Lokales

Scherben können absolute Glücksfälle sein

KIRCHHEIM Scherben können sprechen und spannende Geschichten erzählen, sie können auch Geheimnisse verraten und sind damit wichtige Botschafter aus vergangenen Zeiten. Höchst aufmerksam und interessiert verfolgten die Teilnehmer der ersten Veranstaltung des Arbeitskreises Museumspädagogik dann auch den Erzählungen von Bernd Neugebauer. An eigene Erlebnisse erinnerten sich die Kinder und brachten viele unterschiedliche Gedanken ein zu der gemeinsam unternommenen Reise in die Vergangenheit.

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Scherben aus dem Mittelalter gingen dabei von Hand zu Hand. Vergleiche wurden angestellt und Vermutungen geäußert. Die Kinder wandelten sich während der Einstimmung schnell in junge Forscher. Mit Feuereifer setzten anschließend die Teilnehmer nach archäologischen Gesichtspunkten ein eigenes Gefäß aus Scherben zusammen. Im Mittelpunkt des jüngsten museumspädagogischen Nachmittags stand die Rekonstruktion eines Gefäßes. Ein ganz gewöhnlicher Blumentopf verwandelte sich dabei in der Fantasie der Kinder in einen wertvollen "Schatz".

Da diesem "wertvollen Gefäß" Gefahr drohte, wurde es in ein Tuch verpackt und versteckt, doch konnte doch nicht verhindert werden, dass es zerbrach. Viele Jahre vergingen und eines Tages kamen die verborgenen Schätze doch wieder zum Vorschein. Vorsichtig wurden die Tuchhüllen geöffnet und der "Schatz" entpuppte sich dann als eine Handvoll Tonscherben. Die Kinder hatten sofort viele Ideen, wie man mit diesem Scherbenhaufen nun umgehen könnte. Auf jeden Fall zusammenkleben, war der gemeinsam vertretene Lösungsansatz. Einigkeit bestand auch darüber, dass es sinnvoll wäre, die Scherben nach gewissen Merkmalen zu sortieren, wie beispielsweise Farbe und auch Wandstärke. Diese guten Vorschläge setzten die Teilnehmer dann auch sofort in die Tat um.

Warum mit Sand gefüllte Kartons auf dem Arbeitstisch standen, erkannten die jungen Archäologen gleich bei der ersten Klebeaufgabe. Waren zwei Teile gefunden, die exakt zusammenpassten, wurden sie vorsichtig in den Sand gesteckt. Hier konnte die Klebestelle aushärten, während es mit dem nächsten Scherbenpaar weiter ging.

Selbstverständlich müssen auch Forscher Regeln einhalten. Dennoch fiel es manchen Restauratoren doch schwer, tatsächlich nie mehr als zwei Teile zusammenzukleben, sondern geduldig zu warten, bis das Klebemittel entsprechend ausgehärtet ist, um dann mit den Bodenteilen zu beginnen. Weitere Mitglieder des Arbeitskreises Museumspädagogik unterstützten dann aber die zeitintensiven Zusammensetzbemühungen der Kinder. Am Schluss hielt dann jedes Kind ein wahres Erfolgserlebnis in der Hand.

Während der Aushärtungszeiten der Klebestellen untersuchten die nun entsprechend sensibilisierten Teilnehmer ganz genau die im Städtischen Museum ausgestellten Exponate. Durch die inzwischen gereiften eigene Erkenntnisse erhielten die ausgestellten Teller, Schüsseln und Schalen aus den verschiedensten geschichtlichen Epochen einen deutlichen Bedeutungszuwachs. Sehr viel Anerkennung für die Leute, die so etwas können, war aus den Fachgesprächen herauszuhören.

Rainer Laskowski, der Leiter des Städtischen Museums im Kornhaus, bekam die ganze Hochachtung der jungen Forscher zu spüren. Er ist schließlich hauptsächlich damit beschäftigt, "Scherben-Glücksfälle" in den Baugruben der Kirchheimer Innenstadt zu sichern, wodurch immer wieder neue Geschichten ablesbar werden.

Zunehmend verwandelten sich die Tonscherbenhaufen der Kinder wieder in die ursprünglichen Blumentöpfe, die nun eine ganz andere Geschichte erzählen konnten und viel mehr Wert hatten als die zuvor noch unbeschädigten Töpfe. "Scherben sind Glücksfälle" inzwischen verstanden die Kinder die wahre Bedeutung dieser Worte.

Mit Informationen über die gewissenhafte Inventarisierung der Objekte endete dieser Nachmittag und wie rohe Eier wurden die mühevoll wieder erstellten Blumentöpfe von den Teilnehmern schließlich nach Hause getragen. Die nächste Veranstaltung des Arbeitskreises Museumspädagogik findet statt am Mittwoch, 11. Mai. Das Thema lautet dann "Wir ritzen den Sibyllenbär" und steht wie alle museumspädagogischen Veranstaltungen dieses Jahres ganz im Zeichen der Sonderausstellung "Rulaman", die vom 17. Juli bis zum 30. Oktober im Kornhaus zu sehen ist. Weitere Informationen dazu sind einem Faltblatt zu entnehmen, das im Städtischen Museum im Kornhaus ausliegt oder können im Internet unter der Adresse www.museumspaedagogik-kirchheim.de. abgerufen werden.

bn