Lokales

Scharfe Kritik an Boss-Plänen

Für oder gegen ein neues Logistikzentrum für die Hugo Boss AG auf dem Areal der EnBW in Wendlingen? Die Argumente wie Schaffung von neuen Arbeitsplätzen oder Lärmbelastung durch verstärkten Lastwagenverkehr wurden auf der Veranstaltung "Stadt aktuell" der Lokalen Agenda diskutiert.

SABINE FÖRSTERLING

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WENDLINGEN Das Forum greift kontrovers diskutierte Themen auf. Die Pläne der Modefirma Boss, auf dem Gelände der EnBW (der Energieversorger ist Bauherr) ein Logistikzentrum mit Hochregallager einzurichten, hatten für Wirbel gesorgt. Die Stimmung im Bürgertreff war emotional aufgeladen. Der Gemeinderat hatte am 6. Februar die Einleitung des Bauleitplanverfahrens beschlossen. Allein die Ausmaße des Gebäudes bringen viele Kritiker auf den Plan. Im voll besetzten Saal hing ein von Dieter Bulach (Grüne) gefertigter Größenvergleich. Ein Doppelhaus wirkt neben dem Zentrum wie David vor Goliath. Der geplante Treffpunkt Stadtmitte passe von seiner Grundfläche 55 Mal in das Lager, so der Stadtrat. Die Ratsrunde habe beschlossen, dass die Höhe von etwas über 18 Meter auf 15 Meter reduziert werden muss. Darauf wies Bürgermeister Frank Ziegler hin. Das Gebäude müsse drei Meter in die Erde eingelassen werden.

Um die Anwohner von Bodelshofen nicht mit Lastwagenverkehr zu belasten, fordere der Gemeinderat statt einer geplanten Zufahrt über die Ötlinger Straße die Erschließung über die Landesstraße, so der CDU-Fraktionsvorsitzende Alois Hafner. Dieses Ansinnen habe laut Horst Bantel, Organisator der Veranstaltung, zu Gerüchten geführt, dass Boss wieder abspringen wolle.

Wie viel zusätzlicher Verkehr kommt denn wirklich? Offiziell sollen es statt 15 Lastwagen am Tag 27 werden. Die Zahlen seien angesichts der Größe des Logistikzentrums unrealistisch, meinte nicht nur ein Zuhörer. Der Fraktionsvorsitzende der FWV, Werner Kinkelin, zitierte einen Anlieger, der heute schon 65 Lastwagen pro Tag registriert hat. Und wie steht es nun mit der Schaffung von neuen Arbeitsplätzen? Die Modefirma behaupte, es werden in Wendlingen 150 Stellen mehr, so Ziegler. Auch daran wurde gezweifelt, da Boss ja das Lager in Frickenhausen schließen will. Die Gewerbesteuer war für einen Zuhörer kein schlagendes Argument. Es sei jährlich höchstens mit 70 000 Euro mehr zu rechnen.