsitzende der Ortsgruppe.

Die rund 23 Hektar große Fläche „Roter Wasen“ hat die Sektion Schwaben des Deutschen Alpenvereins zu ihrem ehrenamtlichen Hoheitsgebiet auserkoren. Jeweils am zweiten Samstag im Oktober bringen dort 15 bis 18 Mitglieder der Einsatzgruppe „Natur und Umwelt“ sowie weitere freiwillige Helfer aus der Sektion Licht in die Pflanzenwelt. Die jeweils eintägige Pflegeaktion führt die Gruppe bereits seit zwölf Jahren durch. Angeleitet wird sie dabei vom Weilheimer Revierförster.

Mit ihrem Einsatz verhindern die Naturschützer, dass seltene Pflanzen wie die Herbst-Schraubenstendel-Orchidee zurückgedrängt werden. Drei Pflanzen der seltenen Orchideenart wachsen in dem Naturschutzgebiet. „Durch eine weitere Mahd könnte sich die Orchidee noch weiter ausbreiten“, sagt Vorstandsmitglied Wilhelm Schloz. Deshalb hat die Gruppe im Juni einen weiteren Pflegetag auf dem ehemaligen Abbaugebiet für Sandstein durchgeführt. Die zusätzliche Aktion will die Sektion auch in Zukunft beibehalten.

Alle drei Gruppen sind für die Pflege und Erhaltung der beiden Naturschutzgebiete in diesem Jahr ausgezeichnet worden: Der Schwäbische Heimatbund und der Sparkassenverband Baden-Württemberg haben ihren langjährigen Einsatz mit dem Kulturlandschaftspreis belohnt.